PartizipationVon Jugendlichen für Jugendliche

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Schüler eines P-Seminars am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben mit Lehrerin Judith Götz einen Social-Media-Kanal für die Gemeinde entwickelt.
Schüler eines P-Seminars am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben mit Lehrerin Judith Götz einen Social-Media-Kanal für die Gemeinde entwickelt. (Foto: Florian Peljak)

Schülerinnen und Schüler eines P-Seminars am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben sich Gedanken gemacht, wie man junge Leute besser in das gemeindliche Leben einbinden kann. Das Ergebnis: ein Instagram-Kanal und ein Spendenfonds für Projekte von 14- bis 21-Jährige.

Von Daniela Bode, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

„Ah, da seid ihr ja.“ Wenn Nicolas Grimm die Zuschauer in dem kurzen Video auf dem neuen Instagram-Kanal der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn für junge Leute direkt anspricht, wird man neugierig und will weiterhören. Das ist schon ein Erfolg. Denn genau das ist gewollt: Junge Leute sollen sich angesprochen fühlen und sich auf dem Kanal informieren darüber, was in der Gemeinde für ihre Altersgruppe geboten ist.

Der neue Kanal, der auf Instagram unter jugend.gemeinde.hksbr zu finden ist, ist nur ein Ergebnis des P-Seminars „Jugend macht Politik“. Die zwölf Schülerinnen und Schüler haben auch einen Jugendfonds entwickelt, mit dem Projekte von jungen Leuten finanziert werden sollen. Das P-Seminar ist auf Initiative der Gemeinde entstanden, die damit mehr Jugendpartizipation fördern will. „Wir finden das eine gute Idee, wie wir die Jugend dazu bringen können, sich zu beteiligen“, sagt Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD). Die Kommune hat sich sozusagen die Zielgruppe selbst als Experten an die Seite geholt.

P-Seminar steht für Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung und ist Teil der gymnasialen Oberstufe in Bayern. Mit dem, was die zwölf Schülerinnen und Schüler auf die Beine gestellt haben, haben sie nicht nur für ihr künftiges Berufsleben viel gelernt, sondern leisten auch einen Beitrag zur gelebten Demokratie in der Gemeinde. In einer Analyse fanden sie zunächst heraus, dass es zwar bereits einige Angebote für junge Leute gibt in der Gemeinde, diese aber zum Teil kaum bekannt sind. Valerie Forster nennt als Beispiel die Jugendbürgerversammlung. „Keiner weiß davon“, sagt die Schülerin. Das soll der Social-Media-Kanal ändern, den Forster mitentwickelt hat.

Die Elftklässler bewerben auf Instagram nicht nur den neuen Jugendfonds und Veranstaltungen der Gemeinde, die junge Leute interessieren könnten, sondern auch solche von Vereinen. Für die Inhalte, die sie posten können, und auch sonst arbeiten die Schüler eng mit der Gemeinde zusammen. Clemens Scheerer, Projektkoordinator der Fach- und Servicestelle für Jugendbeteiligung beim Bayerischen Jugendring, habe sie ebenfalls sehr unterstützt, sagen die Elftklässler. Der Gemeinde wichtig gewesen, ein Projekt voranzutreiben, das „oben auf der Partizipationsleiter“ angesiedelt ist, erzählt Schüler Levin Krack, das also die Eigeninitiative der Jugendlichen fördert.

Mit dem von den Schülern entwickelten Jugendfonds sollen gemeinnützige Projekte von jungen Leuten gefördert werden.
Mit dem von den Schülern entwickelten Jugendfonds sollen gemeinnützige Projekte von jungen Leuten gefördert werden. (Foto: Florian Peljak)

Für den Jugendfonds haben sich die Elftklässler Anregungen in Fürth und Ebersberg geholt, wo es so einen Topf schon gibt. Herausgekommen ist ein ausgefeiltes, aber möglichst unbürokratisches Konzept und ein Antragsformular, das mittlerweile auch auf der Gemeinde-Homepage heruntergeladen werden kann. Der Fonds ist ein Geldtopf, der durch Spenden gefüllt wird und der Jugendlichen aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Alter von 14 bis 21 Jahren zur Verfügung steht, um selbständig gemeinnützige Projekte zu planen und umzusetzen. Solche Projekte könnten die Organisation von Turnieren sein, Schulbandveranstaltungen, Müllsammelveranstaltungen oder Ähnliches, sagt Grimm. Es brauche jedenfalls „eine gute Idee“.

Und es gibt einige Vorgaben zu beachten. Beispielsweise müssen sich die Jugendlichen immer einen Partner suchen, in der Regel den Arbeitskreis Jugend, der Teil der örtlichen Agendagruppe „Zukunftswerkstatt“ der Gemeinde ist, um das Geld für ihr Projekt zu erhalten. Sie können aber auch eine gemeinnützige Institution als Partner wählen. Beantragen und organisieren müssen sie die Veranstaltung aber selbst. Denn das war der Gemeinde besonders wichtig, wie Elftklässler Tim Büttner sagt: Es sollte „von Jugendlichen für Jugendliche sein“.

Am Ende entscheidet die Bürgermeisterin, wer Geld bekommt

Den Antrag prüft dann jeweils der Arbeitskreis Jugend, der vom Jugendbeauftragten und Gemeinderat Rupert Franke (SPD) betreut wird. Ob Geld für das jeweilige Vorhaben bereitgestellt wird, entscheidet am Ende die Bürgermeisterin. Die Schüler haben schon einige Firmen angeschrieben und einzelne Spenden eingeworben. Außerdem hat Rathauschefin Konwitschny Geld aus dem Bürgermeisterbudget zur Verfügung gestellt, weil sie das Projekt unterstützenswert findet.

Bis Kanal und Fonds so weit waren, hatten die Schüler ganz schön zu tüfteln. So mussten sie sich beispielsweise mit den Datenschutzregeln intensiv auseinandersetzen. Auch diverse andere rechtliche Aspekte galt es zu beachten. „Sie haben viel gelernt und sehen, wie viel Arbeit hinter so einem Projekt steckt“, sagt die Politik-und-Gesellschaft-Lehrerin Judith Götz, die das P-Seminar betreut. Sie sieht aber auch einen anderen positiven Aspekt für die Schüler. „Selbstwirksamkeit“ und dass man „als Bürger sehr wohl die Möglichkeit hat, mitzugestalten“, das hätten sie innerhalb recht kurzer Zeit erlebt. Diese Möglichkeiten habe man nur in einer Demokratie.

Die Schüler bespielen den Instagram-Kanal für die Gemeinde nur noch bis zum Ende des Schuljahrs, dann endet ihr Kurs. Doch der Kanal soll weiter bestehen und künftig wie der Fonds vom Arbeitskreis Jugend betreut werden. Bürgermeisterin Konwitschny ist froh, dass die beiden Projekte damit nachhaltig gesichert sind: „Das ist für uns sehr wertvoll“, sagt sie.

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