HaarZu spät zum Unterricht

Lesezeit: 2 Min.

Beschwerden über Linienbus-Verkehr in Haar häufen sich

Von Bernhard Lohr, Haar

SZ bei Google bevorzugen

Die Kritik reißt nicht ab. Fahrgäste und viele Eltern, die ihre Kinder mit dem Bus in Haarer Schulen fahren lassen, beklagen massive Defizite bei den öffentlichen Busverbindungen in der Gemeinde. So kommen Schulkinder aus Gronsdorf, die die Grundschule im Jagdfeld besuchen, trotz seit Monaten anhaltender Beschwerden regelmäßig zu spät zum Unterricht. Die Gemeinde sammelt Berichte über Mängel im Busverkehr systematisch und leitet sie an die zuständigen Stellen weiter. Man stehe mit dem Landratsamt, dem Auftraggeber des Linienbetreibers DB Regio Bus Bayern GmbH, seit längerem in Verbindung, heißt es aus dem Rathaus. Geändert hat sich aber bisher nichts.

Sicher stecken die Busse immer wieder im dichten Verkehr fest. Doch der Eindruck drängt sich auf, dass die DB Regio Bus Bayern als Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG nicht in der Lage ist, Mängel abzustellen. Es gibt Berichte von schlecht Deutsch sprechenden, überforderten Busfahrern, die Haltestellen übersehen und Fahrgäste stehen lassen. Mancher fragt sich, ob man dem Unternehmen nicht kündigen kann. Ein Bahnsprecher freilich sagt nach einer ersten Recherche im Haus, es seien in jüngster Zeit keine Beschwerden bekannt. Allerdings sei eins klar: Qualifiziertes Personal sei schwer zu bekommen. Der Markt für Busfahrer sei wegen der großen Konkurrenz leergefegt.

Was Fahrgäste erleben, ließ sich am Dienstag im Gemeinderat jedenfalls erahnen, als Andreas Rieder (CSU) und Traudl Vater (SPD) Klagen von Betroffenen vortrugen. So verpassen Schüler, die auf die MVV-Buslinie 242 angewiesen sind, regelmäßig den Unterrichtsbeginn. Die Kinder hätten sich angewöhnt, am Bahnhof oder bei der Post aus dem Bus auszusteigen, weil sie dann schneller zur Schule kämen, sagte Rieder. Traudl Vater berichtete von Fahrgästen, die unter der ruppigen Fahrweise auf der Linie 243 von Haar nach Neukeferloh leiden. "Es ist entsetzlich, wie die Fahrer zum Teil bremsen." Auf Fahrgäste werde nicht Rücksicht genommen.

Für die Verantwortlichen im Rathaus kommt die Schulbuskritik zur Unzeit. Seit die Gemeinde wegen wachsender Schülerzahlen die Schulsprengel geändert hat, müssen Schüler aus Gronsdorf in die weiter entfernte Schule im Jagdfeld fahren. Dass die Verbindung dorthin nicht funktioniert, kreiden manche dem Rathaus an, dem man zudem vorhält, die Schule am Jagdfeld bis Herbst 2020 erweitern zu wollen, statt eine wohnortnahe Schule zu schaffen. Für die Busdefizite sieht sich die Gemeinde freilich zu Unrecht gescholten. Schließlich ist sie nicht Vertragspartner der DB Regio Bus Bahn, die als neuer Betreiber der Linie Probleme macht. Rathaus-Sprecherin Ute Dechent beteuert, dass es früher keine Beschwerden gegeben habe.

Mittlerweile landeten mehrere Beschwerden in der Woche im Rathaus, die Klagen rissen nicht ab, sagt sie. Und: Es stelle sich die Frage, ob eine mangelhafte Vertragserfüllung für einen Partner nicht auch irgendwann Konsequenzen haben müsste. Kann das Landratsamt der DB Regio kündigen? Eine Anfrage in dieser Sache im Landratsamt war am Mittwoch auf die Schnelle nicht zu beantworten. Die Deutsche Bahn will sich konkret im Lauf der Woche äußern.

© SZ vom 01.02.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: