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Haus für die Stadtgeschichte:Verschoben - nicht aufgehoben

Heimatmuseum Unterschleißheim

Neu eingerichteter Raum: Hier ist Tracht der Batschka aus Ungarn zu sehen.

(Foto: Florian Peljak)

Unterschleißheim zieht die Pläne für ein Museum aus der Schublade. Dank stabilerer Finanzen ist der Anbau am Alten Schulhaus wieder Thema. Derzeit wird der Fundus inventarisiert

Von Alexandra Vettori, Unterschleißheim

Seit Jahren schon träumt man in Unterschleißheim von einem richtigen Stadtmuseum. Im Sommer 2012 stellte Architekt Günter Hofmayr sogar schon die Vorplanung für einen Anbau am Alten Schulhaus an der Bezirksstraße vor: zwei Stockwerke hoch, viel Glas und mit 500 Quadratmetern doppelt so viel Ausstellungsfläche für das Museum wie jetzt im Bürgerhausanbau am Rathausplatz. Doch dann kam alles ganz anders. Eine hohe Gewerbesteuerrückzahlung, welche die Stadt im Vorjahr leisten musste, brachte das vorübergehende Aus für die auf 4,5 Millionen Euro geschätzten Sanierung des Alten Schulhauses samt Anbau.

Verschieben auf das Jahr 2017 - so lautete die Entscheidung des Stadtrates. Jetzt geht es der Stadt finanziell wieder prächtig, bei den laufenden Haushaltsberatungen für 2016 steht deshalb auch das neue Stadtmuseum wieder auf der Tagesordnung.

Hinter den Kulissen des Heimatmuseums laufen die Vorbereitungen für die Zukunft schon das ganze Jahr über unbeeindruckt weiter: Der komplette Bestand wird digital katalogisiert, vom Nachttopf über Bügeleisen, bronzezeitlichen Hufeisen bis zum Sterbebild. Das allerdings, betont die Kulturchefin der Stadt, Daniela Benker, hätte sowieso stattfinden müssen, so man auf staatliche Zuschüsse für das Museum zurückgreifen wolle. "Eine der wichtigsten Vorgaben ist eine lückenlose Inventarisierung", sagte Daniela Benker. Bei der Katalogisierung arbeitet das Unterschleißheimer Museumsteam deshalb eng mit der Landesstelle für nicht staatliche Museen in Bayern zusammen. Mit den archäologischen Fundstücken ist man schon fertig, jetzt folgen 10 000 volkskundliche Relikte von der Waschküche bis zu den 25 alten Bügeleisen, die das Museum besitzt, danach kommen die 8000 alten Fotos an die Reihe.

Auch Thomas Stockerl, Referent des Bürgermeisters, betont, die Bestandserfassung habe nichts direkt mit dem neuen Museum zu tun. Dazu werde der Stadtrat sein Votum erst im Zuge der Haushaltsberatungen abgeben. "Das Projekt Stadtmuseum", so Stockerl, "ist ja nie beerdigt worden, sondern nur auf Eis gelegt. Wann man es realisiert, ist abhängig von der Gesamtsituation." Auch zur zweiten großen Frage, dem Orgelmuseum, gibt es keine neuen Ergebnisse. Bekanntlich gibt es einen Antrag, wonach die Sammlung von Tasteninstrumenten aufgelöst werden soll. Ursprünglich aber war das Orgelmuseum im Konzept für den Museumsneubau enthalten. Der Antrag sei zur Bearbeitung an die Verwaltung weitergegeben worden, bestätigte Benker, "aber die Bearbeitung wird eine Weile dauern, weil da einiges an Recherchearbeit zu leisten ist. Es wird sicher Anfang nächsten Jahres, bis wir dem Stadtrat eine Einschätzung liefern können".

Mit dem Anbau an das Alte Schulhaus ist es beim Stadtmuseum freilich nicht getan, abgesehen davon, dass die 2012 geschätzten Kosten von 4,5 Millionen Euro inzwischen höher liegen dürften. Wie Stockerl zu bedenken gab, ziehe der Betrieb eines Museums mit entsprechenden Öffnungszeiten auch den Bedarf an mehr Personal und damit höheren laufenden Kosten nach sich, "das alles ist eine Entscheidung des Stadtrates". Immerhin ist die Leiterin des Museums, Gabi Wolf, nicht mehr ehrenamtlich tätig, wie ihr Vorgänger Wolfgang Christoph, sondern hat eine Halbtagesstelle. Die Kosten der Katalogisierung halten sich jedenfalls in überschaubarem Rahmen. Wie Daniela Benker mitteilte, sind heuer 25 000 Euro dafür eingeplant, 10 000 Euro kommen zusätzlich aus staatlichen Fördertöpfen, "da ist die Restaurierung einzelner Stücke aber schon enthalten". Auf einen Flohmarkt mit alten Gegenständen, die das Museum nicht braucht, kann man sich übrigens nicht freuen. Auch das gehöre zu den Vorgaben für ein Museum, sagte Benker, "dass alles, was nicht für Dauerausstellungen geeignet ist, in ein Depot kommt. Wegschmeißen darf man nichts".

© SZ vom 23.11.2015
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