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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Die fliegenden Klassenzimmer

Nicht mehr zeitgemäß: Rektor Torsten Bergmühl sieht deutlichen Sanierungsbedarf an der Höhenkirchner Grund- und Mittelschule.

(Foto: Claus Schunk)

Container sollen die Raumnot an der Erich-Kästner-Schule kurzfristig beheben.

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Die Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen soll so schnell wie möglich Container-Klassenzimmer erhalten, damit die akute Raumnot behoben wird. Doch von heute auf morgen wird das nicht passieren: Wie am Donnerstagabend im Gemeinderat deutlich wurde, werden die Schüler womöglich noch das kommende Schuljahr in Kellerräumen und unter beengten Verhältnissen unterrichtet werden müssen.

Spätestens zum Beginn des Schuljahrs 2021/2022 soll der Containeranbau nutzbar sein. 2,5 Millionen Euro wird die Gemeinde dafür in die Hand nehmen. Parallel laufen Planungen, wie die Schule für die Zukunft fit gemacht werden kann.

In der Vergangenheit ist es wiederholt vorgekommen, dass Schüler über Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Migräne klagten, weil der Unterricht in einem Raum unter der Sporthalle stattfand. Die Elternbeiratsvorsitzende Kathrin Schiller-Winklmann forderte im November vergangenen Jahres auf der Bürgerversammlung im Schulterschluss mit dem neuen Rektor Torsten Bergmühl möglichst sofortige Abhilfe. Im Rathaus und im Gemeinderat zeigte man sich überrascht vom Ausmaß der Situation, das dort vielen angeblich nicht bekannt war. Schnell wurde Geld zur Verfügung gestellt. Bergmühls Konzept, in dem er acht zusätzliche Klassenräume, zwei Gruppenräume, einen Teamraum und zugehörige Toiletten fordert, wurde von der Schulaufsicht genehmigt.

Was wird mit Realschule und Sporthalle?

Doch diese Räume sind wegen notwendiger Planungen und Genehmigungen nicht auf die Schnelle zu errichten. Im Gemeinderat gab es nun Diskussionen darüber, ob Container angeschafft werden sollen oder doch gleich ein höherwertigerer Modulbau erstellt wird, der 4,1 Millionen Euro kosten würde. Abgesehen davon, dass für einen solchen wohl noch längere Fristen bis zur Genehmigung zu erwarten wären, stand die Entscheidung darüber an, was die Gemeinde tun muss, damit die Schullandschaft in der Gemeinde mittel- und langfristig den Anforderungen gewachsen ist. Denn im Raum steht, am Standort der Erich-Kästner-Schule eine Realschule zu errichten. Optional könnte dort auch nur eine neue Mehrzweckhalle gebaut werden. Und über kurz oder lang steht eine Generalsanierung des in Etappen und mit unterschiedlichen Baukörpern errichteten Schulgebäudes an. Peter Guggenberger (CSU) rief sogar dazu auf, mutig zu denken und einen Abriss und einen Neubau in Siegertsbrunn anzupeilen. Doch dies wurde nicht weiter diskutiert.

Denn zunächst geht es um das Ende der Missstände. Rektor Bergmühl sagte, ihm sei die schnellste Lösung die liebste, auch wenn er für einen Modulbau Sympathien habe. Manfred Eberhard (UB) warb für einen "soliden" Bau, wie er sagte. Der Bau, der auf Dauer errichtet würde, werde wegen des steigenden Bedarfs sicher benötigt. Der Kostenunterschied zu Containern sei nicht so groß. Otto Bußjäger (UB) sagte, Container zu mieten oder zu kaufen, sei rausgeworfenes Geld.

Doch die UB, die selbst damit haderte, dass der Modulbau nicht ganz so schnell wie ein Containerbau stehen könnte, setzte sich nicht durch. CSU, Grüne und SPD folgten der Argumentation von Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), die sagte, mit Containern sei man schneller und gewinne die Zeit, um langfristige Lösungen für die Schule zu finden. Die Sorge ist laut Konwitschny zudem, dass eine staatliche Förderung für einen späteren grundlegenden Umbau der Erich-Kästner-Schule versagt werden könnte, wenn bereits für den Modulbau Zuschüsse eingesetzt worden sind.

© SZ vom 25.07.2020/belo

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