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Hochwasser:Der Deininger Weiher läuft über

Die Tische und Stühle im Gastgarten des Deininger Weihers schauen kaum noch aus dem Wasser.

(Foto: Claus Schunk)

Die Feuerwehr pumpt Wasser ab, um die Ausflugsgaststätte an dem Badesee zu schützen. Auch andernorts gibt es Überschwemmungen.

Von Claudia Wessel und Lars Brunckhorst

"Der schönste Ort der Welt" steht auf einem kleinen Schild, das auf der Terrasse hängt. Das ist am Dienstag weniger der Fall: Die Tische im Biergarten am Deininger Weiher stehen alle im Wasser und das Gasthaus ist nur mit nassen Füßen zu erreichen. Die anhaltenden starken Regenfälle haben den Pegel des Sees, ebenso wie den der Isar und anderer Gewässer, steigen lassen.

Bereits kurz nach 7 Uhr am Morgen alarmierten die Wirte die Feuerwehr. Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser bereits an der Terrasse, das Gasthaus drohte vollzulaufen, wie Christina Walzner vom Landratsamt schildert. Schnell waren die ersten Einsatzkräfte der Dinghartinger Feuerwehr zur Stelle, Pumpen wurden in Betrieb genommen. Weil der Wasserspiegel des Sees jedoch immer weiter stieg, mussten weitere Kräfte mit leistungsstärkeren Pumpen nachalarmiert werden.

Wie der Einsatzleiter, Kreisbrandinspektor Andreas Englberger, am Nachmittag mitteilen kann, laufen seit 14 Uhr zwei Pumpen: die Hochleistungspumpe der Freiwilligen Feuerwehr München, die 50 000 Liter pro Minute aus dem Deininger Weiher befördert, sowie eine Pumpe des ABC-Zugs München-Land, die 15 000 Liter schafft. Beide pumpen das Wasser in den Hachinger Bach. Damit die Flutwelle, die Richtung München schwappt, nicht andernorts Schäden anrichtet, hat die Feuerwehr entlang des Bachlaufes Posten auf, um im Notfall eingreifen zu können.

Der Auslauf des Weihers ist gerade eine Baustelle. Deshalb staut sich das Wasser dort besonders stark.

(Foto: Claus Schunk)

Erschwert wird die Situation in Straßlach-Dingharting durch eine Baustelle am Ablauf des Deininger Weihers. Dort wird aktuell das Stauwehr saniert, weshalb provisorische Spundwände um den Ablauf eingezogen worden sind. Um noch mehr Wasser in das Gleißental ablaufen zu lassen, als allein durch den provisorischen Abfluss und die Pumpen möglich ist, wurden die Wände unter dem Einsatz von Trennschleifer und Schneidbrenner teilweise geöffnet.

Aktuell im Einsatz sind 100 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren Dingharting, Straßlach, Deining, Grasbrunn, Oberbiberg, Ottobrunn, Taufkirchen und München sowie vom ABC-Zug München-Land vor Ort. Auch Vertreter der Katastrophenschutzbehörde, aus dem Bereich Wasserrecht und der Gemeinde Straßlach-Dingharting sind am Ort. Wie das Landratsamt mitteilt, wird der Einsatz voraussichtlich noch mehrere Stunden dauern. Die Wirtsleute, die bis auf eine Trauergesellschaft wegen des Wetters keine Gästen haben, versorgen die Einsatzkräfte mit warmem Essen.

Meldungen von Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern kamen auch aus anderen Teilen des Landkreises, etwa aus Unterföhring, wo die Feuerwehr am Montagabend an der Bahnhofstraße und der St.-Florian-Straße ausrücken musste, um fünf Keller leer zu pumpen. In Pullach rückten Einsatzkräfte aus, um ein undichtes Dach notdürftig abzudecken. Besonders gefährdete Bereiche entlang der Isar, etwa bei der Großhesseloher Brücke, wurden von Feuerwehren sicherheitshalber kontrolliert.

© SZ vom 22.05.2019 / cw/lb/wkr

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