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Hofoldinger Forst:Gegenwind für Windkraftbefürworter

Windrad bei Welshofen, 2020

Nach dem Ausscheiden der Gemeinde Brunnthal halten Aying, Otterfing und Sauerlach am Bau von Rotoren im Hofoldinger Forst fest.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Brunnthals Gemeinderat Jürgen Gott wirft der Arbeitsgemeinschaft der beteiligten Kommunen mangelnde Neutralität vor.

Von Angela Boschert, Brunnthal

In der Diskussion um den Bau von Windkraftanlagen hat der Brunnthaler Gemeinderat Jürgen Gott (parteifrei) der Arbeitsgemeinschaft Windenergie Hofoldinger Forst (Arge) mangelnde Neutralität und Objektivität vorgeworfen.

Gott bezieht sich darauf, dass der Leiter des Ingenieurbüros, Robert Sing, das die Arge und die darin versammelten Gemeinden berät, von 2015 bis 2019 stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbandes Wind-Energie (BWE) in Bayern war. Wie solle es möglich sein, fragte Gemeinderat Gott seine Ratskollegen in einer E-Mail, dass der Co-Vorsitzende einer Lobbyorganisation pro Windenergie die Arge Hofoldinger Forst und die Arge Höhenkirchner Forst mit deren Gemeinden "neutral" beraten könne.

Sings Ingenieurbüro ist von den genannten Arbeitsgemeinschaften beauftragt worden, zu prüfen, ob Windenergie im südlichen Landkreis grundsätzlich ökologisch vertretbar und wirtschaftlich machbar ist. Auf Grundlage der Studie haben sich die Gemeinderäte von Aying, Otterfing und Sauerlach für die Fortführung des Windkraftprojekts im Hofoldinger Forst entschieden. Nach dem unlängst erfolgten Ausscheiden Brunnthals aus dem Projekt werden sie sich wohl im April verständigen. Wobei inzwischen klar ist, dass es nur noch um Planungen für drei Windkraftanlagen geht, wie der derzeitige Arge-Sprecher, der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU), mitteilte.

Den Lobbyismus-Vorwurf des Windkraftgegners Gott weist die Arge zurück. Sie stellt schriftlich klar, dass jeweils alle Arge-Mitglieder zustimmen müssen, wenn über weitere Projektschritte, Beauftragung von Dienstleistern oder Abschluss von Verträgen entschieden wird. Entsprechend sei im Mai 2018 das Ingenieurbüro Sing als Planungsbüro für Windenergieanlagen mit der besagten Vorstudie beauftragt worden. "Eine Mitgliedschaft oder Position von Herrn Sing in der BWE spielte bei der Entscheidung über die Vergabe des Auftrags keine Rolle", heißt es. Im Fachverband BWE seien Unternehmer, Planer, Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen sowie sonstige Förderer und Nutzer der Windkraft zusammengeschlossen. Die Frage sei, so ein Arge-Zuständiger, ob eine BWE-Mitgliedschaft überhaupt Relevanz habe. Die Branche sei sehr klein, man kenne sich, sagt die Leiterin der BWE-Landesgeschäftsstelle Bayern, Petra Hutner. Sie kenne kein Windkraft-Planungsbüro im Freistaat, das nicht BWE-Mitglied und zumeist auch als Beisitzer im Vorstand ehrenamtlich aktiv ist.

"Nichts hinter verschlossenen Türen"

Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner erinnert sich an das Vergabeverfahren im Mai 2018. Unter den Fachbüros mit Referenzen sei auch das von Sing gewesen. Sie als Arge hätten ihn kennengelernt und sich Anlangen angeschaut, an denen Sing selbst finanziell beteiligt sei, sowie bei den jeweiligen Bürgermeistern nachgefragt, ob diese tatsächlich positiv liefen. Sie habe damals nicht den Vorsitz der Arge gehabt, aber "es erschien uns allen als ein offenes Konzept, nichts hinter verschlossenen Türen. Wir waren bislang mit der Beauftragung von Herrn Sing sehr zufrieden", versichert die Bürgermeisterin.

Sing selbst ist Widerstand gewohnt und hat bei der zum Vergleich oft herangezogenen Anlage in Berg am Starnberger See sogar schon Morddrohungen erhalten. Berg rechne sich jetzt besser als erwartet, sagt er. In der Sitzung des Gemeinderats von Brunnthal hatte Sing mehrfach betont, dass die Ergebnisse seiner Vorstudie noch von mindestens einem unabhängigen Gutachterbüros nachgeprüft würden. Die Planung einer Windkraftanlage könne sehr leicht daran scheitern, dass die artenschutzrechtliche Kartierung eine Bedrohung von Tieren aufzeige. Daher habe er der Arge immer wieder geraten, auf die Ergebnisse des Fachgutachterbüros zu warten, ob natur- und artenschutzfachliche Gründe Windrädern im Hofoldinger Forst entgegenstehen. Sie tun es nicht.

Auch wirtschaftlich lohnen sich Windkraftanlagen dort. Die Wirtschaftlichkeitsprognose sei "sehr konservativ", also vorsichtig, angesetzt. Auf Basis der Ergebnisse aus der einjährigen Windmessung habe ein externer Windgutachter berechnet, welche Strommenge eine Anlage mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit erzeugen kann. Branchenweit üblich sei, 50-Prozent Wahrscheinlichkeit anzusetzen. Die berechneten Erträge habe sein Büro noch um etwa ein Viertel reduziert, erklärte Sing: "Ich begrüße die Überprüfung meiner Berechnungen durch ein unabhängiges Fachbüro und fürchte sie nicht." Windkraft sei auch in Bayern sinnvoll und notwendig. Windkraft gerne, aber nicht auf Teufel komm raus, scheint Sings Haltung zu sein.

Ungeachtet der Vorwürfe wird die Arge im April über drei Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst beraten. Letztendlich aber fällt die Untere Naturschutzbehörde die Entscheidung, ob solche überhaupt gebaut werden dürfen.

© SZ vom 15.03.2021/belo
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