Höhenkirchen-Siegertsbrunn Heilsbringer für eine schönere Kommune

Martin-Luther-Platz

(Foto: SZ Grafik)

Der Gemeinderat in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat die Neugestaltung des Platzes vor der Heilig-Kreuz-Kirche beschlossen

Von Stefan Galler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Ein repräsentatives Schmuckstück ist dieser Platz bislang wahrlich nicht: Alleine schon das karge Mäuerchen rund um die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche in Höhenkirchen, an dem sich immer wieder Schmierer zu schaffen machen, hat nichts Einladendes. Das Taufbecken seitlich vom Kircheneingang wirkt fast deplatziert, die Pflastersteine vor dem Gotteshaus liegen grau und langweilig da. Insofern war Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) nicht überrascht, als Pfarrer Thomas Lotz bei ihr vorstellig wurde, um über eine Umgestaltung des Platzes zu reden: "Der Zustand ist bislang wirklich greislich, ich war von Anfang an angetan, da etwas zu machen", sagt die Rathauschefin.

Mittlerweile ist entschieden, dass der Platz, der künftig den Namen "Martin-Luther-Platz" tragen wird, ganz neu gestaltet wird. In der jüngsten Bauausschusssitzung stimmten letztlich alle Räte für die Maßnahme, die laut der veranschlagten Kalkulation 92 188,11 Euro kosten soll.

Gerade die Kosten waren es, die den Lokalpolitikern zuletzt große Sorgen bereitet hatten, schließlich ist Höhenkirchen-Siegertsbrunn finanziell nicht auf Rosen gebettet. Doch die Evangelische Kirche hat sich dazu bereit erklärt, zwei der wichtigsten neuen Elemente zu bezahlen: die Versetzung des Taufbeckens in die Mitte des Kirchenplatzes und die Ornamentpflasterung der Lutherrose auf rund zwei mal zwei Meter vor dem Kircheneingang. Das Gesamtvolumen dieser Baumaßnahmen liegt bei rund 15 000 Euro, es bleiben folglich etwa 77 000 Euro an der Gemeinde hängen. "Wichtig ist allerdings, es richtig zu formulieren", sagt Ursula Mayer. "Wir bauen nicht für die Evangelische Kirche, sondern die Gemeinde gewährt einen großzügigen Zuschuss. Da muss man sauber trennen."

Denn eines will die Bürgermeisterin keinesfalls: eine Neiddebatte mit anderen Institutionen oder gemeinnützigen Vereinen. Man habe ja auch die Sanierung der katholischen Leonhardi-Kirche Ende der Neunziger Jahre bezuschusst, sagte Andrea Hanisch (CSU) im Bauausschuss. Und Ursula Mayer ergänzte, dass etwa zur gleichen Zeit auch die Errichtung des ebenfalls katholischen Kirchenzentrums Mariä Geburt von der Gemeinde mit rund 700 000 Euro gefördert worden war. "Wir sprechen immer von den Werten des christlichen Abendlandes, dann müssen wir unsere Kirchen und unsere Kultur auch entsprechend fördern", so die Bürgermeisterin.

Der Martin-Luther-Platz soll also ein Schmuckkästchen werden - und zwar eines, das von außen gut einsehbar ist. Deshalb reißt man das unschöne Mäuerchen ab, der Gehweg wird verbreitert und am künftig offenen Eingang zum Garten werden fünf Stelen aufgestellt. Auf vier der Stelen sollen Luthers Aussagen zur Erlangung menschlichen Heils zu lesen sein (Gnade, Schrift, Glauben und Christus). Die mittlere Stele soll eine Widmung zum 500. Jahrestag der Reformation (1517-2017) tragen. Vor dem Eingang werden zwei Natursteinquader mit Sitzauflage platziert, die Besucher zum Verweilen einladen sollen.

Ursula Mayer ist mit den Entwürfen der Münchner Landschaftsarchitektin Dagmar Digmayer sehr zufrieden, die Gemeinderäte hatten ebenfalls nichts auszusetzen und segneten die Planungen ab. Allerdings wird die Neugestaltung der Kreuzung an der Esterwagnerstraße, die aus Sicht der Kirchenvertreter dringend nötig ist, derzeit kein Thema. "Wir sprechen hier über Kosten von 170 000 Euro", erläutert Mayer. Deshalb werde man entsprechend dem Vorschlag von CSU-Gemeinderat Peter Guggenberger das zu erstellende integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) abwarten und dann den Kreuzungsbereich angehen. "Das packen wir an, wenn die Städtebauförderung klar ist", so Mayer. Zuletzt erreichte die Verwaltung ein Antrag der Gemeinderatsfraktion der Unabhängigen Bürger (UB), in dem sich diese dafür aussprechen, das in Zusammenhang mit dem Entwicklungskonzept zu untersuchende Gebiet nicht einzuschränken. Schließlich sei es insbesondere dringend nötig, den Ortskern Siegertsbrunn mit seinem "nahezu idyllischen dörflichen Charakter" mit in das Konzept einzubeziehen. Zudem solle die Gemeinde möglichst eng mit der Regierung von Oberbayern kooperieren, um mögliche Zuwendungen nicht zu gefährden.

Ursula Mayer betrachtet die beantragten Punkte als selbstverständlich: "An diesem Missverständnis war ich ein bisschen schuld", sagte die Bürgermeisterin. "Natürlich wird der ganze Ort in diesem Konzept untersucht und selbstverständlich stehen wir im Dialog mit der Regierung von Oberbayern."