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Haarer Hochhauslauf:278 Stufen, 35 Grad

278 Stufen, 60 Höhenmeter: Tobias Maier im Treppenhaus des Haarer Hochhauses.

(Foto: Robert Haas)

Knapp 60 Teilnehmer treten zum 1. Haarer Hochhauslauf an

278 Stufen. 35 Grad. 12 Uhr mittags. Ein Jugendlicher in kurzer Sporthose stützt sich mit den Armen an der Wand ab und streicht seine schweißnassen Haare nach hinten. "Mein Kreislauf kippt gleich weg, habt ihr hier einen Fruchtriegel oder was Ähnliches?", fragt Pius Bergmann und geht keuchend ein paar Schritte in Richtung Aufzug. 60 Höhenmeter ist der Schüler gerade nach oben gerannt, mit seiner Zeit von zwei Minuten und neun Sekunden hat er den Tagesrekord beim ersten Haarer Hochhauslauf aufgestellt.

Den gilt es für die knapp 60 Teilnehmer nach ihm zu knacken, die sich in den vergangenen Wochen für den besonderen Lauf angemeldet haben. Von einer zehnjährigen Schülerin bis hin zu einem 75 Jahre alten Rentner ist an diesem letzten Sonntag im Juni alles dabei. Auch von den extremen Temperaturen lassen sich die Läufer nicht abschrecken. Trotzdem gibt Mitorganisator Oliver Eberle den Hobbysportlern im Startbereich noch ein paar Tipps mit auf den steilen Weg: "Nehmt immer nur eine Stufe und nicht zwei auf einmal. Falls ihr merkt, dass es einfach nicht mehr geht oder euch schlecht wird, legt einfach eure Hand auf das innere Treppengeländer, dann können die Sanitäter von oben oder unten sofort sehen, wo genau ihr seid und kommen zu euch", erklärt der Sportstättenbeauftragte der Gemeinde Haar, dann jubelt er einem Jungen im blauen Funktionsshirt zu, der gerade durch die Lichtschranke in das Treppenhaus rennt.

Was den 1. Haarer Hochhauslauf so hart macht, weiß Eberle genau. Er selbst setzte die zu knackende Marke von zwei Minuten und dreißig Sekunden für die heutigen Teilnehmer: "Das Schwierige an Treppenläufen ist, dass die Muskeln relativ schnell übersäuern. Deshalb sind Kurzstreckenläufer klar im Vorteil, während man mit einer guten Ausdauer eher schlechtere Karten hat", erklärt der Münchner, den Lauf als Auftakt für das "Somma-Festival" in Haar organisiert hat, das bis kommenden Sonntag eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen bietet. "Es gibt ja deutschlandweit nur um die zwölf Hochhausläufe und dass unsere Haarer mitmachen, verdient schon Respekt", sagt er und klopft Pius auf die Schulter.

Der 16-Jährige hat sich nach ein paar Minuten auf der Liege der Rot-Kreuz-Sanitäter von seinem kurzen Schwächeanfall erholt. Mit einem Proteinriegel in der Hand sitzt er jetzt auf einer Bierbank und schaut einem Läufer nach dem anderen beim Startschuss zu. "Ich dachte nicht, dass es so hart sein wird, das habe ich wohl ein wenig unterschätzt", erzählt der Schüler, der in Haar aufgewachsen ist und heute in Putzbrunn lebt. "Dabei habe ich sogar auf den Treppen unserer Schule trainiert, aber trotzdem wurde es nach der Hälfte richtig zäh." Er schüttelt lachend den Kopf, als ein Feuerwehrmann in Einsatzhose und Lederstiefeln an ihm vorbei auf den Startbereich zugeht.

"Na ja, so 20 Kilogramm werden das schon sein an zusätzlichem Gewicht, vor allem mit dem Atemschutzgerät auf dem Rücken", sagt Manuel Divoßen und schlüpft in seine mit Leuchtstreifen besetzte Einsatzjacke. Dass es einer der heißesten Tage im Jahr ist, hält ihn und seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Haar und der Werkfeuerwehr des Isar-Amper-Klinikums nicht davon ab, den Treppenlauf als Einsatztraining zu nutzen. "Natürlich rennen wir immer wieder in voller Montur auf dem Laufband, fahren Fahrrad oder laufen unseren eigenen kleinen Turm hoch. Aber das heute ist schon eine besonders gute Übung für uns", sagt Divoßen und stellt sich in den Schatten des Einsatzfahrzeugs. Welche Zeit er sich heute erhofft? "Mit sieben Minuten wäre ich schon zufrieden."

Pius, der Tagessieger, würde auch bei einem zweiten Haarer Hochhauslauf wieder an den Start gehen. "Das ist ein coole Idee. Und es kann niemand sagen, es wäre zu einfach", sagt er und beißt in seinen Fruchtriegel.