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Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Altes Haus, neues Leben

Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Serie Landmarken, Alte Apotheke unter Denkmalschutz; Foto: Angelika Bardehle

Die alte Einrichtung der Apotheke soll nach Vorstellung des Denkmalschutzes in das neue Konzept integriert werden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Apotheke an der Bahnhofstraße wird als Bürger- und Familienzentrum hergerichtet. Auch die Zwergerlstube könnte wieder einziehen. Bis Ende 2022 soll der Umbau fertig sein

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Jetzt wird es nach Jahren des Hin und Her ernst: Die Bürger von Höhenkirchen-Siegertsbrunn können sich darauf freuen, im Herbst 2022 eine herausgeputzte Alte Apotheke an der Bahnhofstraße als Bürger- und Familienzentrum nutzen zu können. Das von Planer Andreas Adlkirchner vorgestellte Konzept mit einer Art Bürgercafé im Erdgeschoss und einem Multifunktionsraum sowie Räumen für eine Großtagespflege und Eltern-Kind-Gruppen im Obergeschoss und einer Drei-Zimmer-Wohnung unter dem Dach fand im Gemeinderat breite Zustimmung.

Es war ja auch die Absicht gewesen, möglichst bald neue Räume für die Gemeinschaft zu schaffen, als der Gemeinderat beschloss, das Projekt Alte Apotheke aus dem Kontext der Sanierung des Ruf-Areals herauszunehmen. Bei der Entscheidung damals half, dass das Amt für Denkmalpflege das Gebäude als schutzwürdig eingestuft hatte. Abreißen kam also nicht mehr in Frage, zugleich drohte die Bausubstanz weiter zu verfallen. Nun bescheinigte Architekt Adlkirchner vom Münchner Büro Sitzberger dem 1911 errichteten Gebäude Potenzial, ein echtes Kleinod zu werden. Einiges an historischen Gebäudeteilen sei erhalten, wie die Kastenfenster, Jugendstiltüren und tragende Teile wie Dachbalken. Das zentrale Treppenhaus bleibt erhalten, um den Hauscharakter zu konservieren. Ein neues, praktikabel nutzbares Treppenhaus wird im hinteren Bereich gebaut. Wer das Haus kennt, hat vielleicht schon über die Offizin gestaunt, den gut erhaltenen Arbeitsraum der Apotheke mit den Schubläden und Glasvitrinen. Diese soll nach Wunsch der Denkmalpflege bleiben und den Bürgercafé-Raum schmücken. Vor dem Haus soll man auf einem erhobenen Freiplatz sitzen können.

Das Gebäude wurde 1932 und in den Fünfzigerjahren umgebaut. Als es längst dort keine Werkstatt und auch keine Apotheke mehr gab, erschlossen es sich engagierte Bürger. Andrea Hanisch (UB) rief im Gemeinderat in Erinnerung, dass in den Achtzigerjahren in der früheren Offizin ein Literaturcafé und ein Frauentreff existieren. Später zog die Elterninitiative Zwergerlstube mit Eltern-Kind-Gruppen ein, bis 2017 aus Brandschutzgründen Schluss war. Die Zwergerlstube soll wieder zurück in die Alte Apotheke kommen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das bis Ende 2022 gelingt, ist seit der Sitzung am Donnerstag sehr hoch. Denn das vorgelegte Konzept wurde allseits gelobt und auch die Sanierungskosten von brutto gut zwei Millionen Euro schreckten niemanden. Wobei noch einiges an Zuschüssen erwartet wird, die das Projekt günstiger machen sollen. Die Alte-Apotheke-Projekt läuft im staatlichen Städtebauförderprogramm, für das sich Höhenkirchen-Siegertsbrunn angemeldet hat. Unter breiter Bürgerbeteiligung wurden für die Apotheke und für weitere Gebäude etwa am Ruf-Areal Ideen und ein Raumprogramm entwickelt. Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) versicherte, diese seien in das Konzept eingeflossen.

Das Büro Sitzberger macht sich nun an abschließende Planungen, damit der Bau im Frühjahr 2021 beginnen kann. Und im Ort soll die Diskussion konkreter werden, wie das Haus mit Leben gefüllt wird. Janine Schneider (Grüne) fragte, ob eine Wohnung unterm Dach wirklich sinnvoll sei. Auch seien die Eltern-Kind-Gruppen leider nicht barrierefrei zugänglich. Martha Wachinger (CSU) warnte, der Begriff Bürgercafé führe in die Irre, es solle ja mehr ein Vereinsraum werden. Konwitschny sagte, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

© SZ vom 11.07.2020

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