Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Schub für den Ausbau der S 7

Bürgerinitiative hofft, dass mit der neuen Raumfahrt-Fakultät ein zweites Gleis kommt

Von Carina Seeburg, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Wenn man an der Linie S 7 lebt, ist man es gewohnt zu warten. Grund für verspätete S-Bahnen, schlechte Taktung, schleichende Züge und damit für die langen Wartezeiten ist vor allem die Eingleisigkeit der Strecke. Das S-Bahnnetz in der Region München ist in die Jahre gekommen. Ein zweites Gleis, das schon beim Ausbau der S-Bahn 1973 vorgesehen war, wurde nie gebaut. "Die S7 ist heute die einzige S-Bahn-Linie in der Region München, die sogar im Bereich der Landeshauptstadt noch eingleisig fährt", sagt Jürgen Stanke, ehemaliger Raumfahrtingenieur und Mitglied der überparteiliche Initiative "S7-Ost plus" bei der Podiumsdiskussion der Unabhängigen Bürger am Mittwochabend in Höhenkirchen.

Seit Jahren kämpfen Kommunalpolitiker und die Bürgerinitiative deshalb gemeinsam für den zweigleisigen Ausbau, der möglichst mit einer Verdichtung vom derzeitigen 20-Minuten-Takt auf einen 10-Minuten-Takt einhergehen soll. Im Landkreis habe man erkannt, "dass man das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen muss, denn die Staatsregierung tut nichts", sagt Stanke. Erst im Dezember habe der Mobilitätsausschuss des Kreistags entschieden, eine Machbarkeitsstudie zum zweigleisigen Ausbau der S 7 im Osten des Landkreises auf eigene Kosten anzuschieben, denn der Freistaat sei seiner Aufgabe, eine solche Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen und auch zu finanzieren, bisher nicht nachgekommen: Bereits vor zwei Jahren hatten sowohl die Staatsregierung als auch die Landeshauptstadt München mitgeteilt, dass man sich nicht an einer Machbarkeitsstudie beteiligen werde.

"Auf Landkreisebene sind sich alle Bürgermeister einig", sagt der Neubiberger Rathauschef Günter Heyland von den Freien Wählern. Man werde in dieser Sache nicht lockerlassen, denn überall im Landkreis würden die Menschen unter Holpertakt, langen Umstiegszeiten, überfüllten Zügen und der notorischen Verspätung leiden. Dass es auf der Strecke der S 7 zu Problemen kommt, wundert den Verkehrsplaner Thomas Kantke nicht. Eingleisige Strecken hätten eine Kapazität von circa 70 bis 80 Zügen am Tag, auf zweigleisigen könnten 280 bis 300 Züge betriebsstabil fahren. Eine Strecke mit zwei Gleisen habe somit die vierfache Kapazität gegenüber einer eingleisigen - "zumindest, wenn die Fahrgäste in beide Richtungen fahren wollen und alle Züge gleichschnell fahren", sagt Kantke. Hier läge ein weiteres Problem, das zu berücksichtigen sei: Der Mischbetrieb von schnell und langsam fahrenden Zügen durch den Güter- und Fernverkehr.

"Die Bestandsaufnahme der Situation" zeige, dass es den zweigleisigen Ausbau der S 7 brauche, "um endlich einen attraktiven Zugang" zum öffentlichen Nahverkehr zu bekommen, fasst Andrea Hanisch, Bürgermeisterkandidatin der Unabhängigen Bürger zusammen.

Neuen politischen Schub, findet Stanke, könnten die Pläne der Staatsregierung mit dem Aufbau der Raumfahrt-Fakultät in Ottobrunn geben. Die Entwicklung einer tragfähigen Infrastruktur sei auch für den neuen Forschungsstandort essenziell und würde es möglicherweise erleichtern, staatliche Gelder zu akquirieren. Die Diskussion, ob der Ausbau der U-Bahnlinie U5 zur besseren Anbindung der TU-Fakultät in Konkurrenz zum Ausbau des S-Bahn-Netzes stünde, wurde nicht zu Ende geführt. Man dürfe ein Verkehrsmittel nicht gegen das andere ausspielen, sagt Neubibergs Bürgermeister Heyland

© SZ vom 14.02.2020
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