Verkehr:Ein Radschnellweg hoch über der B304

Verkehr: Oben die Radler, unten die Autos: So stellen sich die Initiatoren den Radschnellweg durch Haar vor.

Oben die Radler, unten die Autos: So stellen sich die Initiatoren den Radschnellweg durch Haar vor.

(Foto: Gemeinde Haar)

Noch ist es nur eine Vision von Lokalpolitikern - sie könnte aber eine neuen Form der Mobilität werden: Ein in weiten Teilen aufgeständerter Radweg als schnelle und sichere Verbindung auf einer der meistbefahrenen Bundesstraßen der Region.

Von Martin Mühlfenzl, Haar

Von unten dröhnt der Lärm der Autos nach oben, eine Gefahr aber stellen die Fahrzeuge für die Fahrradfahrer nicht mehr dar. Denn die radeln ungehindert einige Meter über der Bundesstraße 304 Richtung Landeshauptstadt oder wahlweise in den Landkreis Ebersberg bis nach Vaterstetten. Noch ist es nur eine Vision, der Traum von einer neuen Form der Mobilität: Ein in weiten Teilen aufgeständerter Radschnellweg über eine Länge von etwa elf Kilometer als schnelle und sichere Verbindung auf einer der meistbefahrenen Bundesstraßen der Region, mit der die Landkreise Ebersberg und München sowie der Osten der Landeshauptstadt verbunden werden sollen.

Haars Bürgermeister Andreas Bukowski, sein Vaterstettener Amtskollege Leonhard Spitzauer und der Vorsitzende des Bezirksausschusses Trudering-Riem, Stefan Ziegler (alle CSU), haben diese Idee gemeinsam ausgearbeitet und am Donnerstagvormittag in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt. Dabei kamen sie natürlich auch an der Corona-Pandemie nicht vorbei: Diese habe dazu geführt, dass immer mehr Menschen das Fahrrad als alternatives und attraktives Verkehrsmittel entdecken; gleichzeitig nehme aber auch der motorisierte Individualverkehr immer weiter zu, sagte Haars Rathauschef Bukowski.

Ziel der Initiative im Münchner Osten sei es nun, dem Rad als Verkehrsmittel neuen Schub zu verleihen, auch aus Klimaschutzgründen, und zudem keine neuen Flächen zu verbrauchen sowie den bestehenden Straßenraum intelligent zu nutzen.

Ab in die "dritte Dimension - in die Höhe"

Derzeit sei die Qualität der Radwege in der Region noch sehr unterschiedlich, sagte Vaterstettens Rathauschef Spitzauer. Entlang der B 304 etwa würden die Radwege ständig durch Kreuzungen, Ampeln und Einmündungen unterbrochen. "Das löst bei vielen Radlern Stress und auch Angst aus", so Spitzauer. Deshalb, ergänzte Ziegler, müsse man in "die dritte Dimension gehen - in die Höhe".

Und so ist das Revolutionäre an dieser Idee tatsächlich, den Radweg auf Stelzen über der Bundesstraße laufen zu lassen, wenn auch nicht auf der vollen Länge. Beginnen soll der Radschnellweg im Vaterstettener Ortsteil Baldham, von dort aus gibt es bereits eine Verbindung über Grasbrunn Richtung Haar. Es sei daher sinnvoll, die Trasse hier ebenerdig verlaufen zu lassen und zu erweitern, sagte Spitzauer. Zu prüfen sei natürlich, wie ein sinnvoller Übergang über die A 99 garantiert werden könne. Beginnend mit der dichten Bebauung in der Gemeinde Haar soll der Radschnellweg dann nach oben verlegt und bis in die Landeshauptstadt geführt werden.

Dieser Plan hätte natürlich Auswirkungen auf ein anderes Infrastrukturprojekt in der Landeshauptstadt, das immer wieder intensiv diskutiert wird: eine Verlängerung der Tram von Berg am Laim über Trudering bis Haar entlang der B 304. Dieses sei dann natürlich nicht mehr zu realisieren, sagte Bukowski. Auswirkungen auf die bestehenden Radwege entlang der B 304 hätte ein höher gelegter Radschnellweg dagegen nicht, stellte das Trio klar. Diese müssten natürlich erhalten bleiben, um den Einzelhandel in Haar und Trudering weiter erreichen zu können.

"Wir wollen das als Idee verstanden wissen", sagte Bukowski. "Als Beitrag, um etwas zur Mobilitätswende beitragen zu können." Daher sei die Bürgerbeteiligung wichtig, sagte er. "Wenn sich am Ende herausstellt, das bringt alles nichts, dann machen wir es auch nicht." Zudem sollten alle wichtigen Partner in Gespräche eingebunden werden - die umliegenden Kommunen wie Grasbrunn und Zorneding, der Münchner Kreistag und der Stadtrat, die Staatsregierung und das Bundesverkehrsministerium. "Wir müssen größer denken und dabei nicht mit Verboten arbeiten", sagte Bukowski. "Aber es braucht die Akzeptanz durch die Bevölkerung."

Der erste Radschnellweg im Landkreis soll im Norden entstehen

Sollte sich am Ende der Diskussion herausstellen, dass diese Akzeptanz vorhanden ist, soll in einer Machbarkeitsstudie eruiert werden, ob die Idee überhaupt eine Chance auf Umsetzung hat. Dann werde sich natürlich auch die Kostenfrage sowie die nach der Finanzierung stellen. Hierzu gebe es noch keine Antwort.

Mittelfristig ist geplant, einen Radweg entlang der Bahnstrecke zwischen Haar und Vaterstetten umzusetzen; an diesem Projekt werde auch festgehalten, sagte Spitzauer, allerdings biete sich diese Trasse nicht für einen Radschnellweg an. Der bisher unbefestigte Waldweg wird bereits rege genutzt - wenn er denn trocken ist.

München und das Umland enger miteinander zu verknüpfen ist ein Ziel, dass die Landeshauptstadt und der Landkreis München bereits seit längerer Zeit verfolgen. Der erste echte Radschnellweg wird vom Münchner Norden nach Unterschleißheim und Garching entstehen. Kommendes Jahr rücken die ersten Bagger an, die etwa 13 Kilometer lange Trasse wird nahezu 35 Millionen Euro kosten.

© SZ vom 06.11.2020/lot
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