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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Im Gemeinderat tobt ein Sturm

Pläne für Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst gehen nach hitziger Debatte nur mit knapper Mehrheit durch

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

An den geplanten Windrädern im Höhenkirchner Forst scheiden sich die Geister - nicht nur in der Bürgerschaft der beteiligten Gemeinden, sondern auch im Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Dieser stimmte nun zwar mit knapper Mehrheit dafür, den nächsten Schritt in dem Projekt zu gehen und den Landkreis mit der Prüfung einer Änderung der Landschaftsschutzgebiet-Verordnung zu beauftragen. Der Entscheidung vorangegangen war jedoch eine hitzige Debatte, in der sich vor allem Vertreter von CSU und Allgemeiner Freier Wählergemeinschaft (AFW) skeptisch bis kritisch zu dem Vorhaben äußerten - unter anderem aus Angst vor einer Zerstörung der Natur sowie den Auswirkungen von Infraschall.

Die Gemeinden Egmating, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Oberpframmern prüfen den Bau von drei Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst. Hierfür haben sie sich Ende 2019 mit den Landkreisen München und Ebersberg zur Arbeitsgemeinschaft (Arge) Windenergie Höhenkirchner Forst zusammengeschlossen. Deren Windmessungen und artenschutzrechtlichen Untersuchungen sprechen bislang dafür, dass die Windräder am anvisierten Standort sowohl wirtschaftlich als auch gemäß den Umweltschutzauflagen betrieben werden können. Nachdem es zuletzt mehrere Bürgerdialoge gab, bei denen auch viel Kritik an den Plänen laut wurde, müssen die Gemeinden nun über die Fortführung des Projekts entscheiden. Konkret geht es dabei um einen Prüfauftrag an den Landkreis - mit dem Ziel, die Nutzung von Windenergie innerhalb der Konzentrationsflächen von Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Landschaftsschutzgebiet Hofoldinger und Höhenkirchner Forst zuzulassen.

Bürgermeisterin Mindy Konwitschny sowie die Gemeinderatsmitglieder ihrer SPD, der Grünen und der Unabhängigen Bürger (UB) sprachen sich klar für einen solchen Prüfauftrag aus. "Wir begrüßen die Windenergie", betonte Britta Werhahn (SPD). "Das ist eine kostenlose Ressource, die immer da ist. Deshalb sollte unbedingt weiter geprüft werden." Auch Manfred Eberhard (UB) mahnte: "Die Lage ist dramatisch. Wir müssen jetzt handeln, denn wir haben schon viel zu lange gewartet." Demgegenüber wollten Walter Kratschmann (AFW) und Leonhard Karl (CSU) mit einem Beschluss über den Prüfauftrag abwarten, bis erste Ergebnisse aus dem Energienutzungsplan vorliegen. Dieser wird derzeit in Zusammenarbeit mit der Hochschule München erstellt und soll aufzeigen, wie eine nachhaltige Wärme- und Stromversorgung in der Gemeinde künftig aussehen kann.

"Wir sollten erst schauen, welche Möglichkeiten es sonst noch gibt", sagte Karl und verwies beispielhaft auf die Geothermie. Zugleich betonten er und Kratschmann, dass sie dennoch für einen Verbleib in der Arge seien. Anderer Ansicht waren Mathias Mooz und Roland Spingler (beide CSU), die beide für einen Ausstieg aus dem Projekt plädierten. Sie führten die Gefahren durch Infraschall von Windrädern an und warnten vor einer Zerstörung des Naherholungsgebiets. Zudem, so Spingler, sei er dagegen, "Windräder dort aufzustellen, wo man sie hoch subventionieren muss". Dagegen appellierte Rupert Franke (SPD) an die Kollegen, ihrer "globalen Verantwortung" gerecht zu werden: "Wir müssen jetzt auf die Tube drücken, wir müssen jetzt handeln." Den Verbleib in der Arge beschloss der Gemeinderat gegen zwei CSU-Stimmen, den Prüfauftrag gegen CSU und AFW.

© SZ vom 08.05.2021
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