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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Andrea Hanisch gibt auf

Einigkeit nur vor der Tafel: Andrea Hanisch (rechts) will nicht Bürgermeisterkandidatin der CSU in Höhenkirchen-Siegertsbrunn werden. Ob Amtsinhaberin Ursula Mayer (links) noch einmal antritt, ist fraglich.

(Foto: Claus Schunk)

Nach Ärger in der eigenen Fraktion: Die CSU-Politikerin will nicht Bürgermeisterin werden.

In der CSU in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist ein knappes Jahr vor der Kommunalwahl ein Streit über den richtigen Bürgermeisterkandidaten entbrannt. Bisher deutete für Beobachter vieles auf eine Kandidatur von Bürgermeisterin Ursula Mayer hin. Dabei hat der Vorstand bereits im März 2017 ganz anders entschieden und Gemeinderätin Andrea Hanisch einstimmig als Spitzenkandidatin designiert. Doch jetzt hat Hanisch, wie es aus zuverlässiger Quelle heißt, auf einer Vorstandssitzung am 25. März nach breiter Kritik an ihrem Programm und an ihren Vorstellungen über eine künftige Rathausarbeit ihren Rückzug erklärt. Derzeit ist angeblich völlig unklar, wie es weitergehen soll.

Offen möchte sich von den Beteiligten niemand äußern. Andrea Hanisch bestreitet auf Anfrage den internen Konflikt nicht. Bürgermeisterin Ursula Mayer, 63, will gar nichts dazu sagen und gibt sich zudem betont gelassen. Sie sagt, sie werde sich Anfang Mai zu ihren eigenen Zukunftsplänen äußern. Wobei sie seit Wochen den Eindruck vermittelt, dass sie gerne die Geschicke in der Gemeinde weitere sechs Jahre bestimmen würde. Doch wie aus der CSU zu erfahren ist, hat Mayer schon vor langer Zeit und wiederholt betont, genau das nicht zu anzustreben.

Und jetzt steht auch die erfahrene Frau aus der zweiten Reihe, die nach den Plänen der CSU 2020 das Rathaus gegen eine als stark eingeschätzte SPD-Kandidatin Mindy Konwitschny verteidigen und den Übergang regeln sollte, nicht mehr zur Verfügung. Die 59-jährige Hanisch gilt als Politikerin mit eigenem Kopf, die auch in der CSU ohne Scheu Gegenpositionen vertritt. Sie ist aber auch Teil des Establishments.

Seit 25 Jahren gehört sie dem Gemeinderat an, in denen sie zwölf Jahre die Fraktion führte und auch zwölf Jahre stellvertretende Bürgermeisterin war. Sie sollte eigentlich das Rüstzeug und auch den Rückhalt in der Partei haben, um das Rathaus gegen die SPD zu verteidigen und dann zu führen. Doch sie vermisste wohl für einen Wahlkampf die Rückendeckung.

Dabei waren die Vorbereitungen, wie es heißt, weit gediehen. Ein Strategieteam hatte unter Beteiligung der maßgeblichen Vorstandsmitglieder über Monate hinweg ein Programm erarbeitet, in dem angeblich auch nichts Revolutionäres stehen soll. Allerdings strebte Hanisch wohl einen neuen Politikstil im Rathaus an, der auf Konsens über Fraktionsgrenzen hinaus abzielte. Das ging, wie es aus informierten Kreisen heißt, manchem zu weit. Mancher habe auch einen Bruch mit der Ära Mayer befürchtet, heißt es. Dass Hanisch und Mayer nicht immer auf einer Linie sind, war zuletzt im Gemeinderat zu beobachten, als Hanisch gegen Mayers Pläne für eine Realschule am Bahnhof stimmte. Deswegen soll Mayer, wie es heißt, in besagter Vorstandssitzung im März erklärt haben, sie könne Hanisch im Wahlkampf nicht unterstützen.

Nun werden die Karten bei der CSU neu gemischt. Spekulationen ist Tür und Tor geöffnet. Die Nominierungs-Versammlung ist laut CSU-Ortschef Roland Spingler im Juli geplant. Bis dahin könnte es sich Mayer nochmal anders überlegen und antreten. Gleiches gilt im Grunde für Hanisch. Der als Bürgermeister vorstellbare Fraktionschef Peter Guggenberger soll mehrmals intern abgewunken haben. Mancher erkennt bei Roland Spingler Ambitionen, sich ums Bürgermeisteramt zu bewerben. Er sagt, die CSU werde abwarten, wie sich Mayer Anfang Mai erkläre.