Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Der Hahn soll die Schöpfung retten

Die evangelische Kreuz-Christi-Gemeindewill umweltfreundlicher werden. Dafür bemüht sie sich um die kircheninterne Zertifizierung mit dem "Grünen Gockel"

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, so steht es in der Bibel. Aktuell jedoch, da ist die Forschung sich weitgehend einig, sind die Menschen drauf und dran, diese Schöpfung zu zerstören - unter anderem durch das Befeuern des Klimawandels. Hier gegenzusteuern und sich des Umweltschutzes anzunehmen, das sei die Aufgabe eines jeden Christen - davon ist auch Thomas Lotz überzeugt, Pfarrer der evangelischen Kreuz-Christi-Kirche in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. "Es geht darum, Gottes gute Schöpfung zu bewahren", sagt der Geistliche - und das nicht nur, indem man dies predige, sondern auch, indem die Kirchengemeinde ihr eigenes Tun auf den Prüfstand stellt.

Genau das soll nun in Höhenkirchen-Siegertsbrunn geschehen - mit dem "Grünen Gockel". So heißt ein Umweltmanagement-System der evangelischen Kirche, das 2000 in Württemberg entwickelt und seither von bundesweit mehr als 700 Gemeinden übernommen wurde. Der Name leitet sich von dem Hahn ab, der laut Bibel krähte, als der Apostel Petrus zum dritten Mal Jesus Christus verleugnete.

Analog dazu - so schreibt es die württembergische Landeskirche - solle der "Grüne Gockel" krähen "und sich lautstark zu Wort melden, dass wir merken, wenn wir Gott als den Schöpfer verleugnen, indem wir die Schöpfung verachten, vernichten, zerstören, uns über die Schöpfung stellen und meinen, sie sei nur da, damit wir sie ausbeuten können".

Um das Thema Umweltschutz dauerhaft im Kirchenalltag zu verankern, strebt die Kirchengemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn, deren Sprengel auch Aying, Brunnthal, Egmating, Oberpframmern und die Luitpoldsiedlung in Hohenbrunn umfasst, eine Zertifizierung mit dem "Grünen Gockel" an. Die Idee dazu sei 2017 nach den Neuwahlen des Kirchenvorstands entstanden, sagt Janine Schneider, eine der zwei Umweltbeauftragten der Kreuz-Christi-Kirche. Zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Eckel wird sie das Konzept an diesem Sonntag beim Familiengottesdienst (10 Uhr) vorstellen.

Der Weg zum Grünen-Gockel-Zertifikat werde voraussichtlich ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen, sagt Pfarrer Lotz, der diesen Prozess bereits an seiner alten Wirkungsstätte in Unterschleißheim begleitet hat. Zu Beginn stehe die Feststellung des Ist-Zustands. "Da wird erst mal Punkt für Punkt durchgegangen, wie der Bestand ist", erläutert der Pfarrer. "Zum Beispiel was wir für Energieverbräuche in der Kirche haben, aber auch, welches Druckerpapier wir verwenden." Diese Prüfung erfolge anhand eines umfangreichen Katalogs, der das Umweltverhalten der Kirchengemeinde aus verschiedenen Blickwinkeln betrachte. "Da geht es dann auch darum, welche Putzmittel wir verwenden, welches Geschirr beim Gemeindefest zum Einsatz kommt und inwiefern die Gestaltung unserer Außenanlagen insektenfreundlich ist", sagt Lotz.

Im Anschluss wollen die Umweltreferenten und ihr Team kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen bestimmen, um die Umweltbilanz der Kirchengemeinde zu verbessern, sagt Janine Schneider. Die Umsetzung erfolge dabei stets in enger Abstimmung mit dem Kirchenvorstand. Begleitet werden soll die Zertifizierung von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit. Schließlich habe die Kirche auch in puncto Umweltschutz eine Vorbildfunktion für ihre Mitglieder, ist Janine Schneider überzeugt. "Wenn es um die Schöpfungsbewahrung geht", sagt sie, "dann ist die Kirche in der Pflicht".

© SZ vom 29.06.2021
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