Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Neuanfang mit zwei neuen Kommandanten

Nikola Schwaiger

Nikola Schwaiger war nach acht Jahren nicht mehr als Feuerwehr-Kommandantin angetreten. Bürgermeisterin Konwitschny kündigte an, sie werde noch gebührend verabschiedet.

(Foto: Privat)

Die Höhenkirchner Feuerwehr hat nicht nur Probleme mit der Einsatzfähigkeit am Tag. Es gab wohl in der Vergangenheit auch Querelen. Die Bürgermeisterin betont, das zu klären, sei Sache der Beteiligten

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

"Semper paratus" ist auf der Homepage der Höhenkirchner Feuerwehr in dicken, roten Buchstaben zu lesen. Doch was alte Lateiner schnell als "stets bereit" entziffern und mancher als selbstverständliche Losung einer Feuerwehr ansehen, im Notfall eben auch immer für die anderen da zu sein, hat sich in jüngster Zeit nicht mehr ganz halten lassen. Die Freiwillige Feuerwehr Höhenkirchen hat sich aus Mangel an einsatzfähigen Kräften tagsüber bei der Einsatzzentrale als nur bedingt einsatzfähig melden lassen. Man sei "auf Null" gestellt, heißt es. Also bei Notfällen werden automatisch andere Feuerwehren mit alarmiert. In diesem Fall vor allem die aus Siegertsbrunn.

Am Ort ist die schwächelnde Feuerwehr in Höhenkirchen seit längerem ein Riesenthema, über das aber nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Es geht dabei zum einen um das in vielen Feuerwehren im Landkreis München wachsende Problem, dass gerade tagsüber nicht genügend aktive Feuerwehrleute greifbar sind, die bei einem Notfall alarmiert werden könnten. Wenn etwa ein Feuerwehrler in München arbeitet oder in einer etwas entfernteren Gemeinde, dann ist er im Notfall keine Hilfe. Zum anderen aber gibt es in Höhenkirchen seit längerem Querelen, die auch persönliche Gründe haben. Diese brachen nun im Gemeinderat auf, als der früher in Höhenkirchen aktive Feuerwehrler und Gemeinderat Otto Bußjäger (UB) von einem "Desaster" bei den Höhenkirchnern sprach und beiläufig die "Auflösung" der Ortsfeuerwehr und deren "Zusammenlegen" mit der Feuerwehr in Siegertsbrunn ins Spiel brachte. Ein härteres Urteil - wenngleich scheinbar nur so dahingesprochen - hätte er nicht treffen können.

Tatsächlich sind solche Überlegungen in Höhenkirchen aktuell kein Thema. Die Probleme bei der Feuerwehr in Höhenkirchen, die man grundsätzlich dort nicht abstreitet, kamen jetzt im Gemeinderat zur Sprache, weil eine Neuwahl der Kommandanten anstand und auch ein neues Kommandofahrzeug angeschafft werden soll. Bußjägers Parteifreundin Andrea Hanisch (UB) wollte schon kürzlich im Hauptausschuss des Gemeinderats wegen der Schwierigkeiten bei der Feuerwehr zunächst einmal die Entscheidung über die Anschaffung des Fahrzeugs aufgeschoben haben, was im Gemeinderat keinen Widerhall fand. Die Ersatzbeschaffung wurde befürwortet, obwohl Hanisch meinte, man sollte die Neuwahl der Kommandanten abwarten. Die Wahl ging dann ein paar Tage später über die Bühne. An Stelle von Nikola Schwaiger, die nach acht Jahren nicht wieder antrat, wurde Christoph Pöttinger in einer Dienstversammlung zum Kommandanten gewählt. Er setzte sich dabei, wie es heißt, gegen einen Konkurrenten durch. Sein Stellvertreter ist Patrick Ahlers.

Wie zu hören ist, sind beide unbelastet, was die zurückliegenden Streitigkeiten angeht, in denen es angeblich um eine Art Kulturkampf zwischen alten Feuerwehrlern und den Jungen ging, die manches anders machen wollten. Und als sich die Neuen im Gemeinderat mit anderen Feuerwehrleuten vorstellten, um vom Gremium dann auch einstimmig bestätigt zu werden, war auch die scheidende Kommandantin dabei. Sie sagte noch, sie sei "stolz" darauf, das Vergangene überstanden zu haben. Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) lag dann auch daran, Schwaiger "gebührend zu verabschieden" und nach vorne zu schauen. Davor mussten noch ein paar, mehr oder weniger formale Bedenken ausgeräumt werden, die Kreisbrandrat Josef Vielhuber zur personellen Neuaufstellung geäußert hatte. Und vor allem mussten einige Bußjägers Attacke verarbeiten.

Die Bedenken der Kreisbrandinspektion zielten im Grunde genau auf das Problem vieler Feuerwehren, dass eben aktives Personal vor allem tagsüber nicht greifbar ist. Bei Patrick Ahlers, der nun zweiter Kommandant ist, trifft das in besonderer Weise zu, weil er bei der Berufsfeuerwehr in München hauptberuflich tätig ist, was ihn einerseits besonders für sein Amt qualifiziert. Andererseits ist er in München im Dienst und steckt im Zweifel, wenn die Höhenkirchner Feuerwehr und die Münchner Berufsfeuerwehr in einem Einsatz gefordert sind, in einem Loyalitätskonflikt. Weil solche Fälle aber nicht häufig vorkommen dürften, einigte man sich darauf, in diesem Fall ein Auge zuzudrücken. Gravierender nahmen Konwitschny und die Gemeinderäte die öffentlichen Äußerungen Bußjägers auf. "Wir erwarten schon", sagte Bußjäger, dass es jetzt nach den Fehlern der Vergangenheit einen Neuanfang gebe. Er erkenne "den Mut" von Pöttinger an, sich dieser Aufgabe zustellen, sagte er. Es gelte der "Wahrheit" und der "Ehrlichkeit" halber die Defizite offen anzusprechen.

Aus dem Gemeinderat kam offener Widerspruch. Konwitschny wehrte sich dagegen, dass von Bußjäger durch das gewählte "Wir" der Gemeinderat mit einbezogen werde. Die Vergangenheitsbewältigung sei Sache der Feuerwehr. Gudrun Hackl-Stoll (Grüne) hielt es nicht auf ihrem Sitz. Sie sagte: "Es ist ein bisschen schade, dass beim Neuanfang diese alten Geschichten zur Sprache kommen." Kommandant Christoph Pöttinger sagte, beim Aufbau der Mannschaftsstärke komme man derzeit gut voran. Es gebe aktuell ein paar neue Interessenten. Wie es auch heißt, müsse sich die Höhenkirchner Feuerwehr grundsätzlich nicht hinter der Siegertsbrunner verstecken. Nachts sei die Einsatzstärke sogar größer als bei den Siegertsbrunnern. Dort profitiert man davon, dass etliche Aktive bei Betrieben am Ort beschäftigt sind, die ihre Leute zu Einsätzen abstellen.

© SZ vom 13.07.2020
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