Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Ein Gymnasium schottet sich ab

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Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Bei Bedarf können die wie Garagentore funktionierenden Rollgitter heruntergefahren werden. "Für eine offene Schule gehört sich eine Abschottung dieser Art nicht", findet der Grünen-Gemeinderat Karsten Voges.

Bei Bedarf können die wie Garagentore funktionierenden Rollgitter heruntergefahren werden. "Für eine offene Schule gehört sich eine Abschottung dieser Art nicht", findet der Grünen-Gemeinderat Karsten Voges.

(Foto: Claus Schunk)

Rolltore sollen seit kurzem Vandalismus und Belästigungen auf dem Pausenhof in Höhenkirchen-Siegertsbrunn verhindern. Die Gemeinderäte wurden davon überrascht, einer von ihnen fordert nun den Abbau der "gefängnismäßigen Einzäunungen".

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

"Wir verstehen uns als Schule, die sich in besonderer Weise mit der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn verbunden fühlt", so steht es im Leitbild des örtlichen Gymnasiums. Als Ziel wird darin festgehalten: "Schule und Gesellschaft miteinander verbinden." Tatsächlich aber, so empfindet es Karsten Voges, sei die Schule derzeit dabei, sich von Gemeinde und Gesellschaft abzuschotten.

Der Grünen-Gemeinderat meint damit die Rolltore, die in den Herbstferien am Eingang des Gymnasiums angebracht wurden, um den Pausenhof abends und am Wochenende abzusperren. In einem offenen Brief an Schulleitung, Zweckverband und Landrat fordert Voges nun den Abbau dieser "gefängnismäßigen Einzäunungen". Zudem verlangt er eine Erklärung, "wie diese Verschlechterung der Schule und des Schulhofs erfolgen konnte". So wurden laut Voges weder Gemeinderat noch Eltern und Schülerschaft vorab über die Pläne informiert.

In diesem Punkt widerspricht Schulleiterin Claudia Gantke. Ihr zufolge wurde das Vorhaben mit dem Elternbeirat, der Schülervertretung sowie dem Zweckverband besprochen, der den Einbau der Rolltore ja habe beauftragen müssen. Diese Maßnahme zur Absperrung der Schulinnenhofs sowie der Eingänge zur Schule bezeichnet Gantke als "Ultima Ratio" gegen ein Ärgernis, das ihr Gymnasium seit Jahren belaste. Demnach werde der Pausenhof von Nachmittag bis spät in die Nacht als Skateplatz, zum Fußballspielen und als Partyareal missbraucht. Die Folge seien Müll, Zigarettenkippen, Scherben und sonstige Hinterlassenschaften.

Zudem berichtet Gantke von Vorfällen, bei denen der Unterricht gestört worden sei, etwa durch obszöne Gesten vor den Fenstern oder das Klopfen an Scheiben. Mitunter seien Unbefugte gar ins Schulhaus eingedrungen und hätten Gymnasiasten bedrängt. Allein aus Sicherheitsgründen sei die Schule daher gezwungen, den Pausenhof abzusperren, nachdem andere Maßnahmen - etwa Bewegungsmelder und stärkere Lampen - keinen Erfolg gezeitigt hätten. Auch der Elternbeirat unterstütze die Absperrungen am Eingang "zum Schutz der Schule vor Vandalismus", sagt Anja Böger-Lange, die Vorsitzende des Gremiums. Ihr zufolge gab es in der Vergangenheit Anfragen von Eltern, die sich für eine Abgrenzung des Schulinnenhofs zum S-Bahnhof ausgesprochen haben. Zur Informationspolitik der Schule sagt sie: "Die Planung der baulichen Veränderung wurde dem Elternbeirat sowie den Klassenelternsprechern - und damit der gesamten Elternschaft der Schule - bereits 2019 angekündigt."

Rupert Franke (SPD) dagegen ist von den Rolltoren überrascht worden. "Ich bin Mitglied im Zweckverband, Jugendbeauftragter und im Gemeinderat - und trotzdem wusste ich nichts davon. Deshalb kann ich die Kritik teilen, dass die Kommunikation hier nicht funktioniert hat", sagt er. Inhaltlich könne er die Intention der Schulleitung indes verstehen, räumt Franke ein, der bis 2019 selbst noch das örtliche Gymnasium besucht hat und dort jahrelang Schülersprecher war. "Ich weiß aus meiner Zeit, dass es immer wieder Probleme mit Müll im Pausenhof gab, den der Hausmeister am Morgen wegräumen musste."

Derweil verweist sein grüner Gemeinderatskollege Karsten Voges auf eine kürzlich erfolgte Umfrage unter Kinder und Jugendlichen im Ort. Demnach gebe es gerade für die Älteren unter ihnen zu wenige Treffpunkte und Aufenthaltsmöglichkeiten. Durch das Absperren des Pausenhofs werde den Jugendlichen nun "ein wichtiger Begegnungsort genommen", klagt Voges, der betont: "Für eine offene Schule gehört sich eine Abschottung dieser Art nicht."

Diesen Vorwurf weist Schulleiterin Claudia Gantke zurück. Trotz der Absperrungen bleibe das Gymnasium eine offene Schule, stellt sie klar - "vor allem im übertragenen Sinne". So nutzten Vereine und Volkshochschule das Schulhaus. Und nach der geplanten Erweiterung werde auch die Blaskapelle dort eine Heimat finden. "Wir sind immer offen für Kooperationen mit Externen und Organisationen der Gemeinde", sagt Gantke. "Aber eine Vermüllung und das Anpöbeln unserer Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte dürfen wir nicht zulassen."

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