Sommerrückblick Heiter bis schweißtreibend

Sommer, Sonne, Blütenträume: Wenn es zwischendrin auch mal geregnet hätte, wäre es ein Traumsommer für jeden gewesen.

(Foto: Claus Schunk)

Während viele den außergewöhnlichen Sommer genossen haben, stöhnten andere über die Hitze. Zum meteorologischen Herbstanfang ein Rückblick auf Gewinner und Verlierer im Landkreis

Von Michael Morosow

Eines Tages im heißen August, als das Thermometer wieder einmal zu einem Höhenflug ansetzte, kam der Sauerlacher Waldbauer Johann Killer mit einer Tierärztin ins Gespräch. Jetzt reiche es ihm wirklich, jeden Tag, wenn er aufstehe, brenne bereits die Sonne vom Himmel, klagte er. Die Antwort der Tierärztin war so trocken wie der Waldboden: "Dann steh halt früher auf." Der Land- und Forstwirt kann heute schmunzeln über diese Pointe, zumal inzwischen der Regen eingesetzt hat, der Mensch und Natur aufatmen lässt. Killer gehört zu den Menschen, die am Ende mehr als genug hatten von der Prügelhitze. Ganz im Gegensatz zu den Urlaubern und Ferienkindern, Wirten, Eisverkäufern und Getränkehändlern, die allesamt mit der Sonne um die Wette gelacht haben. Ein Spaziergang entlang einiger Sommeroasen und Brennpunkte, mit Abstechern zu Gewinnern und Verlierern des heißen Sommers, der nicht nur für die Meteorologen an diesem ersten Septemberwochenende zu Ende geht, sondern gefühlt auch für jeden anderen.

Sprung ins Nass

Auch für Urlauber und Ferienkinder galt: Beinahe an jedem Tag, da sie erwachten, brannte die Sonne vom Himmel. Für sie aber war das gut so, was sich mit einem Blick auf die Liegewiesen an der Isar und anderen Gewässern feststellen ließ. Dort brummte der Betrieb, wie etwa in den Freibädern Haar und Unterhaching. Bereits Anfang dieser Woche hatten 17 500 Besucher mehr das Kassenhäuschen am Unterhachinger Freibad passiert als in der gesamten Saison 2017. In der Spitze waren es an einem Tag 4500 Badegäste. Auch in Haar wurde schon lange vor Saisonende das Vorjahresergebnis übertroffen. Damit die Besucher nicht in eine laue Brühe springen mussten, ließen die Bademeister täglich frisches, kaltes Wasser in die Becken fließen, pro Badegast 30 Liter. Das sei eine DIN-Vorschrift erklärt Michael Trautwein, Leiter des Sportamts im Unterhachinger Rathaus.

Auch im Further Bad sah man teilweise vor lauter Handtüchern und Decken kaum noch das Grün der Liegewiese. An einem Sonntag im August sei sogar der Besucherrekord gebrochen worden, berichtet Bademeister Heinz Effenberger. Selbst von Zerkarien, also Larven, deren Eier über Entenkot ins Wasser gelangen und die den Badenden gerne mal unter die Haut gehen, ließen sich Besucher nicht schrecken. "Das nehm ich in kauf, ich gehe trotzdem jeden Tag hierher zum Schwimmen", sagte eine Oberhachingerin.

Kurz vorm Kollaps

Sie standen in der prallen Sonne und damit auf der Schattenseite des Sommers - die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr. "Uns ist das Wasser zu den Stiefeln rausgelaufen", berichtet Eduard Klas, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn. In diesem Jahr sei es besonders schlimm gewesen, die Hitze habe seine Leute brutal belastet - und schuld daran ist seiner Meinung nach vor allem die dicke, schwere Schutzkleidung. "Wenn einer unter seinem Helm einen knallroten Kopf bekommt, ersetzen wir ihn durch einen frischen Kollegen, da sind die Führungskräfte gefordert", berichtet Klas. An den heißen Tagen gehörte zur Grundausstattung eines Einsatzfahrzeuges auch ein Getränkevorrat, nicht nur für die Helfer. "Wir haben Apfelschorle und Wasser ohne Kohlensäure dabei, auch für die Bürger." Zum Beispiel für Unfallbeteiligte, die in praller Sonne stehen, oder für Senioren, die nach Wohnungsöffnungen nicht selten dehydriert vorgefunden werden.

Sommer, Sonne, Blütenträume: Wenn es zwischendrin auch mal geregnet hätte, wäre es ein Traumsommer für jeden gewesen.

(Foto: Claus Schunk)

Auch für seine Beamten sei das Tragen von Schutzwesten bei hochsommerlichen Temperaturen eine Herausforderung gewesen, berichtet Andreas Aigner, Leiter der Polizeiinspektion Grünwald. "Das war schon grenzwertig", sagt er.

Hitze am Arbeitsplatz belastet auch die Bauarbeiter, für die Dachdecker im Landkreis war sie in den vergangenen Wochen kaum zu ertragen. "Die Bleche werden bis zu 80 Grad heiß, daran würden wir uns verbrennen", sagt Herbert Olvermann, Inhaber eines Dachdeckerbetriebs in Garching. Ausreichend viel trinken, mindestens drei Liter am Tag, sei Pflicht, aber wenn seine Männer bei 38 Grad auf den Dächern stehen, dann sei an manchen Tagen schon am frühen Nachmittag Feierabend.

Erhitzte Gemüter

Dass bei 35 Grad im Schatten manche Menschen nicht mehr cool sind, weiß man bei der Polizei und den Rettungsdiensten. Seine Leute kämen schon manchmal stöhnend von Einsätzen, berichtet Stefan Schraut, Leiter der Polizeiinspektion Unterhaching. "Gefühlt war die Aggressivität deutlich höher als sonst." Vor allem nachts habe man viel mehr Einsätze verzeichnet, oftmals wegen Ruhestörung durch Feiernde, "die nicht mehr nüchtern waren". Sein Kollege Aigner in Grünwald sieht in dieser Hinsicht sein Revier im Vorteil: "Für leicht erregbare Leute haben wir die Isar zum Abkühlen."

Durst

Für Brauereien und Getränkehändler war der Sommer 2018 ein Traum. Sie wurden regelrecht leer getrunken. Wenn dieser Sommer vor ein paar Jahren gewesen wäre, "dann hätten wir alt ausgesehen", berichtet der Ayinger Bräu Franz Inselkammer junior. Bier und Flaschen seien heuer sehr knapp geworden, man habe sich gerade noch so über die Zeit gerettet, vor allem Dank eines inzwischen erweiterten Lagerkellers. 2018 seien aber auch doppelt so viele Biergartentage gewesen wie sonst. "Wir hatten sehr zu kämpfen und haben es grad so hingekriegt", schildert Inselkammer. Ähnlich erging es Norbert Bannenberg, Leiter eines Orterer-Markts in Grünwald. "Die Industrie kommt nicht mehr nach, und das Leergut fehlt", sagt er. Vor allem alkoholfreie Biere und Wasser seien öfter mal ausverkauft gewesen.

Tierisch heiß

Das Christbaumgeschäft laufe nach Weihnachten traditionell schlecht, witzelte einst Josef Sedlmair, Besitzer einer Christbaumplantage in Blindham. Nach diesem heißen August kann er hinzufügen, dass bei 35 Grad im Schatten auch der benachbarte Bergtierpark wenige Besucher anlockt. Seinen Tieren ist das einerlei. Kaninchen, Hühner, Ziegen Schafe, Schweine, Rinder, Esel und dergleichen müssen so oder so mit der Hitze zurechtkommen. Ihnen stehen viele Schattenplätze zur Verfügung, für Schweine und Rotwild hat Sedlmair Suhlen angelegt, die er täglich mit frischem Wasser füllt.

80 Grad...

...heiß kann das Blech auf dem Dach werden, wenn im August die Lufttemperatur bei einer Hitzewelle jenseits der 30 Grad liegt. Für die Dachdecker, die dort oben ihre Arbeit verrichten müssen, ist das kein Spaß mehr. Der heißeste Tag in diesem Jahr war der 9. August. Da zeigten die Thermometer in und um München beachtliche 35,1 Grad Celsius an. Geregnet hat es in diesem August in der Region nur an zehn Tagen, übrigens auch am 9. August. Der Rekord der Sonnenscheindauer in diesem Monat hält hingegen der 12. August mit 13,1 Stunden.

Knapp am Desaster vorbei

Das Erfreulichste für Waldbauer Johann Killer ist die Tatsache, dass trotz Hitze und Trockenheit nicht ein Waldstück im Landkreis gebrannt hat. Die Hitzewelle habe aber große Schäden im Forst angerichtet. "Wenn 2019 noch so ein Sommer kommt, dann wird das Ökosystem Wald ein Problem bekommen", prophezeit der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Gerade einmal 60 bis 70 Liter Wasser pro Quadratmeter seien im August gefallen. Überwiegend alte Buchen und Fichten hätten sehr unter der Hitze gelitten und massiv ihre Nadeln verloren. Für die Waldbesitzer bedeutet das Verluste. Und dann wartet Killer noch mit einer interessanten Beobachtung auf: Der Borkenkäfer, der 2017 "furchtbar gewütet" hat in den Wäldern, hält sich heuer zurück, war bei weitem nicht so aggressiv wie im Vorjahr. "Bricht der Käfer zusammen?", fragt sich deshalb Killer.

Gewinner und Verlierer Wenn es die Sonne zum Nulltarif gibt, herrscht in Solarien gähnende Leere. "Der August war besch...", sagt denn auch Silvia Harrer vom Sonnenstudio Johann Krenz in Unterföhring. Mit Beginn der Ferien sei bei ihr "und bei den Kollegen links und rechts das Geschäft obigrauscht." Aber auch für Eisdielen war der heiße August nicht der umsatzstärkste Monat. "Die einen gehen zum Baden, die anderen sind weggefahren", sagen die Betreiber des Cremagelato Eiscafés in Taufkirchen. Gleiches gilt auch für Biergärten, wenngleich sich Kristine Mergel von der Waldwirtschaft mit dem Biergartengeschäft "sehr zufrieden" zeigt. Der Garten sei sehr gut gefüllt gewesen.

Mit Eis das Geschäft seines Lebens hat dagegen der Ismaninger Thomas Tremmel gemacht. Der Eiskünstler hat unter anderem für einen chinesischen Autobauer einen SUV im Maßstab 1:1 geschnitzt und ist mit einem 18-Tonner nach Belgrad gefahren. Und dann hat er noch ein zweites Standbein neben seiner Kunst: Produktion und Verkauf von Eiswürfeln, etwa an Fluggesellschaften. "So einen Sommer hab ich noch nie erlebt, der war außergewöhnlich, Gott sei Dank."