Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Gebührensätze für die Schublade

Studenten haben ausgerechnet, wie Höhenkirchen-Siegertsbrunn Hallen und Sportplätze kostendeckend betreiben könnte

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Noch ist das alles graue Theorie. Doch würden im Rathaus von Höhenkirchen-Siegertsbrunn die Berechnungen von Studenten der Bundeswehruniversität ernst genommen und umgesetzt, dann käme auf Vereine und ehrenamtlich Tätige in der Gemeinde einiges zu. 72 Euro würde dann zum Beispiel eine Stunde Belegungszeit in der Mehrzweckhalle kosten, eine Stunde auf dem Fußballplatz der Spielvereinigung Höhenkirchen 89,19 Euro. Vergleichsweise günstig könnte man sich im Rathaus und in der Sigoho-Marchwart-Grundschule einmieten. 30 beziehungsweise 40 Cent würden das machen, allerdings pro Quadratmeter.

Es hat schon gewisse Tradition, dass das Höhenkirchner Rathaus das Fachwissen der Studierenden an der nahen Uni nutzt, um Erkenntnisse über die Gemeinde zu erlangen, die man sich sonst bei Fachbüros teuer einkaufen müsste. Letztens ließ sich Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) ausrechnen, was die Gemeinde alles in die Kinderbetreuung steckt und wie hoch der Deckungsgrad ist, der durch Elternbeiträge geliefert wird. Diesmal schauten Studenten vom Lehrstuhl für Controlling sieben kommunale Einrichtungen an und rechneten aus, was die Gemeinde alles aufbringen muss, damit die Mehrzweckhalle, das Rathaus, das Seniorenzentrum, die Sigoho-Marchwart Grundschule, das Sportheim sowie die Sportanlage der Fußballer und die der Hockeyspieler zur Verfügung gestellt werden können. Es wurde betriebswirtschaftlich gerechnet. Es floss also, anders als in der Kameralistik, die in der Kämmerei noch angewandt wird, auch der Wertverlust von Gebäuden durch Abschreibungen in die Zahlen ein.

Zwar ging es nicht unmittelbar um die Einführung von Gebühren, als die Studenten im Gemeinderat ihre Berechnung vorstellten. Doch in ihrer Studienarbeit erläuterten diese ausdrücklich, dass ihr Werk als Grundlage für eine solche Gebührenkalkulation aufgefasst werden könnte. Die Gemeinde könnte Einnahmen so anzupassen, "dass Kostenneutralität gewährleistet wird", heißt es.

Für Otto Bußjäger (Unabhängige Bürger) war das jedenfalls Anlass genug, dem Dank an die Studenten für ihre akribische Arbeit die Warnung hinterherzuschicken, "die Kirche im Dorf zu lassen". Die Wirtschaftlichkeit einer Kommune bemesse "sich im Wohlergehen der Bürger", sagte Bußjäger. Was bringe es denn, einem Verein Tausende Euro an Gebühren abzuverlangen, um diesem dann auf der anderen Seite wieder ebenso hohe Zuschüsse zukommen zu lassen. Das steigere allenfalls den Frust bei den Verantwortlichen. Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) versuchte, Bußjäger einzubremsen. Er mache den zweiten Schritt vor dem ersten, sagte sie. Bußjäger daraufhin: "Ich bin gerne meiner Zeit voraus."

Unabhängig von der Gebührenfrage, die nach Aussage von Mayer der nächste Gemeinderat vielleicht einmal zu entscheiden haben werde, attestierte die Bürgermeisterin dem Zahlenwerk einen hohen Erkenntnisgewinn. Auch habe der Satz seine Berechtigung, dass nichts wert sei, was nichts koste. Manchmal habe man das Gefühl, dass Bürger nicht schätzten, wie die Gemeinde sie unterstütze.

In die Rechnung gingen unterschiedliche Posten mit ein. Die Studenten werteten Kostenaufstellungen zur Bewirtschaftung der Mehrzweckhalle aus, nahmen Instandhaltungskosten auf und zogen den Belegungsplan heran, um herauszufiltern, wie intensiv die Halle genutzt wird. Je besser sie ausgelastet ist, desto niedriger wurden die Nutzungsgebühren taxiert, woraus sich eine Diskussion im Gemeinderat entspann, wie die Auslastung gesteigert werden könnte. Die Grenzen des machbaren sei da schnell erreicht, sagte Bürgermeisterin Mayer mit Blick auf die Sportplätze der Fußballer, die tagsüber ihrer Erfahrung nach kaum genutzt werden. Der Gemeinderat nahm das Rechenwerk zunächst nur zur Kenntnis.

© SZ vom 11.12.2019
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