Süddeutsche Zeitung

Verkehr:Eine Umfahrung ist keine Option

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Haars Bürgermeister Bukowski träumt weiter vom aufgeständerten Radweg über der B 304 und einer Tram. Nur so könne der Verkehr weg vom Auto verlagert werden.

Von Andreas Junkmann und Martin Mühlfenzl, Haar

Den Traum vom Radweg auf Stelzen hat Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) noch immer nicht aufgeben, erkennt er in einem aufgeständerten Radl-Highway doch eine der wenigen Möglichkeiten, die Hauptverkehrsachse B 304 durch seine Gemeinde zu entlasten. Anders sehen das Kommunalpolitiker entlang der Bundesstraße weiter östlich im Landkreis Ebersberg: Dort hat sich auf Initiative des Ebersberger Bürgermeisters Ulrich Proske (parteilos) die "Allianz B 304" gegründet, um ein Gesamtkonzept für die Bundesstraße zu entwickeln, das die Kommunen von Vaterstetten bis Wasserburg vom Verkehr entlasten soll. Am Dienstagabend haben die Bürgermeister der betroffenen Anliegerkommunen Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) im Ministerium ihr Anliegen vorgetragen, allerdings ohne Bukowski.

"Die Bundesstraße ist die zentrale Hauptverkehrsachse. Die können wir ja nicht einfach wo anders hin verlegen."

Das Ansinnen aus dem Landkreis Ebersberg unterstütze er, sagte Bukowski auf Nachfrage. Allerdings seien die Probleme im Landkreis Ebersberg mit jenen in den Gemeinden Haar und Grasbrunn im Landkreis München nicht zu vergleichen. "In Ebersberg ist es noch möglich, nach anderen Lösungen zu suchen. Dort können an der B 304 zum Beispiel noch Umgehungen gebaut werden", so Bukowski. "Bei uns in Haar ist das nicht möglich. Die Bundesstraße ist die zentrale Hauptverkehrsachse. Die können wir ja nicht einfach woanders hin verlegen." Bis zu 70 000 Fahrzeuge sind in Haar am Tag auf der B 304 unterwegs, zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends stockt hier der Verkehr regelmäßig. Auch der Landkreis Ebersberg ächzt unter dem Verkehr, in Ortschaften wie Eglharting und Kirchseeon kommt es ständig zu Staus; etwas weiter westlich aber ist es gelungen, mit einer Umfahrung den Verkehr aus Zorneding heraus zu bekommen.

Da dies in der Gemeinde Haar aber nicht möglich sei, müsse nach anderen Lösungsansätzen gesucht werden, um die Menschen zu bewegen, das Auto stehen zu lassen, findet Bukowski. Eine Verlängerung der Trambahn-Linie 21 von der Kreillerstraße in Berg am Laim über Trudering bis nach Haar sei sicher eine Möglichkeit, befindet der Haarer Rathauschef. Mit geschätzten Kosten von etwa 100 Millionen Euro wäre eine Straßenbahn auf dem etwa 7,8 Kilometer langen Abschnitt sogar relativ günstig, allerdings haben bisher alle Verkehrsuntersuchungen nicht die notwendigen Fahrtgastzahlen ergeben, um dem Vorhaben das für die Förderfähigkeit notwendige Nutzen-Kosten-Verhältnis zu bescheren. Und so setzt sich Bukowski weiter für den aufgeständerten Radweg mitten über der B 304 ein. Ein Projekt dieser Art werde nun in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart umgesetzt, ein weiteres in Basel in der Schweiz, berichtet der Bürgermeister. "Dort hat ein Umdenken eingesetzt. Vielleicht passiert das auch bei uns", sagt Bukowski. "Ich zum Beispiel würde dann nur noch Fahrrad fahren."

"Wir haben unser Ziel erreicht", sagt der Initiator und Ebersberger Bürgermeister Ulrich Proske zu dem Treffen. Neben mindestens einem weiteren Treffen in der Münchner Behörde soll auch eine überörtliche Planung der betroffenen Kommunen anlaufen. Die jeweiligen Probleme und Anliegen sollen schließlich in ein Gesamtkonzept zur Verbesserung der Verkehrssituation gegossen werden. Auch das Ministerium zieht nach der Zusammenkunft eine positive Bilanz: "Nur gemeinsam und mit allen Verkehrsträgern können wir die verkehrlichen Herausforderungen lösen, das gilt auch für die B 304", wird Minister Christian Bernreiter in einer Pressemeldung zitiert.

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