Süddeutsche Zeitung

Höhenkirchen-Siegertsbrunn:"Die Großen haben eigentlich überhaupt nichts im Ort"

Nach einer Umfrage unter Kindern und Jugendlichen werden die Spielplätze aufgemöbelt. Die Wünsche der Teenager sind schwer zu erfüllen

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Der beliebteste Spielplatz in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist eigentlich gar kein Spielplatz: Der Schlittenhügel bei der Leonhardikirche hat bei einer Online-Umfrage der Gemeinde, an der sich circa 200 Kinder mit ihren Eltern beteiligten, die besten Noten erhalten - quer durch alle Altersklassen. Ebenfalls gut schnitten die Spielplätze an der Sattler- und an der Carl-Orff-Straße ab. Viel Kritik gab es hingegen an den Spielplätzen am Sailerbogen, an der Brotmannstraße und am Stiergarten, die von den Kindern fast einhellig mit einem "Gefällt mir nicht" bewertet wurden.

Die Umfrage ist Teil einer größeren Anstrengung vonseiten der Gemeinde, bessere Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Als Eckpfeiler soll dabei ein Spielplatzkonzept dienen, das derzeit erarbeitet wird und auf dem umfassenden Spielplatzreport des Arbeitskreises Familie und Kind in der Zukunftswerkstatt Höhenkirchen-Siegertsbrunn aufbaut. Einen Zwischenbericht trug die Landschaftsarchitektin Monika Treiber nun dem Gemeinderat vor, der danach mehrere Maßnahmen beschloss. So sollen der Grillplatz am Leonhardihügel wieder hergerichtet und dort Steinquader zum Sitzen aufgestellt werden. Für den Bau eines Wasserspielplatzes an der Carl-Orff-Straße wird das Rathaus einen Förderantrag einreichen. Und hinsichtlich der Idee eines Pavillons am Spielplatz an der Blue Box beauftragte der Gemeinderat die Rathausverwaltung, Gespräche mit Sportverein und Kreisjugendring über eine mögliche Gestaltung zu führen.

Das Areal an der Freizeitstätte könnte überdies noch weiter ausgebaut werden - etwa durch eine Calisthenics-Station mit Fitnessgeräten oder ein Bocciafeld, sagte Monika Treiber. "Aber da stehen wir noch ganz am Anfang, das ist noch nicht zu Ende diskutiert." Hierzu merkte Andrea Hanisch (Unabhängige Bürger) an, dass ihr derlei Ideen zwar gefielen. "Aber wir sollten vorsichtig sein, denn das ist ein nahtloser Übergang zum Sportplatzgelände, und da dürfen wir uns nichts verbauen." Sie forderte ebenso wie Rupert Franke ein Gesamtkonzept für das Areal, wobei der SPD-Gemeinderat anregte, weitere Flächen für eine etwaige Vergrößerung zu erwerben. Hierfür gebe es bereits Konzepte, erwiderte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), die aber warnte: "Das ist eine sehr teure Geschichte. Wir müssen jetzt erst mal die Erich-Kästner-Schule vorwärts bringen. Lassen Sie uns nicht zu viele Projekte auf einmal machen."

Für den möglichen Wasserspielplatz hinter dem Gymnasium werde man sich bei der Regierung von Oberbayern zwar schon mal nach möglichen Zuschüssen erkundigen, sagte die Bürgermeisterin. Eine Entscheidung solle aber erst fallen, nachdem die Anlage an der Sattlerstraße repariert worden sei. Am dortigen Wasserspielplatz habe die Gemeinde "leidige Erfahrungen" mit der Pumpe gemacht, die nun ausgetauscht werde, sagte Konwitschny. "Wenn es da wieder solche Probleme gibt, dann sollten wir uns gut überlegen, ob wir uns einen zweiten Wasserspielplatz anschaffen."

Einig war sich der Gemeinderat darin, dass es mehr Angebote für die Jugend braucht. "Die Großen haben eigentlich überhaupt nichts im Ort", sagte Landschaftsarchitektin Treiber. Was sich die Teenager in Höhenkirchen-Siegertsbrunn wünschen, das zeigt eine weitere Online-Umfrage der Gemeinde, an der mehr als 400 Mädchen und Buben im Alter von 13 bis 17 Jahren teilgenommen haben. Sie regten unter anderem eine Vergrößerung der Skateanlage sowie zusätzliche Beachvolleyballfelder an, was aber laut Rathaus beides am Platzmangel scheitert.

Im Weiteren standen auf der Wunschliste eine Bademöglichkeit und ein Veranstaltungsraum. Letzterer soll im neuen Begegnungszentrum an der Bahnhofstraße entstehen. Und beim Thema Bademöglichkeit setzt die Gemeinde auf den Verein Naturbad. Dieser hat Ende 2019 ein Konzept zum Bau und Unterhalt eines Naturbads im Ort vorgestellt. In der Folge hätten mehrere Treffen zwischen dem Verein und der Gemeinde stattgefunden, berichtete Konwitschny, ehe die Gespräche in der Corona-Pandemie ins Stocken gerieten. Nun soll dieses Projekt aber wieder angeschoben werden.

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Quelle:
SZ vom 13.08.2021
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