Höhenkirchen-Siegertsbrunn Nazi-Porträt bleibt im Rathaus

Das Porträt des Peter Westermairs (rechts) - von 133 bis 1944 Bürgermeister von Siegertsbrunn - bleibt in der Ahnengalerie des Rathauses hängen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Zeichnung des 1933 von der NSDAP eingesetzten Gemeindeoberhaupts Peter Westermair wird nicht aus der Ahnengalerie entfernt. Auf Vorschlag von Höhenkirchens Bürgermeisterin Ursula Mayer soll lediglich eine Bronzetafel mit einem knappen Hinweis angebracht werden

Von Antonia Hofmann, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Die Porträtzeichnung des ehemaligen Siegertsbrunner Bürgermeisters und NSDAP-Mitglieds Peter Westermair bleibt im Rathaus von Höhenkirchen-Siegertsbrunn hängen. Allerdings wird unter dem Bild ein Bronze-Täfelchen angebracht, auf dem hingewiesen werden soll, dass Westermair - zwischen 1933 und 1944 im Amt - von den Nationalsozialisten eingesetzt worden war.

Mit diesem von ihr vorgeschlagenem Vorgehen hat Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) am Donnerstagabend gleich zu Beginn der Gemeinderatssitzung die Luft aus der Debatte genommen. Diese hatte sich entzündet, nachdem die SZ vor zwei Wochen über das Porträt berichtet hatte.

Das Porträt des Peter Westermairs (rechts) - von 133 bis 1944 Bürgermeister von Siegertsbrunn - bleibt in der Ahnengalerie des Rathauses hängen.

(Foto: Claus Schunk)

Hitlerbärtchen und Parteiabzeichen

Das Bild hatte der Münchner Maler Rudolf R. Fiedler Anfang der Neunzigerjahre zusammen mit anderen Porträts ehemaliger Bürgermeister im Auftrag des damaligen Rathauschefs Rudolf Meiler (SPD) gefertigt. Es zeigt den von den Nazis 1933 als Siegertsbrunner Bürgermeister eingesetzten Peter Westermair mit Hitlerbärtchen und Hakenkreuz-Parteiabzeichen am Revers. Dass die Zeichnung auf keine Fall abgenommen werden soll, darin war sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag mit Ausnahme von Grünen-Rätin Luitgart Dittmann-Chylla einig.

"Ahnengalerie ist Ahnengalerie", sagt Ursula Mayer.

(Foto: Claus Schunk)

"Ahnengalerie ist Ahnengalerie", sagte Bürgermeisterin Mayer. Das sei etwas Historisches und habe nichts mit Ehre zu tun. Überhaupt, so die Rathauschefin, könnten sich die heutigen Mandatsträger kein Urteil erlauben über die beiden Männer, die zu der damaligen schrecklichen Zeit Bürgermeister hätten sein müssen.

Bis in die SIebzigerjahre gab es zwei Gemeinden

Höhenkirchen-Siegertsbrunn Ein Nazi in der Ahnengalerie

Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Ein Nazi in der Ahnengalerie

Seit 25 Jahren hängt im Rathaus einer Gemeinde bei München das Porträt eines von der NSDAP eingesetzten Bürgermeisters - samt Hakenkreuz-Abzeichen.   Von Wolfgang Krause

Bis Ende der Siebzigerjahre bestand das heutige Höhenkirchen-Siegertsbrunn aus zwei Gemeinden. In Höhenkirchen war zur NS-Zeit Georg Maier im Amt. Auch dessen Porträt hängt im Flur. Da dieser später noch einmal demokratisch zum Bürgermeister gewählt wurde, diente für seine Zeichnung ein jüngeres Bild ohne Hakenkreuz als Vorlage. Auch Maiers Bild soll nun einen Hinweis erhalten.

Wie die Bürgermeisterin dem Gemeinderat berichtet, sieht das Landratsamt in den Darstellungen auch trotz Hakenkreuz kein rechtliches Problem. Der Neubiberger Historiker Hermann Rumschöttel, mit dem sie gesprochen habe, halte jedoch eine textliche Erläuterung für notwendig.

Deshalb ließ Mayer bereits im Gemeindearchiv nach Daten aus der Entnazifizierungsphase nach dem Zweiten Weltkrieg recherchieren. In dieser kämen beide Personen recht glimpflich davon. So habe Maier eidesstattlich versichert, nie der NSDAP angehört zu haben. Er sei nur als "harmloser Mitläufer" eingestuft worden. Später war Maier sogar zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt worden.

Das Gymnasium soll eine Seminararbeit erarbeiten

In der Aussprache im Gemeinderat machten auch die Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) sowie Peter Guggenberger (CSU) und Manfred Eberhard (UB) deutlich, dass sie die Geschichte der Gemeinde nicht ausblenden und das Bild daher auf keinen Fall abhängen wollten. Da sich mehrere Gemeinderatsmitglieder eine stärkere Auseinandersetzung der Jugend mit der NS-Zeit am Ort wünschten, will die Bürgermeisterin sich nun für eine entsprechende Seminararbeit am Gymnasium einsetzen.

Nur Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) gefällt die Lösung nicht. Ihr reicht ein knapper Vermerk "eingesetzt von 1933 bis 1944" nicht aus. Die Dritte Bürgermeisterin hätte lieber eine ausführliche Darstellung. Außerdem schlug sie vergeblich vor, das Hakenkreuz abzudecken. Mit der Meinung blieb sie allerdings allein.