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Herbstbasare:Kreativität gefragt

Letzte Möglichkeit Secondhandladen: Auch in Unterschleißheim ist der für Samstag geplante Basar für Kinderkleidung und Kinderspielzeug ausgefallen. Verkaufen und günstig kaufen konnten Eltern Basarware stattdessen in dem Kellergeschäft an der Alexander-Pachmann-Straße 40.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Weil wegen der Corona-Pandemie und Hygieneauflagen viele Flohmärkte ausfallen, müssen sich Familien andere Wege einfallen lassen, zu klein gewordene Kinderkleidung zu verkaufen oder gebrauchte Sachen günstig zu erwerben.

Von Daniela Bode, Unterhaching/Neubiberg

Tische voller Kinderkleidung, vom Strampler bis zum Skianzug. Eine große Auswahl an Legofiguren, Büchern und Puzzles. Viele Familien. Bis zu 600 Verkäufer. Solch ein Szenario bietet die Hachinga Halle in Unterhaching normalerweise im Herbst. Doch weil die strikten Hygienevorgaben wegen der Corona-Pandemie nicht umsetzbar wären, wie Mitorganisatorin Veronika Cipic von der Nachbarschaftshilfe sagt, ist der Herbstbasar abgesagt. Wie auch etliche andere Verkaufsveranstaltungen für gebrauchte Kinderkleidung, etwa der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen, der Kleidermarkt in Oberhaching und der Herbstflohmarkt des evangelischen Kindergartens in Neubiberg.

Wie die Organisatorinnen berichten, wäre es in den bisherigen Räumen kaum möglich gewesen, getrennte Ein- und Ausgänge einzurichten oder nötige Abstände einzuhalten. Auch der Basar für Baby- und Kinderkleidung des Familienzentrums der Nachbarschaftshilfe Unterschleißheim, der am Samstag im Freien hätte stattfinden sollen, ist wegen schlechten Wetters abgesagt worden. Stattdessen konnte zu den üblichen Öffnungszeiten im Second-Hand-Shop an der Alexander-Pachmann-Straße Basarware erworben werden.

Dass die Basare, die vielerorts eine Institution sind, nicht stattfinden können, ist einerseits ein Verlust für die Einrichtungen, da oft ein Teil des Erlöses für die Finanzierung von Projekten verwendet wird. Aber auch Familien bedauern die Absagen. Und zwar nicht nur jene, die auf ihr Geld achten müssen und deshalb lieber bereits Getragenes günstig kaufen. Was tun mit all der zu klein gewordenen Kinderkleidung und den gebrauchten Spielsachen, die sich in Kellern und Schränken stapeln? Das fragen sich viele Eltern. Und lassen sich unterschiedliche Dinge einfallen. Einige nutzen Online-Plattformen. "Ich habe bei Momox mitgemacht", sagt die Unterhachingerin Cipic, die vor allem Bücher, CDs und DVDs verkaufen will. Momox ist eine Online-Plattform, die auf den An- und Verkauf gebrauchter Bücher und Medien spezialisiert ist. Andere versuchen es mit Kinderkleidung und Spielzeug über Ebay-Kleinanzeigen, wie der Facebook-Seite der Gruppe "Unterhachinger Dorfgeflüster" zu entnehmen ist. Dass Angebot und Nachfrage dort seit Beginn der Pandemie zugenommen haben, bestätigt ein Unternehmenssprecher. In der Kategorie "Baby- und Kinderkleidung" etwa gab es im Juli deutschlandweit im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um etwa 900 000 Anzeigen.

Auch die Plattform "Mamikreisel", auf der gebrauchte Kinderkleidung ver- und gekauft werden kann, verzeichnet nach eigenen Angaben einen Zuwachs. Eine Unternehmenssprecherin vermutet den Grund aber nicht allein in den ausgefallenen Flohmärkten, sondern auch darin, dass sich die Menschen während des Lockdowns die Zeit nahmen, ihre Kleiderschränke zu sortieren.

Fehlende Verkaufsmöglichkeiten regen aber auch mehr zu Spenden an. "Wir werden in diesem Jahr mehr Kleidung an die Kinderklawotte geben", sagt Nicola Grabl aus Neubiberg; eine Tochter besucht den Kindergarten am Floriansanger, die andere Tochter ist Grundschülerin. "Über diese Einrichtung sind wir immer sehr froh: Man kann etwas spenden und gleichzeitig sehr günstig wieder einkaufen." Dass das mehrere so handhaben, bestätigt Spiri Schnabel. Sie leitet das Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt in der Putzbrunner Straße in Ottobrunn, das Kinderkleidung, Spiel- und Bastelsachen als Spenden annimmt und zu kleinen Preisen wieder verkauft. "Normalerweise bringen die Leute nicht so viel", schildert Schnabel. Doch jetzt seien es statt ein, zwei Taschen mehrere Umzugskartons - Sachen, die für Basare hergerichtet waren. "Man hat den Eindruck: Wenn sie nichts dafür bekommen, haben sie keine Reue. Sie haben dafür ein gutes Gefühl, weil sie etwas spenden können."

Einige Familien versuchen wiederum, im privaten Umfeld zu tauschen. Die Neubibergerin Grabl etwa versucht, Kinderkleidung im Bekanntenkreis weiterzugeben. Sie überlege, wer ein jüngeres Kind hat, und fragt nach Interesse. "Dann kann man eine gemischte Tüte mitgeben und die andere Familie schaut durch und behält für ein Entgelt, was sie brauchen kann." Umgekehrt frage sie Familien mit älteren Mädchen, ob sie etwas an sie verkaufen könnten. Barbara Braun aus Unterschleißheim, die eigentlich Bücher und Kleidung ihres Sohnes beim Basar verkaufen wollte, geht noch einen anderen Weg: "Ich räume die Sachen wieder in den Keller und warte auf den Basar im Frühjahr", sagt sie. "Die Sachen sind meist noch so schön, da freuen wir uns, wenn jemand anderes für wenig Geld noch Spaß daran haben kann."

Was aber tun nun Familien, die auf günstige Kleidung von Herbstbasaren angewiesen wären? Zumal schon die Frühjahrsbasare wegen der Virus-Pandemie nicht stattfinden konnten. "Sie werden sich andere Wege suchen müssen, wie sie günstige Kleidung oder Spielsachen kaufen können", sagt Renate Schreyer, die normalerweise Herbst- und Frühjahrsbasar der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen organisiert. Schreyer schlägt vor, es privat zu versuchen. In den Kindergärten und Schulen gebe es ja große Netzwerke. Schreyer und auch Cipic empfehlen zudem die Klawotten. Diese verzeichnen bis jetzt keine vermehrte Nachfrage. "Viele haben Hemmungen, sie denken, die Klawotte ist nur für Bedürftige", sagt Leiterin Schnabel.

Doch das ist nicht der Fall. Jeder kann in der Klawotte für kleine Preise einkaufen, eine Jeans kostet beispielsweise drei Euro. Für Bedürftige können die Preise zusätzlich reduziert werden, wenn diese einen Nachweis über ihr derzeitiges Einkommen vorlegen. "Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Kunden zu uns kommen", sagt die Leiterin. "Wir sind ein Basar, der das ganze Jahr geöffnet hat." Und man kann dort in Ruhe stöbern und einkaufen, wann man möchte. Außer in Ottobrunn gibt es weitere Klawotten etwa in Unterhaching und Unterschleißheim.

Wer den Basar in diesem Jahr in seinem Ort vermisst, kann aber auch auf andere Märkte im Landkreis ausweichen. Denn in manchen Gemeinden finden Herbstbasare trotz strenger Hygieneauflagen statt. Die Grundschulen Neubiberg und Unterbiberg veranstalten etwa am 3. Oktober in der Aula der Grundschule am Rathausplatz von 8.30 Uhr bis 12 Uhr einen Herbstbasar. Am 13. Oktober findet im Garchinger Bürgerhaus der Herbstbasar für Kinderartikel der örtlichen Nachbarschaftshilfe von 9 bis 13 Uhr und von 15.30 bis 18 Uhr statt.

Und wer weiß: Vielleicht gibt es im Frühjahr auch in anderen Gemeinden wieder die beliebten Märkte. "Wir stricken mit heißer Nadel an einem Hygienekonzept, damit der Basar im Frühjahr wieder stattfinden kann", sagt die Unterhachingerin Cipic.

© SZ vom 28.09.2020/hilb

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