WohnenHaar wehrt sich gegen Münchner Hochhauspläne

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Ganz neu sind die Pläne nicht: Schon 2021 wurden sie auf den Weg gebracht. Und damals machten sich Stadträte und Anrainer im Riemer Park davon ein Bild.
Ganz neu sind die Pläne nicht: Schon 2021 wurden sie auf den Weg gebracht. Und damals machten sich Stadträte und Anrainer im Riemer Park davon ein Bild. Stephan Rumpf
  • Die Stadt Haar kritisiert Münchens Pläne für die "Arrondierung Kirchtrudering" mit 2600 Wohneinheiten und Hochhäusern bis zu 16 Geschossen als "nicht hinnehmbar".
  • Zusätzlich plant München am Rappenweg das Quartier "Gute Uta" mit weiteren 2700 Wohnungen und einem 80 Meter hohen Hochhaus.
  • Haarer Stadträte befürchten eine "harte Kante" zum dörflichen Gronsdorf und warnen vor Problemen bei Frischluftschneisen und interkommunalen Konflikten.
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Die Stadt Haar kritisiert Münchens Pläne zur dichten Bebauung im Osten, vor allem bei Kirchtrudering.  Der Bau von Hochhäusern und Straßen wird als problematisch angesehen.

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Ortstafeln sind neu – viel mehr hat sich seit der Stadterhebung für Haar bislang nicht verändert. Aber eines schon: Die hiesigen Kommunalpolitiker können ihren Münchner Kollegen jetzt auf Augenhöhe widersprechen. Und genau das haben sie mit Blick auf die Hochhauspläne im Münchner Osten deutlicher denn je getan. So kritisiert der Haarer Stadtrat es als „nicht hinnehmbar“, dass München am Stadtrand mit der sogenannten „Arrondierung Kirchtrudering“ ein dicht bebautes Quartier mit mehr als 2000 Wohnungen schaffen will. Es geht laut der Planung um Hochhäuser mit bis zu 16 Geschossen, dazu kommt eine vierspurige Trasse von der Wasserburger Straße ins Stadtteilzentrum. Und das ist nicht alles.

Wenn in München über nötigen Wohnraum gesprochen wird, dann richtet sich der Blick meist nach Freiham im Westen oder auf die städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen im Norden bei Feldmoching sowie im Nordosten bei Johanneskirchen. Dort wird seit Jahren debattiert und gestritten – und wie in Freiham natürlich längst gebaut.

Vergleichsweise geräuschlos verläuft die Entwicklung im Osten, wo nach der Schließung des Flughafens Riem Mitte der Neunzigerjahre die Messestadt entstand. Heute leben dort 16 000 Menschen. Nun brüten seit 2021 Architekten und städtische Mitarbeiter über den Abschluss des sogenannten 5. Bauabschnitts der Messestadt, die erwähnte „Arrondierung Kirchtrudering“. In Trudering ist das seit Jahren ein Streitthema, weil viele im Viertel eine geringere Bebauungsdichte oder eine schmalere Erschließungsstraße verlangen

Am Rand des Riemer Parks sollen Wohnungen für Tausende Menschen entstehen.
Am Rand des Riemer Parks sollen Wohnungen für Tausende Menschen entstehen. Stephan Rumpf

Der Protest – Anträge in Bürgerversammlungen und eine Online-Petition – verhallte. Mittlerweile ist die Planung für das Gebiet zwischen Kirchtrudering im Westen, dem Messepark im Osten sowie dem Friedhof Riem so weit fortgeschritten, dass nun auch die Nachbarkommune Haar im Bebauungsplanverfahren Stellung beziehen soll. Und bei dieser Gelegenheit ist jetzt einigen dortigen Stadträten der Schreck in die Glieder gefahren: Denn es geht nach Angaben des Bebauungsplans um rund 2600 Wohneinheiten für etwa 6800 Menschen. Von Hochhäusern mit zwölf, 14 und 16 Stockwerken ist die Rede.  Und auch in dem aktuell nahezu ländlich wirkenden Bereich, wo am Rand zum Messepark in Trudering Einfamilienhäuser stehen, sollen Gebäude mit bis zu sieben Geschossen entstehen.

Haars Bauamtsleiter kritisiert die „harte Kante“ zwischen den Münchner Hochhäusern und dem flacher bebauten Gronsdorf

Damit würde Trudering mit Macht weiter Richtung Osten an den dörflichen Haarer Stadtteil Gronsdorf heranrücken. Haars Bauamtsleiter Josef Schartel beklagte im Stadtrat, München habe zwar untersucht, wie die Hochhäuser sich ins eigene Stadtgebiet einfügen würden, aber versäumt zu prüfen, ob und wie sie für die Menschen in Gronsdorf sichtbar sein würden. Die „harte Kante“ zum Messepark sei problematisch, eine abgestufte Bebauung die mindeste Forderung. Auch der seit Jahren geplante, und in diesem Verfahren offenbar vergessene, Radweg von Ebersberg nach Berg am Laim müsse dringend berücksichtigt werden

Auf Augenhöhe: Peter Siemsen warnt vor „interkommunalen Konflikten“ zwischen München und Haar.
Auf Augenhöhe: Peter Siemsen warnt vor „interkommunalen Konflikten“ zwischen München und Haar. Claus Schunk

Darüberhinaus gab es aus dem Stadtrat eine ganze Reihe deutlicher Äußerungen. Martin Metzger (Unabhängige Bürger) kritisierte, München wolle massive Riegel in eine Frischluftschneise hineinsetzen. Peter Siemsen (FDP) sprach von „zerklüfteten Frischluftkanälen“ zwischen den geplanten Hochhäusern und warnte gar vor „interkommunalen Konflikten“ zwischen München und Haar. Alleine Mike Seckinger (Grüne) hielt dagegen:  Die seit Jahren verfolgten Planungen könnten niemanden überraschen. Er verdamme keine Hochhäuser. Wohnraum werde gebraucht.

Dagegen spitzte SPD-Stadtrat Peter Paul Gantzer, der selbst in Gronsdorf wohnt, die Kritik zu. Er verwies auf Pläne für ein ähnliches Quartier, direkt neben der „Arrondierung Kirchtrudering“, wo bis vor einigen Jahren am Rappenweg ein wildes Gewerbegebiet an der Bahntrasse existierte. Die Baracken sind abgeräumt. Und die Pläne dort sehen nach Einschätzungen von Gantzer und dem Haarer Rathaus nicht minder hohe Gebäude vor: laut Gantzer noch einmal 2700 Wohnungen für 7000 Menschen, darunter ein Hochhaus mit bis zu 80 Metern Höhe und 3000 Arbeitsplätzen. Das am Rappenweg geplante Quartier namens „Gute Uta“ sei in Wirklichkeit eine „böse Uta“, sagte Gantzer. In der Nachbarschaft zu Haar werde „eine Kleinstadt aus dem Boden gestampft“.

Angrenzend an Einfamilienhäuser ist Geschosswohnungsbau vorgesehen. In Haar spricht man von einer „harten Kante“ hin zum Riemer Park.
Angrenzend an Einfamilienhäuser ist Geschosswohnungsbau vorgesehen. In Haar spricht man von einer „harten Kante“ hin zum Riemer Park. Stephan Rumpf

Besonders echauffierte sich Gantzer darüber, dass die dichte Bebauung ohne Anbindung an existierende städtische Strukturen vorgesehen sei. Man setze „Hochhäuser in die Prärie“. Gantzer hat wegen der Pläne am Rappenweg gleich eine Protestnote an seinen Parteifreund und Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter geschickt. Darin bezeichnete er sie als „sozial und städtebaulich“ nicht vertretbar. Die Bebauung sei ein „Schandfleck“ und es drohten sogar „soziale Unruhen“ in dem Gebiet. Er erkenne eine „Gewinnmaximierung“ seitens der Grundstückseigentümer. Er hoffe, dass seine Gedanken „Eingang in die Planungen für den Rappenweg finden“.

Damit dürfte im Münchner Rathaus angekommen sein, was man in der Stadt Haar denkt. Ob der Brief an den OB irgendetwas bewirkt, ist indes fraglich. Vor allem mit Blick auf die weit fortgeschrittene „Arrondierung“, zu der Haar jetzt doch offiziell angehört wurde. CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer warnte vor überzogenen Erwartungen und gab sich in seiner Kritik zurückhaltend. Er erinnerte an die vor Jahren erhobene Forderung nach zusätzlichen Parkplätzen in den neuen Stadtquartieren. Diese sollen Gronsdorf von den vielen Autos der Besucher entlasten, die im Sommer in Scharen zum Messe-See strömen.

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