Höhenkirchen-Siegertsbrunn Nazi-Porträt beschäftigt Gemeinderat

Das Bild des von der NSDAP eingesetzten Bürgermeisters von Siegertsbrunn hängt im Rathaus neben den Porträts gewählter Bürgermeister.

(Foto: Claus Schunk)

SPD, Grüne und Unabhängige wollen das umstrittene Bild eines von der NSDAP eingesetzten Bürgermeisters im Höhenkirchner Rathaus zumindest durch einen Text ergänzen. Auch ein Historiker rät dazu.

Von Wolfgang Krause

Soll die Gemeinde das Porträt eines Nazi-Bürgermeisters im Rathaus um eine historische Erläuterung ergänzen? Oder es ganz durch eine Texttafel ersetzen? Mit diesen Fragen werden sich die Gemeinderäte in Höhenkirchen-Siegertsbrunn demnächst beschäftigen müssen.

Das Bild, das den 1933 von der NSDAP eingesetzten Siegertsbrunner Bürgermeister mit Hakenkreuz am Revers zeigt, wurde 1992 im Auftrag der Gemeinde gezeichnet und hängt kommentarlos zwischen den Porträts gewählter Bürgermeister. Nachdem die SZ darüber berichtet hat, sind sich die Fraktionsvorsitzenden von SPD, Grünen und Unabhängigen Bürgern einig, dass das so nicht bleiben kann. Sie wollen das Thema auf die Tagesordnung der Sitzung am Donnerstag, 12. Mai, setzen lassen.

Grünen-Fraktionsvorsitzende und Dritte Bürgermeisterin Luitgart Dittmann-Chylla war am Montag eigens im Rathaus, um sich die Zeichnung Westermairs anzuschauen. Sie findet, dass man auf alle Fälle etwas verändern sollte: "Ein Hakenkreuz abbilden und ausstellen, das geht gar nicht", sagt sie. Dittmann-Chylla schwebt vor, dass die Bürgermeistergalerie um eine Stellungnahme ergänzt wird, die der Gemeinderat gemeinsam erarbeiten soll. Ob der von den Nazis eingesetzte Bürgermeister weiterhin mit Bild gezeigt werden soll, lässt sie offen. Wichtig sei aber, "dass der Text absolut überwiegend ist".

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Angehende Abiturienten könnten sich mit der NS-Zeit befassen

"Grundsätzlich ist es sicher ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen muss", sagt Zweite Bürgermeisterin und SPD-Fraktionsvorsitzende Mindy Konwitschny. Sie will aber vermeiden, das Bild ganz abzuhängen: "Das wäre ja Geschichte negieren." Konwitschny schlägt deshalb vor, eine Tafel darunter aufzuhängen, um klar zu machen: "Dies ist kein gewählter Bürgermeister." Sie regt außerdem an, dass angehende Abiturienten des örtlichen Gymnasiums in einem W-Seminar die Geschichte der Gemeinde in der NS-Zeit recherchieren sollen.

Die Ergebnisse könnten dann in einer Broschüre veröffentlicht werden. Konwitschny betont, dass die Bilder nie als "Ahnengalerie" gedacht gewesen seien, sondern als "Geschichtsgalerie". Dass das Bild des Nazi-Bürgermeisters darin unkommentiert hängt, ist ihr nach eigenen Angaben nicht aufgefallen: "Mit der Zeit läuft man da vorbei. Ich hätt's auch merken können", sagt Konwitschny.

Der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Bürger, Ulrich Bug, empfindet die Berichterstattung der SZ als "Weckruf". Das Bild sei ihm schon aufgefallen, aber er habe nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen. "Das ist peinlich, da muss ich mich schon auch an der eigenen Nase packen." Die Unabhängigen Bürger wollten laut ihrem Fraktionschef Bug über das weitere Vorgehen beraten.

Bug selbst kann sich vorstellen, dass man die Bildergalerie "mit historischen Fakten einordnet" oder künftig erst mit den demokratisch gewählten Bürgermeistern der Nachkriegszeit beginnt. "Wir müssen jetzt schauen, wie man eine Aufarbeitung vorantreiben kann", sagt Bug.

Die Bürgermeisterin will sich erst einlesen

Bürgermeisterin Ursula Mayer von der CSU will sich nach eigenen Angaben erst in das Thema einlesen. "Das ist sicher nicht eins der wichtigsten Dinge, die wir hier im Rathaus machen müssen", sagt sie. Bisher sieht sie keinen Anlass, etwas zu verändern. "Das ist keine Ehrengalerie, die da hängt, sondern eine geschichtliche Darstellung", sagt sie. Dass Westermair ein Nazi war, müsse man nicht dazuschreiben, das sehe man an dem Parteiabzeichen, findet Mayer und: "Mein Vorgänger wird sich schon etwas dabei gedacht haben." Damit spielt sie darauf an, dass das Bild noch unter dem SPD-Bürgermeister Rudolf Mailer in Auftrag gegeben worden ist.

Der Neubiberger Historiker Hermann Rumschöttel konstatiert dagegen, dass die Verantwortlichen in der Gemeinde damals "vielleicht bissl naiv" an die Sache herangegangen seien. Deshalb solle man jetzt noch mal überprüfen, ob man "diese dunkle Zeit und diese furchtbare Zeit" in der Bürgermeistergalerie nicht angemessener berücksichtigen könnte.

Für den ehemaligen Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns kommt es vor allem darauf an, was die Gemeinde mit den Bildern bezweckt. Wenn die Intention sei, die Geschichte zu dokumentieren, dürfe man die NS-Zeit nicht ausblenden. Dann wäre Rumschöttels Ansicht nach eine textliche Ergänzung sinnvoll, die darauf hinweist, dass die Bürgermeister damals nicht gewählt wurden, sondern von der Partei eingesetzt wurden. Wenn es sich um eine Ehrengalerie handelt, rät Rumschöttel bezüglich des Porträts des Nazi-Bürgermeisters Westermair: "Abhängen und durch einen Text ersetzen."