Im Gasthof „Zur Post“ in Haar rührt sich wieder was. Mitarbeiter räumen hinter dem Tresen Gläser ins Regal. Sie polieren Besteck und räumen es mit Geklapper in Schubladen. Auf Tischen warten Kisten darauf, ausgeräumt zu werden. Und in der Küche liegen zwei Handwerker unterm Herd und haben noch was zu schrauben. Nach fünf Monaten Leerstand steht das kommunale Wirtshaus am Kirchplatz vor der Neueröffnung. Es ist der zweite Anlauf in zwei Jahren, an alte gastronomische Glanzzeiten anzuknüpfen. Diesmal stehen die Vorzeichen nicht schlecht.
Der neue Wirt Christian Winklhofer, 54, sitzt mitten im Trubel mit seinem Küchenchef Michael Schubaur, 55, und dem Referenten des Bürgermeisters, Martin Schrüfer, an einem Tisch. Es gibt viel zu besprechen, denn am Donnerstag, 15. Januar, um 11 Uhr, geht es wieder los. Die Speisekarte ist geschrieben. Der Schweinsbraten steht für 17,50 Euro drauf, dazu gibt es Augustinerbier. Die Küche ist bayerisch-österreichisch. Außer Fiakergulasch stehen Topfenknödel und weitere Spezialitäten auf der Karte.
In Haar verbinden viele mit dem neuen Wirt die Hoffnung, sich bald wieder über gepflegte bayerische Gastlichkeit freuen zu können. Die Neuen bringen Erfahrung mit. Die Familie Winklhofer hat eben erst nach Jahrzehnten die Geschäftsleitung im Ratskeller am Münchner Marienplatz abgegeben, weil der wie das ganze Rathaus von Grund auf erneuert werden muss. 1200 Sitzplätze im Innenbereich und 400 im Prunkhof waren dort zu bewirten. Dazu sind die Winklhofers mit dem „Tradition“-Festzelt auf der „Oidn Wiesn“ vertreten. Christian Winklhofer selbst hat fast 20 Jahre den „Hofer – der Stadtwirt“ in der Münchner Innenstadt betrieben. Neben der Post in Haar wird er den Schnitzelwirt in der Münchner Fußgängerzone und den Tassilogarten in Au-Haidhausen führen.
Außerdem will die Stadt mit ihrem Wirt wieder groß feiern. Zum 28. Januar steht das erste Stadtjubiläum bevor. Die Münchner Schäffler würden tanzen, erzählt Schrüfer, anschließend gehe es zum Wirt. Der Eröffnungsabend sei schon ausgebucht, ergänzt Winklhofer. Feiern würden angemeldet. Für den Anfang sei das „schon cool“, findet er.

Über viele Jahre hat Haar von seiner gastronomischen Perle mitten im Ort profitiert. Seit Mitte der Neunzigerjahre, als die Gemeinde den Gasthof übernahm, sanierte und an die Familie Dabernig verpachtete, genossen die Gäste schon bayerisch-österreichische Küche. Der Biergarten war gut besucht. Die Corona-Pandemie aber brachte alles zum Erliegen, Karl Dabernig hörte als Wirt altersbedingt auf. Als dann nach einer dringend notwendigen Rundum-Sanierung von 18 Monaten die Haarer Post wieder eröffnete, lief das Geschäft nur mäßig an. Die neuen Wirte hatten wie viele in ihrer Zunft Probleme. Sie fanden kein Personal, Gäste warteten lange aufs Essen und viele klagten über mäßige Qualität. Der für eine Million Euro erneuerte Biergarten blieb mangels Bedienungen meistens zu. Als die Wirte im August 2025 hinwarfen, klang Untergangsstimmung an.
Aber die Familie Winklhofer, in der sich die ältere Generation etwas zurückzieht, nimmt das Engagement in Haar offenbar ernst. Das demonstriert Küchenchef Michael Schubaur, der in Baldham aufgewachsen ist, also wie der Berg-am-Laimer Winklhofer aus dem Münchner Osten kommt. Er fügt die Anekdote hinzu, wie er sich ausgerechnet vor dem ersten Tag seiner Kochlehre im Münchner Ratskeller im Haarer Freibad einen Finger verletzt habe. „Dann hab’ ich das Gemüse mit dem Gips geschnitten.“

Schubaur arbeitete nach seiner Lehre beim Sternekoch Otto Koch – und stieg dann im Ratskeller wieder ein. 25 Jahre war er dort Küchenchef, bildete viele junge Köche aus, unterrichtet heute an der Berufsschule und sitzt im Prüfungsausschuss. Er brachte Gästen aus der ganzen Welt bayerische Spezialitäten näher. Mit den Winklhofers verbinde ihn eine „Freundschaft“.
Flott einen richtig guten Schweinsbraten auf den Tisch zu zaubern, das sei wirklich kein Problem für ihn, sagt Schubaur. In fast „unglaubwürdiger“ Geschwindigkeit habe man im Ratskeller Gäste bewirtet. „Bis zum Fischbrunnen raus sind sie gestanden“, erzählt Schubaur von anstrengenden Tagen mit Arbeit im Akkord.
In Haar hört man so was gerne, fürchtete doch mancher Gast zuletzt, zu verhungern, bevor das Essen auf den Tisch kam. Aber Schubaur betont, er stehe vor allem für Qualität. Wenn Kardinal Reinhard Marx Gäste in seinem Ordinariat bewirtete, dann habe der Ratskeller das Essen zubereitet und geliefert. In Zukunft komme das Essen für den Kardinal eben aus Haar. Qualität sei alles, sagt Schubaur und zählt auf, was alles im Ratskeller von Hand hergestellt worden sei: Kartoffeln geschält, das Püree zubereitet, das Gemüse auch und vieles andere mehr. Ganz wichtig seien aus seiner Sicht die Soßen. „Kochen ist immer Leidenschaft für mich.“ Und was isst er selbst am liebsten? „Eine gute Soße mit Spätzle“, sagt Schubaur, „und ein bisschen geschmortes Fleisch“.

Dabei macht sich der Koch genauso seine Gedanken über die Arbeit wie früher im Ratskeller. „Es ist nicht so, dass ich ruhiger schlafe“, sagt er, nur weil der Betrieb mit zehn Leuten jetzt kleiner ist. „Das ist schon eine große Aufgabe.“ Man werde mehr auf Details achten, auf Qualität. Essenziell seien gute Zutaten aus der Region, er verwende Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Schwein, das Lamm komme vom Gutshof Polting, der Fisch vom Fischhof Birnbaum in Landsberg, die Kräuter und viel Gemüse beziehe er vom nachhaltigen Daglfinger Gemüsehof Kinara. 150 Plätze bietet die Gaststätte „Zur Post“ in Haar, im Untergeschoss bei der Kegelbahn kommen 50 Plätze dazu, plus 50 überdachte Plätze draußen und im Biergarten 200.
Die Wirtschaft öffnet um 11 Uhr und von 11.30 Uhr an ist die Küche bis 21.30 Uhr geöffnet. Um 23 Uhr wird geschlossen, das Ganze an sieben Tagen die Woche. Einen Ruhetag soll es nicht geben.

