Süddeutsche Zeitung

Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Unterführung soll Bahnausbau nicht stören

Der Gemeinderat verzichtet auf den Fußgängertunnel, um die Erweiterung und die Tieferlegung der Bahngleise voranzubringen.

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Die Gemeinderäte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn setzen jetzt auf die ganz große Lösung: auf den zweigleisigen Ausbau und die Tieferlegung der Bahntrasse. Weil das Ministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr unter Führung der Stimmkreisabgeordneten Kerstin Schreyer (CSU) diese Projekte mittlerweile vorantreibt, hat der Bauausschuss des Gemeinderats davon abgesehen, den Bau einer Bahnunterführung für Fußgänger nördlich des Bahnübergangs weiter ins Planungsverfahren zu bringen. Die Gemeinderäte erachten die Unterführung an der Straße Am Grenzweg so wie derzeit vorgesehen für unzureichend. Vor allem aber befürchten sie, dass die Investition überflüssig werden oder gar das große Bahnprojekt blockieren könnte.

Leicht fiel ihnen die Entscheidung nicht. Denn Bahnprojekte haben einen langen Vorlauf und ob sie jemals umgesetzt werden, steht über Jahre in den Sternen. Das gilt nicht nur für den Ausbau der Bahnstrecke und deren Tieferlegung, sondern auch für das relativ kleine Projekt, eine Unterführung für Fußgänger. Seit elf Jahren laufen die Vorarbeiten dafür. Mittlerweile liegen laut Stefan Piehlmaier vom Bauamt die für ein Planfeststellungsverfahren notwendigen Unterlagen samt Schallschutzgutachten vor. Es könnte also ernst werden mit der Unterführung, die bis 2024 umgesetzt werden könnte. Es würde eine drei Meter breite und 2,5o Meter hoher Durchgang , der Am Grenzweg und auf der gegenüberliegenden Seite an der Ecke Haring- und Brotmannstraße jeweils mit einer Rampe barrierefrei zugänglich wäre. 1,5 Millionen Euro sind in etwa kalkuliert. 300 000 Euro kämen für begleitende Arbeiten laut Bauamt wohl oben drauf.

Otto Bußjäger (Unabhängige Bürger) warnte davor, dass das rausgeworfenes Geld sein könnte. Die Unterführung sei "nicht ganz praxistauglich", sagte er mit Blick darauf, dass dort wegen der nicht ausreichenden Breite Radfahrer ausdrücklich nicht durchfahren dürften. Außerdem könnte es sein, dass die Unterführung überhaupt nicht mehr gebraucht wird, weil der von Ministerin Schreyer unterstützte große Wurf mit dem Bahntunnel kommt. Rupert Franke (SPD) sprach angesichts vieler anderer anstehender Vorhaben von "Luxus". Anita Reiprich (SPD) und Janine Schneider (Grüne) bemängelten, dass auf der Strecke zum Sportplatz eine Unterführung für Radfahrer dringend benötigt würde, und die sei gar nicht vorgesehen.

Peter Guggenberger (CSU) warnte unter Verweis auf elf Jahre Vorlauf, das Ganze voreilig abzublasen. Die Gemeinde verliere nichts, wenn sie ins Planfeststellungsverfahren gehe. Es gebe keine realistische andere Option für eine Unterführung. Ob und wann der Bahntunnel komme, sei nicht absehbar. Mathias Mooz (CSU) riet, jede Chance zu ergreifen, um die Bahnhofstraße mit dem Übergang dort zu entlasten. Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) warnte, die Unterführungsplanung könnte die Tunnelplanung tatsächlich erschweren. Man könne die Pläne später immer noch aus der Schublade holen. Gegen die Stimme von Guggenberger wurden die dort erst mal versenkt.

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SZ vom 15.09.2020
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