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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Ortszentrum bekommt neues Gesicht

Für den Parkplatz des ehemaligen Supermarkts an der Bahnhofstraße gibt es bereits neue Pläne.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Gemeinderat segnet Vorentwurf einer Bebauung in der Nähe des Bahnhofs ab

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn will ihr "Wohnzimmer neu planen", so nennt es Otto Bußjäger, Gemeinderat der Unabhängigen Bürger (UB). Gemeint ist die Ortsmitte rund um den Bahnhof, die mittelfristig zu einem pulsierenden und verbindenden Herz zwischen den Teilorten werden soll - inklusive eines neues Rathauses und eines Marktplatzes auf der Bahnhofsseite.

Ehe diese Pläne Realität werden, steht direkt gegenüber aber ein anderes Bauprojekt in den Startlöchern: Auf dem Parkplatz des einstigen Supermarktes will ein Investor ein Punkthaus analog zu dem Gebäude östlich des Bahnübergangs errichten sowie vorne an der Bahnhofsstraße einen viergeschossigen Riegelbau.

Um dieses Vorhaben zu steuern, hatte die Gemeinde Ende 2019 eine Veränderungssperre verhängt und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Nach einer intensiven Debatte im Sommer hat der Bauausschuss des Gemeinderats jetzt einen überarbeiteten Vorentwurf abgesegnet. Dieser kann somit demnächst öffentlich ausgelegt werden - der Startschuss für die Bürgerbeteiligung. Das Ziel der Gemeinde ist eine Nachverdichtung in Form einer Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe im Erdgeschoss, so wie es im städtebaulichen Entwicklungskonzept vorgegeben ist. Gleichzeitig sollen an dieser zentralen Stelle Gebäude entstehen, "die der Funktion und Gestalt einer neuen Ortsmitte angemessen" sind, wie es in der Vorlage zur Bauausschusssitzung hieß.

In dieser stellte Stadtplaner Peter Luedicke zunächst seinen aktualisierten Entwurf vor. So sei das geplante Punkthaus um eineinhalb Meter von der Bahnhofstraße zurückversetzt und zudem an die Höhe seines Zwillings auf der anderen Seite der Gleise angepasst worden. Man habe sich von der ursprünglichen Planung verabschiedet, die Straße Am Grenzweg zu begradigen. Hierfür hätte es Zugeständnisse vom dortigen Grundstückseigner gebraucht, "doch da sind wir nicht weitergekommen", sagte Luedicke. Somit bleibt die Straße verschwenkt, weshalb der geplante Riegelbau von 40 auf 33 Meter reduziert wurde. "Wir gewinnen dadurch viel Grünfläche", sagte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD). Peter Guggenberger (CSU) lobte: "Unsere Anregungen sind umgesetzt worden. Ich finde die Planung gut und gelungen."

Ganz anders klang das bei Andrea Hanisch (UB). Ihr zufolge ist der Riegelbau "zu mächtig an dieser Stelle". Sie kritisierte: "Da wird zu sehr darauf geschaut, was der Grundeigentümer haben will." Der Planer wies den Vorwurf entschieden zurück: "Ich hatte das Konzept schon fertig entwickelt, bevor wir überhaupt den Investor kontaktiert haben." Derweil gab Bürgermeisterin Konwitschny zu bedenken, dass es an dieser Stelle bereits ein Baurecht gebe, das den Größen der geplanten Gebäude entspreche. Zudem wies sie darauf hin, dass die Veränderungssperre im September auslaufe, ehe man sie noch mal um ein Jahr verlängern könne. "Es wäre deshalb schön, wenn wir jetzt in die Bürgerbeteiligung hineinkommen würden."

Eine längere Debatte entspann sich noch um eine mögliche Verbindung des Grundstücks mit der bestehenden Unterführung mittels eines Tunnels unter der Bahnhofsstraße. Von einer solchen Lösung riet Luedicke jedoch ab, da sie nicht nur teuer wäre, sondern die bestehende Unterführung auch nicht barrierefrei sei. "Und wenn irgendwann die Tieferlegung der Bahnstrecke kommen sollte, ist die ganze Anlage nicht mehr brauchbar", sagte der Planer. Mit dieser Einschätzung wollte sich Hanisch nicht zufrieden geben. "Eine Tieferlegung der Bahn werden wir in den nächsten 20 Jahren nicht bekommen. Und was machen wir bis dahin?" Die UB-Gemeinderätin forderte, eine Unterführung im Detail zu prüfen. "Wir brauchen konkrete Zahlen." Diese konnte auch die Bürgermeisterin nicht liefern. Viel wichtiger sei, so Konwitschny, "die Planungen an der Bahnhofsstraße jetzt anzugehen". Der Bauausschuss befürwortete den Vorentwurf des Bebauungsplans schließlich einstimmig.

© SZ vom 06.03.2021
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