Haarer SPD und CSU im Clinch Von Bauwut und Streitlust

In Haar liefern sich die Parteichefs der CSU und der SPD einen Schlagabtausch über die Ortsentwicklung. Der Ton der beiden macht klar: Der Kommunalwahlkampf ist bereits in vollem Gange.

Von Bernhard Lohr, Haar

Der neue, junge CSU-Vorsitzende Andreas Bukowski ist noch keine zwei Wochen im Amt - schon hat sich der Tonfall in der politischen Auseinandersetzung in Haar noch einmal deutlich verschärft. In einem Disput, den Bukowski sich in den vergangenen beiden Tagen per E-Mail mit dem SPD-Ortsvorsitzenden Peter König über die Folgen des Wachstums für die Gemeinde geliefert hat, warf der 40-jährige CSU-Chef seinem Gegenüber "populistische Stimmungsmache" vor.

Der Bezirk Oberbayern setzte sich als Eigentümer des Areals dafür ein, im Jugendstilpark dichter bauen zu lassen. Auf Druck des Haarer Rathauses hin wurden die Vorgaben verschärft, damit Grün zwischen den neuen Punkthäusern erhalten bleibt und der Parkcharakter nicht völlig verloren geht.

(Foto: Angelika Bardehle)

König würde Fake-News-Methoden anwenden. König wehrte sich dagegen und warf Bukowski bewusste Unterstellung vor. "Sie scheinen den kräftigen Pinselstrich zu bevorzugen."

Dass Bukowski gerne mit plakativen Worten und auch Bildern arbeitet, um seine Botschaften zu transportieren, beobachten viele in Haar seit Monaten. Bevor Bukowskis sich daran machte, die CSU-Spitze zu übernehmen, verpasste er der örtlichen Parteizeitung Haarer eine Rundum-Erneuerung. Er modernisierte das Layout und machte das Blatt zu seinem Sprachrohr. Er griff dort heiße Eisen auf, wie die geplante Gewerbeansiedlung der Nachbargemeinde Grasbrunn in Keferloh, gegen die Bukowski mit einer Online-Petition protestierte. Und er machte schon im Sommer 2018 klar, dass er von der Wohnbaupolitik des SPD-geführten Rathauses nichts hält.

Es bedürfe "einer genauso entschlossenen wie deutlichen Kursänderung", schrieb Bukowski und führte als Beispiel Hongkong an, wo trotz intensiver Bautätigkeit und Bauens in die Höhe kein Problem gelöst worden sei. Vielmehr seien nur immer noch mehr Menschen dort hingezogen, mit all den negativen Folgen, die sich im Raum München und in Haar auch abzeichneten. Bukowski: Die SPD verwandle Haar in einen "zubetonierten Vorort".

Peter König, SPD-Chef in Haar.

(Foto: Claus Schunk)

Wohnungsbau einstellen - und Mieten senken

Diese Zuspitzung wurmte den SPD-Vorsitzenden König offenbar schon lange. Denn als er jetzt auf der Facebook-Seite der SPD in Haar den aktuellen Antrag der CSU-Fraktion, die Leibstraße im Zentrum probeweise zur Einbahnstraße zu machen, als unbedacht abqualifizierte, nutzte er die Gelegenheit für einen Seitenhieb gegen Bukowski in Sachen Wohnungsbau. Dieser habe ja schon früher "erstaunt aufmerken" lassen, als er vorgeschlagen habe, "den Wohnungsbau in Haar doch einzustellen, um die Mieten zu senken". Diesen Satz von König nahm Bukowski zum Anlass für heftige Gegenwehr. König erfinde da etwas, antwortete er, und verdrehe Tatsachen bewusst.

Andreas Bukowski von der CSU.

(Foto: Claus Schunk)

Die CSU und Bukowski attackieren die Rathauspolitik nun auch ausgerechnet in einer Frage, in der sich die Haarer SPD seit Jahren für ihre klare Linie rühmt. Haar lässt anders als viele Nachbarkommunen keine Märkte am Ortsrand zu und ist zurückhaltend, was die Neuausweisung von Wohngebieten auf freiem Feld angeht. Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung. Also wird im Zentrum eher verdichtet und - der Rahmenplan für die südliche B 304 steht dafür - an gewissen Stellen, auch Bauen in die Höhe ermöglicht. Dahinter steckt die Erwartung, durch kurze Wege Autofahrten zu vermeiden und Verkehr zu reduzieren. SPD-Chef König erinnert Bukowski daran, dass die SPD seit Jahren für eine "vorbildliche Grünplanung" in der Gemeinde stehe.

Leider habe die CSU oft dagegen gestimmt, ob es darum gegangen sei, Bannwälder auszuweisen, eine Baumschutzverordnung zu verabschieden oder Grünzüge festzulegen. Nicht Wohnungen brächten die Menschen dazu, nach Haar zu ziehen, gibt König dem CSU-Mann zu verstehen, sondern Arbeitsplätze. Es sei unfair, dem Haarer Rathaus "ungebremste Bauwut" vorzuwerfen. Die SPD habe die ursprünglichen Bauwünsche des CSU-geführten Bezirks im Jugendstilpark erheblich reduziert, damit eben nicht alles "zubetoniert" wird, wie die CSU behaupte.

Auch wenn die CSU noch keinen Bürgermeisterkandidaten bestellt hat und Bukowski sich bedeckt hält, dürfte jetzt der Kampf ums Rathaus eröffnet sein. Bukowski setzte dem Schlagabtausch per E-Mail am späten Montagabend ein vorläufiges Ende, indem er König vorhielt, sich mit "einem Schwall von Worten" einer konstruktiven Debatte entziehen zu wollen. "Viele Behauptungen und wenige Argumente", schrieb der CSU-Chef.

Er zeigte, dass er nicht zimperlich ist, und dass er Lust hat auf Kontroverse. Auf seinen Vorschlag, sich mit König in einer Podiumsdiskussion zum Thema Wachstum und Bauen zu messen, ging König auf die Schnelle nicht ein. Grundsätzlich, sagte dieser auf Anfrage, sei das aber vorstellbar.