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Weiterführende Schulen:Revoluzzer mit Gestaltungsgeschick

Heinz Durner ist Physiker und Mathematiker. Er ist aber auch ein politisch engagierter Mensch. Mit 13 Jahren gründete er in seinem Heimatort einen CSU-Ortsverband. Seine Schulkonzepte finden überall in Bayern Anwendung.

(Foto: Claus Schunk)

Heinz Durner war Direktor des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching und gestaltet heute noch die Schulen der Zukunft mit. An diesem Montag bekommt er den Bayerischen Verdienstorden.

Da sind zunächst Vitalität und Empathie, die Heinz Durner anscheinend im Übermaß hat, auch noch in seinem 78. Lebensjahr. Grau ist er geworden und in wenigen Tagen wird er eine neue Hüfte bekommen, obwohl er dafür eigentlich gar keine Zeit hat. Die Einträge in seinem Kalender sind nicht weniger geworden, nachdem er 2006 als Direktor am Unterhachinger Lise-Meitner-Gymnasium pensioniert wurde - wahrscheinlich sogar mehr. So kann er in einem Münchner Café nicht erschöpfend aus seinem Leben erzählen, der nächste Termin wartet bereits.

Für diesen Montag, 22. Juli, hat sich Heinz Durner nur einen Termin notiert: Festakt im Antiquarium der Residenz München - Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. Für welche Leistung zugunsten der Allgemeinheit er einen Orden umgehängt bekommt, wird Heinz Durner erst bei der Laudatio erfahren. Naheliegender Grund für die Auszeichnung ist sein inzwischen zehnjähriges Wirken als ehrenamtlicher Beauftragter für weiterführende Schulen und Wissenschaft des Landkreises München.

Seine Qualifikation als Vordenker im Bildungsbereich hat er über Jahrzehnte an der Spitze des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) unter Beweis gestellt, zuerst als stellvertretender Vorsitzender (1980 bis 1992), dann als Vorsitzender des DPhV (1992 bis 2001). In der Praxis erlebte er seine Feuertaufe gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn, als er 2004 ein pädagogisches Konzept für den Schulcampus Hachinger Tal erarbeitete, das sowohl im Zweckverband als auch im Kultusministerium goutiert wurde.

Dennoch wären seine Pläne für einen Schulcampus mit Ganztagsbetreuung, Mittagstisch, Schülercafé und einer Aula als Kulturtreffpunkt aus Kostengründen beinahe im Reißwolf gelandet, wäre sein Traum von einem Ensemble aus VHS, Sport, Musikschule und Gymnasium geplatzt wie eine Seifenblase. Also musste sich der Visionär die auf dem Geld sitzenden Entscheidungsträger vornehmen. Als am 21. Oktober 2015 der Schulcampus feierlich eröffnet wurde, wenn auch in abgespeckter Form, sagte der damalige Kultusminister Siegfried Schneider in seinem Grußwort, an Heinz Durner gewandt: "Mit für alle gar nicht nachvollziehbarer Überzeugungskraft hat er auf Sachaufwandsträger, sagen wir mal eingeredet".

Und weil er es sehr gut versteht, mit seiner Empathie andere zu infizieren, können die sich seiner Kunst des sympathischen, zielorientierten Lästigfallens nur kaum erwehren. "Er geht hinten zur Tür raus und vorne wieder rein", würdigt Landrat Christoph Göbel die Hartnäckigkeit des 77-Jährigen, der für ihn "ziemlich einmalig" ist. Und dabei mache dieser, wenn es sein müsse, auch vor der Tür des Ministerpräsidenten nicht halt. Einen "ausgesprochenen Querdenker" nennt Göbel seinen ehrenamtlichen Mitarbeiter und einen, der im Gegensatz zu vielen anderen nicht der Meinung sei, dass früher alles besser gewesen sei.

Durner sei, im Gegenteil, ein "Motor der Veränderung", seine pädagogischen Konzepte für Schulen der Zukunft hätten in ganz Bayern Vorbildfunktion und seien auch Grundlage für Gymnasiumsbauten in Grünwald und Ismaning gewesen und seien es aktuell für das Gymnasium in Unterföhring. Und auch das Konzept für die bayerische MINT-Offensive stamme aus seiner Feder. "Der Mann hat sehr viele Seile in der Hand", sagt Göbel.

Heinz Durner ist im September 1941 im schwäbischen Schretzheim zur Welt gekommen und als viertes Kind auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen. "Am 5. Februar 1952 bekamen wir einen Traktor, einen Porsche-Bulldog", erinnert er sich. Das Datum hat er nicht vergessen, begann doch an diesem Tag sein Arbeitsleben: "Vormittags Schule, nachmittags Feldarbeit, morgens und abends Stalldienst." Ziemlich einmalig, zumal für diese Zeit und unter diesen Umständen, dürfte seine sehr frühe Entfaltung politischer Aktivitäten gewesen sein.

In der CSU ist er alles andere als ein braver Parteisoldat

Schon als 13-Jährigem missfiel es ihm, dass es in seinem Ort nur einen SPD-Ortsverein gab, dessen Vorsitzender sein Onkel August war. Am 1. Oktober 1955, wenige Wochen nachdem er Gauschützenkönig geworden war, gründete der Knabe den CSU-Ortsverband Schretzheim. "Ich hätte auch die SPD gründen können, Hauptsache zwei Parteien, eine Demokratie braucht mindestens zwei Parteien", sagt Heinz Durner, der heute über sich sagt, er sei ein "geachteter Revoluzzer und gestaltender Unruheherd" innerhalb der CSU.

Dass er lieber unbequem sein will als ein strammer Parteisoldat, hat er schon mehrmals gezeigt, so etwa wetterte Durner 2003 gegen die Pläne zur Einführung der G 8 und gegen die Aussage Erwin Hubers, wer einen Sumpf trocken legen wolle, dürfe die Frösche nicht fragen. "Ist das der neue Demokratie-Stil in Bayern?" fragte er öffentlich. Und als Markus Söder 2018 kurz vor der Landtagswahl Durners Meinung nach recht ungeschickt die bayerische Raumfahrtstrategie "Bavaria One" präsentierte und dafür Hohn und Spott erntete, schrieb er dem späteren Ministerpräsidenten unverhohlen seine Meinung.

Inzwischen aber traue er Söder zu, die Weichen für die Zukunft zu stellen, betont der 77-Jährige. Es versteht sich, dass das Thesenpapier für die Veranstaltung "Zukunftsdialog - Raumfahrt" des CSU-Kreisverbandes vor einer Woche aus seiner Feder stammt - mit Herzblut geschrieben. Der Aufbruch der Menschheit ins All fesselt den studierten Physiker und Mathematiker seit jeher, zumal nach dem ersten Zusammentreffen mit Flugzeugpionier Ludwig Bölkow 1979 und der Aufnahme in dessen engeren Zirkel. "Das hat mein Leben geändert", erinnert sich der Familienvater, der mit seiner Frau Hildegard zwei leibliche Kinder und ein Pflegekind großzog.

Auch heute noch ist Heinz Durner, der in Oberhaching lebt, von einer kindlichen Freude beseelt, wenn er anderen die Wunderwelt der Physik erklärt, auch heute noch brennt ein geradezu galaktisches Feuer in ihm, wenn er dazu in Windeseile Formeln auf ein Papier kritzelt. Wer keine ausgewiesene mathematische Null ist, auf den kann dieses Feuer schnell übergehen - als Physiklehrer hat er fünf Astrophysiker auf den Weg gebracht, darunter den Leiter der Hamburger Sternwarte.

Trockenen Lehrstoff mit Leben erfüllen lautete dabei seine Maxime. So etwa spielte er im Fußball-WM-Jahr 2006 mit seinen Schülern einen physikalischen Doppelpass, als er mit ihnen dem Phänomen so genannter Bananenflanken mit Hilfe einer Formel auf den Grund ging und diese danach wussten, dass verantwortlich dafür die Querkraftwirkung ist, die ein rotierender runder Körper in einer Strömung erfährt.

Für das Phänomen seiner unverminderten Schaffenskraft gibt es keine Formel. Derzeit schreibt Heinz Durner an einem Buch mit dem Titel: "Wie werden wir 2030 leben?"

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