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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Viel Staub aufgewirbelt

Höhenkirchen-Siegertsbrunn bietet reizende Fotoperspektiven, jetzt aber blüht der Gemeinde Ungemach in Form eines umfangreichen Kiesabbaus im Ort.

(Foto: Claus Schunk)

Pläne für Kiesabbau lösen im Ort einen Proteststurm aus. Der Gemeinderat verweigert sein Plazet wegen einer fehlenden Anbindung, aber damit ist das Vorhaben nicht vom Tisch

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Verkehr, Lärm, Staub, verschmutzte Straßen: Die Pläne eines Abbruchunternehmers, in Höhenkirchen-Siegertsbrunn Kies abzubauen, haben im Ort einen Proteststurm ausgelöst. Mehr als 100 Bürger machten am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle vor der Sitzung des Gemeinderats klar, dass sie dies mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindern wollen und brachten ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass der Gemeinderat bereits Entscheidungen fällen soll, obwohl die Pläne erst seit einer Woche öffentlich bekannt sind. Der Gemeinderat sprach sich schließlich einstimmig gegen den Kiesabbau aus. Das letzte Wort ist das aber nicht.

Der Ärger und die Verunsicherung im Ort ist groß, obwohl der Geschäftsführer der AEM Projekt GmbH aus Hohenbrunn, Markus Baumgartner, schon vor einer Woche, als er erstmals im Gemeinderat seine Vorhaben vorstellte, einen der beiden Anträge zurückzog. Dieser zielte auf einen Kiesabbau in Sichtweite der Leonhardikirche ab, was viele in der Gemeinde als direkten Affront aufgefasst haben. Doch an einer sechs Hektar großen Abbaufläche nahe dem neuen Gewerbegebiet östlich der Hohenbrunner Straße will Baumgartner festhalten. Schon im Januar oder Februar würde er dort gerne Kies aus dem Boden holen, was bis zu sechs Lkw-Fahrten in der Stunde bedeuten würde, bei bis zu zehnstündigen Betriebszeiten. Bis zu 25 Meter tief würde in den nächsten 13, 14 Jahren gegraben werden. Der Verkehr würde über die Luitpoldstraße Richtung München laufen.

Eine ganze Reihe von Besuchern trat ans Mikrofon und sprach Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) direkt an: "Dafür bin ich nicht aufs Land gezogen", sagte eine Frau, die neben der geplanten Kiesgrube wohnt. Eine andere meinte, bei sechs Lkw-Fahrten in der Stunde, direkt an ihrem Haus vorbei, habe sie keine Lebensqualität mehr. "Wir wollen das verhindern, mit allen Mitteln", sagte ein junger Mann. Erst drei Tage vor einer Entscheidung hätten die Bürger Informationen bekommen. Er wandte sich an den ebenfalls eingeladenen Walter Schuster, Leiter des Geschäftsbereichs Bauen und Sicherheit, und fragte ihn direkt, ob dem Abbruchunternehmer am Ende schon irgendwas zugesagt worden sei.

Sowohl Schuster als auch Konwitschny wiesen das weit von sich. Vor allem Schuster machte klar, dass die Ablehnung eines Antrags auf Kiesabbau als privilegiertes Vorhaben nur schwer zu begründen sei. Kies sei ein wichtiger Rohstoff, der in der Bauindustrie benötigt werde. "Jeder sagt: Nicht vor meiner Haustür", warf er ein, als Bürger die Pläne verteufelten, weil sie eine Verunreinigung des Grundwassers befürchten. Konwitschny sagte, sie habe so früh wie möglich im Gemeindeblatt die Öffentlichkeit informiert, nachdem sie Anfang August im Urlaub von den Anträgen erfahren habe. Der Abbruchunternehmer hatte laut Schuster im Landratsamt Fakten abgefragt, auch fand im Landratsamt mit Behördenvertretern ein Informationsgespräch mit der Bürgermeisterin und Gemeinderäten statt.

Wie die Gemeinde mit dem durchaus rechtlich aussichtsreichen Antrag umgehen soll, ist nun die Frage. Vor einer Woche sagt Konwitschny, das Landratsamt habe empfohlen, keine Frontalopposition zu fahren, sondern möglichst gut mit dem Unternehmer zu verhandeln, etwa über eingeschränkte Betriebszeiten oder Verbesserungen zum Beispiel durch eine Reifenwaschanlage. Wohl auch unter dem Eindruck der Bürgerproteste gingen das Rathaus und der Gemeinderat nun noch weiter auf Distanz. Das Gremium lehnte das Vorhaben mit dem Argument ab, dass die geplante Anbindung der Grube an die Hohenbrunner Straße über einen Feldweg nicht gesichert sei. Als nächstes soll in einem neu aufzustellenden Teilflächennutzungsplan festlegt werden, wo Kiesabbau in der Gemeinde möglich sein soll. Auch steht im Raum, für die konkrete Fläche neben dem Gewerbegebiet einen Bebauungsplan aufzustellen, um dort Gewerbefläche festzuschreiben und Kiesabbau auszuschließen.

© SZ vom 26.09.2020

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