Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Skandal-Rufe verhallen

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Die vielbefahrene Doppelkreuzung der Staatsstraße zur Münchner Straße und dann auch zur Luitpoldstraße soll entschärft werden.

Die vielbefahrene Doppelkreuzung der Staatsstraße zur Münchner Straße und dann auch zur Luitpoldstraße soll entschärft werden.

(Foto: Claus Schunk)

Bürgermeisterin Konwitschny erntet von CSU und Grünen scharfe Kritik, weil sie ohne Wissen des Gemeinderats die Südumfahrung ins Spiel bringt. Doch Mindy Konwitschny bleibt ruhig und erhält auch Rückendeckung

Von Angela Boschert, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Sie wollte ihren Gemeinderat eigentlich nur informieren, erntete dann aber einen Sturm der Entrüstung. So erging es Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), als sie mittels Sachvortrag und einer Landkarte über Besprechungen mit Nachbargemeinden zum Umbau der Kreuzung der Staatsstraße 2078 zur Münchner Straße berichtete und eine Verkehrsuntersuchung ankündigte. Die Gemeinderäte zeigten sich verärgert, dass dabei ohne ihr Wissen auch die Südostumfahrung der Gemeinde zur Sprache kam.

Peter Guggenberger (CSU) beklagte, dass er von den Unterredungen erst im Nachhinein erfahren musste. Im Juni bereits hatte es ein Gespräch der Bürgermeister von Brunnthal, Hohenbrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit Staatsministerin Kerstin Schreyer (CSU) gegeben, bei dem man sich einigte, sich mit dem Kreuzungsumbau zu befassen. Weitere Besprechungen folgten. Brunnthal will das Gebiet um das Kieswerk Ganser in Neukirchstockach überplanen und besser erschließen. Hohenbrunn und auch Höhenkirchen wollen über die Luitpoldstraße ihre Gewerbegebiete besser anbinden.

Konwitschny hätte den Gemeinderat über die Unterredungen informieren müssen, sagte Guggenberger. Die Bürgermeisterin verteidigte sich, sie habe erst am Montag das Protokoll erhalten. Es handle sich lediglich um eine Untersuchung der Verkehrsströme, an der man sich mit 5850 Euro beteiligen wolle. Das fand Dorothee Stoewahse (Grüne) den falschen Ansatz. Statt neue Straßen für 20 bis 25 Prozent überörtlichen Verkehr zu planen, solle man sich auf die Reduzierung des innerörtlichen Verkehrs durch ökologische Verkehrskonzepte konzentrieren. Und auf mehr Sicherheit für Radfahrer, pflichtete ihr Rupert Franke (SPD) bei.

CSU-Sprecher Roland Spingler sprach gar von einem "Skandal". Die Umfahrung von Höhenkirchen-Siegertsbrunn werde am Gemeinderat und den Bürgern vorbei behandelt, sagte er erregt. "Ich habe das Gefühl, wir sind nicht mehr Herr des Verfahrens, das sind die Nachbargemeinden. Das ist Dilettantismus." Stoewahse fand es "befremdlich", dass Höhenkirchen die Südumfahrung ins Spiel bringt, ohne dass der Gemeinderat informiert ist.

Für "Skandal" habe er eine andere Definition, meinte dagegen Franke, und auch Manfred Eberhard (Unabhängige Bürger, UB) wunderte sich über den scharfen Ton. Es gehe um eine unfallträchtige Kreuzung, an der viel Verkehr aus Höhenkirchen und der Luitpoldsiedlung Hohenbrunn ankomme. Darüber nachzudenken sei gut, er wünsche sich mehr Lösungsvorschläge.

Konwitschny beteuerte, es gehe "nur um eine Untersuchung". Und: "Ganz klar keine Planung!" Wenn Studien ergäben, dass die Südumfahrung, die auf der vorliegenden Karte zwischen Egmatinger und Rosenheimer Straße unglücklicherweise extra dick und rot eingezeichnet sei, keinen Sinn ergebe, könne man diese gleich streichen.

Otto Bußjäger (UB) sprang ihr zur Seite. "Die Wahl ist gelaufen", sagte er. "Die Bürgermeisterin macht ihren Job und macht den gut." Brunnthal plane Wege durch ein Wasserschutzgebiet, um ein bestens erschlossenes Industriegebiet besser anzubinden, mit Vernichtung von 1,6 Hektar Bannwald. "Unser Gegner ist nicht Frau Bürgermeisterin, sondern der sitzt in einem anderen Rathaus ganz in der Nähe."

© SZ vom 30.11.2020
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