Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Erst Empörung, dann Entwarnung

Nach Zweifeln am Brandschutz: Inspektion ergibt keine Risiken in Erich-Kästner-Schule

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Das ungläubige Erstaunen über Defizite an der Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist am Donnerstagabend in offene Empörung umgeschlagen. Gemeinderat Otto Bußjäger (UB) sprach, nachdem er sich tags zuvor selbst ein Bild von der Schule gemacht hatte, im Hauptverwaltungsausschuss des Gemeinderats von "verantwortungslosen" Zuständen. Andere Gemeinderäte pflichteten ihm bei. Von möglichen Sicherheitsmängeln und einer Gefährdung der Schüler war die Rede. Die Grünen kritisierten das Fehlen von Rauchmeldern und Fluchtwegtreppen. Eine vom Landratsamt am Freitag kurzfristig anberaumte Inspektion ergab aber: keine Panik, alles ist in Ordnung.

Dass die Schüler in der Grund- und Mittelschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn unter schwierigen Verhältnissen lernen müssen, ist seit der jüngsten Bürgerversammlung bekannt, als der Elternbeirat flankiert vom neuen Schulleiter Torsten Bergmühl eine eklatante Raumnot publik machte und schnelle Änderungen einforderte. Schüler litten unter Kopfschmerzen, hieß es, und könnten sich nicht konzentrieren. Besonders prekär: Es gibt Klassenräume im Untergeschoss, unter einer Turnhalle.

Mittlerweile hat Schulleiter Bergmühl eine Reihe von Gemeinderäten durch sein Haus geführt. Und alle, die dabei waren und am Donnerstag im Sitzungssaal beieinander saßen, waren sich einig, dass die Realität die Schilderungen noch übertrifft. Bußjäger sagte: "Wenn ich in Aserbaidschan gewesen wäre, hätte ich das erwartet." Für eine Schule im Landkreis München sei die Lage "nicht tragbar". Insbesondere ärgere er sich über offenbar fehlende Fluchtwege, wie er sagte. "Wenn dort etwas passiert, ist der Teufel los." Es seien Sofortmaßnahmen zu ergreifen.

Dem wollte keiner widersprechen. Die Gemeinderäte, die eigentlich den Haushalt 2020 vorberaten wollten, zeigten sich sämtlich überzeugt davon, dass schnell gehandelt werden müsse; und auch, dass angesichts dessen das für kommendes Jahr vorgelegte Zahlenwerk Makulatur sei. Dort sind laut Zweiter Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), die die Sitzung leitete, lediglich 200 000 Euro für die Schule eingeplant. Konwitschny, die wie Bußjäger die Schule dieser Tage besucht hatte, nannte die Unterrichtsbedingungen eine "Zumutung". Jetzt müsse schnell Abhilfe her. Am Donnerstagabend stand nach der geäußerten Kritik unausgesprochen freilich die Frage im Raum, ob Klassenräume für den Unterricht sofort gesperrt werden müssen.

Dies ist nicht notwendig. Die Amtsleiterin im Rathaus, Ruth Sander, äußerte sich am Freitagabend nach der Inspektion der Schule mit Behördenvertretern erleichtert: "Gott sei Dank haben wir keine Sicherheitsmängel." Die von den Gemeinderäten vermissten Rauchmelder seien vorhanden, auch gebe es in jeder Ecke Feuerlöscher und die Fluchtwege seien ausreichend. Es bestehe kein dringender Handlungsbedarf. Die Fachleute hätten dem aus den späten Fünfzigerjahren stammende Schulhaus sogar einen relativ gepflegten Zustand attestiert. Allerdings müsse die Raumnot angegangen werden, sagte Sander. Acht Klassenzimmer fehlen laut Dokumentation des Rektors.

Am Donnerstagabend wurde Kämmerin Christine Schmidt noch mit dem Auftrag aus dem Ausschuss entlassen, Mittel im Haushalt 2020 freizuschaufeln, um möglichst schnell auch größere Mängel am Schulgebäude beseitigen zu können. Nun sieht es so aus, als könnte es reichen, zügig Container-Klassenzimmer zu schaffen. Außerdem ist mittlerweile ein Neubau im Gespräch. Kämmerin Schmidt bekannte angesichts knapper Finanzen, sie sei "frustriert".

© SZ vom 14.12.2019
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