Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Mit Ruhe zur neuen Mitte

Die Gemeinderäte wollen sich bei der Planung des Areals am Bahnhof in Höhenkirchen-Siegertsbrunn nicht von einem Investor unter Druck setzen lassen

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Anfangs war es noch ganz lustig. Peter Luedicke hatte ein kleines Filmchen vorbereitet. Wie von einigen Gemeinderäten bei der Präsentation der Pläne für eine Bebauung in der Ortsmitte gewünscht, zeigte der Architekt jetzt im Bauausschuss eine animierte Fahrt an dem viergeschossigen Riegel an der Bahnhofstraße und dem Punkthaus vorbei und durch den dahinter liegenden Fußgängerbereich. Es sei ein "Stummfilm - ohne Musik", sagt Luedicke noch spaßeshalber. Doch bald darauf wurde es ernst und Luedicke musste sich einiges anhören, weil Gemeinderäte das Gefühl hatten, hier wolle einer mit aller Macht nur Investoren-Interessen durchdrücken.

Dass die Gemeinderäte im Ausschuss so sensibel reagierten, hat natürlich damit zu tun, dass die Pläne den Bereich am Bahnhof beim früheren Tengelmann-Markt betreffen, der sich mittelfristig zum pulsierenden Herz der Gemeinde entwickeln soll. Das Rathaus soll auf der Bahnhofsseite entstehen, der irgendwann vielleicht doch unterirdisch in einem Tunnel liegt. Ideen für einen Marktplatz gibt es. Und eben direkt gegenüber jetzt die Ideen der Bayerischen Hausbau, die analog zum Punkthaus östlich der Bahntrasse eines im Westen errichten möchte und dazu vorne an der Straße einen viergeschossigen Riegelbau.

Schon im Gemeinderat hatte die Diskussion über den Bebauungsplan etliche Fragen aufgeworfen. Doch während es damals um Radabstellplätze und Mauervorsprünge ging, wurde die Kritik diesmal grundsätzlicher. Andrea Hanisch (Unabhängige Bürger, UB) setzte den Ton, als sie sagte: "Das Ganze ist mir etwas zu wuchtig." Sie wünsche sich den Riegel niedriger, mindestens um einen Stock. Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) wollte das Punkthaus weiter von der Straße zurückgesetzt haben. Und Matthias Mooz (CSU) stellte das Konzept komplett infrage und meinte, ob man nicht westlich der Bahn die Gebäudesituation von der Ostseite spiegeln könnte. Städtebaulich wäre das ein Gewinn.

Auch wenn Letzteres schnell von Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) und anderen Gemeinderäten als nicht machbar verworfen wurde, blieb der Grundton weiter kritisch, was Architekt Luedicke womöglich befeuert hatte, als er sagte, es solle möglichst keine grundlegenden Änderungen mehr geben, weil ein anderer Planer schon an detaillierteren Plänen arbeite. Otto Bußjäger (UB) sah sich regelrecht herausgefordert. "Das pressiert anscheinend unheimlich", sagte er. Der Gemeinderat lasse sich nicht unter Druck setzen. "Das riecht nach Wiedervorlage."

Und es zeigte sich auch sonst, dass das letzte Wort zur Bebauung direkt gegenüber dem künftigen Rathaus wohl noch lange nicht gesprochen ist. Dittmann-Chylla warnte davor, sich mit den Plänen der Bayerischen Hausbau eigener Freiräume beim Rathaus zu berauben. Sie wolle da "volle Gestaltungsmöglichkeiten" haben. Man müsse weiterdenken, wie sich das mit dem Gegenüber verträgt. Dorothee Stoewahse (Grüne) fand, die Punkthäuser im Osten und Westen sollten gleich hoch sein, was nicht gesichert sei, weil das bestehende im Osten tiefer liege. Bußjäger regte zudem an, die Gemeinde solle ausloten, wie über das Instrument der sozialen Bodennutzung (Sobon) Planungsgewinne zum Wohl der Allgemeinheit abgeschöpft werden könnten. Er pochte darauf, die maximale Geschossflächenzahl nach aktuell bestehendem Baurecht mit der im Bebauungsplan vorgesehenen gegenübergestellt zu bekommen. Erst dann habe man eine Grundlage für eine seriöse Debatte. Außerdem forderte Bußjäger, die Folgen für den Verkehr abzuschätzen, wenn an der Bahnhofstraße derart verdichtet werde. Die Straße gehöre in den Umgriff des Bebauungsplans aufgenommen, um Flächen für einen Radweg zu sichern.

Einige Kritikpunkte konnte Luedicke entkräften, etwa den ganz zentralen Punkt, dass zu dicht gebaut werde. Das hinterliegende Gebäude, in dem der Tengelmann war, ist selbst massiv und hoch. Es wäre städtebaulich nicht zu begründen, den Bau davor an der Straße niedriger auszuführen. Bürgermeisterin Konwitschny (SPD) und Peter Guggenberger (CSU) fanden, dass die umliegende Bebauung schon jetzt hohes Baurecht garantiere. Dennoch: Konwitschny sagte zu, die Debatte in Ruhe weiterzuführen. "Hier wird kein Druck gemacht." Der Planer wurde mit dem Auftrag entlassen, offene Fragen zu klären. So soll auch ein Konzept für den geplanten Spielplatz vorgelegt werden und es soll Aussagen zur Nutzung der Gebäude geben.

© SZ vom 21.07.2020
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