Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Der Zug ist abgefahren

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Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Die Schranken bleiben: In Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird es keine Bahnunterführung geben.

Die Schranken bleiben: In Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird es keine Bahnunterführung geben.

(Foto: Claus Schunk)

Der Kreis beerdigt Überlegungen für eine Bahnunterführung. Eine Machbarkeitsstudie war zu dem Ergebnis gekommen, dass eine solche teuer käme und die Verkehrsprobleme nicht lösen würde.

Von Martin Mühlfenzl, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Als sich Bürgermeister Rudolf Mailer (SPD) im September 2000 im Gemeindeblatt an die Bürger wendet, ist seine Botschaft unmissverständlich - und vom Gemeinderat auch so bestätigt worden: Die Tieferlegung der S-Bahn wäre die beste Lösung, und die Gleise würden den Ort nicht mehr zerschneiden. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte danach hat sich an dieser Ausgangslage in Höhenkirchen-Siegertsbrunn nichts geändert, und doch ist die Gemeinde dieser Lösung bisher keinen Schritt näher gekommen. Klar ist seit der Sitzung des Bauausschusses des Kreistags am Mittwochnachmittag nur eines: Eine Straßenunterführung wird es am Bahnübergang in der Ortsmitte nicht geben; der Ausschuss hat die Pläne für ein solches Vorhaben endgültig verworfen.

Damit schließt sich der Kreistag einer Haltung an, die der Gemeinderat in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bereits vor 21 Jahren hatte und auch heute noch vertritt. Denn eine Straßenunterführung, so zeigen auch die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die der Landkreis in Auftrag gegeben hat, ist nicht geeignet, die Verkehrsprobleme in der Gemeinde zu lösen - und sie ist, je nach Variante, mit geschätzten Kosten von zwölf bis 28 Millionen Euro zu teuer. Zudem, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) im Bauausschuss, seien die baulichen Gegebenheiten nicht geeignet, um die Kreisstraße M 10 unter das Bahngleis zu legen; die nahe der Schienen gelegenen Bauten würden aufgrund der langen Zufahrten von der Kreisstraße abgeschnitten. Laut CSU-Kreisrat Anton Stürzer würden die Steigungen viel zu steil ausfallen und es sei zu befürchten, dass vor allem durch den Schwerlastverkehr die Emissionen zunehmen. "An dieser Stelle können wir das nicht machen", so Stürzer.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: An den zweigleisigen Ausbau der S 7 glaubt Höhenkirchen-Siegertsbrunns Altbürgermeisterin Ursula Mayer nicht mehr so recht.

An den zweigleisigen Ausbau der S 7 glaubt Höhenkirchen-Siegertsbrunns Altbürgermeisterin Ursula Mayer nicht mehr so recht.

(Foto: Claus Schunk)

Seit Jahrzehnten wird in Höhenkirchen-Siegertsbrunn diskutiert, wie die Situation an den Bahnschranken verbessert werden kann. Denn alle 20 Minuten staut sich der Verkehr auf beiden Seiten des Bahnübergangs, und diese Situation könnte sich schon bald noch einmal verschärfen. Denn der Freistaat plant, auf der Strecke der S 7 den 15-Minuten-Takt einzuführen. "Dann stehen die Autos noch öfter im Stau", sagte dementsprechend die CSU-Kreisrätin und ehemalige Bürgermeisterin Ursula Mayer im Ausschuss. Gehe es nach ihr, sei die optimalste Lösung der Verkehrsprobleme in der Gemeinde nach wie vor eine Ortsumfahrung im Norden, um die Ost-West-Achse im Ort zu entlasten. "Aber da spielt leider die Nachbargemeinde Hohenbrunn nicht mit", sagte Mayer. Und der Landkreis auch nicht, entgegnete Landrat Göbel, denn auch hier seien die Kosten für den Landkreis zu hoch. Und dies sehe auch der Kreistag mehrheitlich so.

Nun sollen weitere Gespräche mit der Gemeinde und dem Freistaat aufgenommen werden, wie es mit dem Bahnübergang weitergehen soll. Alle Hoffnungen im südöstlichen Landkreis und den Kommunen an der S 7 liegen weiterhin auf dem zweigleisigen Ausbau der S-Bahnstrecke und einer möglichen Tieferlegung nicht nur in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. "Aber ich werde das wahrscheinlich nicht mehr erleben", sagte Mayer mit Blick auf die langen Planungszeiten bei derartigen Projekten.

Es gibt außerhalb der Landeshauptstadt ohnehin nur zwei S-Bahnhöfe, die unterirdisch liegen: die 1992 in Betrieb genommene Station in Ismaning sowie der 2005 eröffnete Tunnelbahnhof in Unterföhring. Beide Haltestellen waren umstritten, vor allem die Deutsche Bahn hatte lange Zeit abgelehnt, die Kosten für die unterirdischen Haltestellen zu übernehmen. Beide konnten nur realisiert werden, weil sich die Kommunen dazu bereit erklärten, sich an den Baukosten in nicht unerheblichem Umfang zu beteiligen. Dass dies auch in Höhenkirchen-Siegertsbrunn passieren könnte, ist angesichts der klammen Haushaltslage der Gemeinde nicht zu erwarten.

Im Ausschuss nahm FDP-Kreisrat Manfred Riederle auch eher den Landkreis in die Pflicht. Es dürfe nicht nur jeder Bahnübergang einzeln betrachtet werden, sagte der Liberale, vielmehr solle das Landratsamt aufzeigen, wo im gesamten Landkreis in welchen Kommunen Handlungsbedarf besteht. Dies gelte auch für den Norden und die Kommunen Unter- und Oberschleißheim, so Riederle. Dort habe vor allem der Regional- und Güterverkehr enorm zugenommen. Landrat Göbel entgegnete, das werde bereits so gehandhabt. Allerdings stehe der Kreis in Höhenkirchen-Siegertsbrunn natürlich direkt in der Verantwortung. "Das ist einfach eine Kreisstraße, und als Landkreis sind wir als Straßenbaulastträger schlichtweg zuständig und müssen uns darum kümmern." Dass an dieser Stelle schnell etwas passieren wird - daran wird aber nicht einmal Alt-Bürgermeister Mailer glauben.

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