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Haar:Seniorenwohnen im Jugendstilpark

Ein Investor will in Haar ein Alten- und Pflegeheim mit 142 Plätzen errichten und eine Anlage für betreutes Wohnen mit 60 Apartments. Das Rathaus drückt aufs Tempo, der Gemeinderat billigt die Pläne. Dennoch ist der Baubeginn ungewiss

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Zeit drängt. Die Zahl der hilfsbedürftigen Senioren wächst. 1331 Haarer werden laut einer Erhebung des Landratsamts im Jahr 2019 älter als 80 Jahre sein; ein Zuwachs um gut 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Der Ruf nach Einrichtungen für Senioren wird alleine deshalb von Jahr zu Jahr lauter. Dazu kommt, dass das mit 100 Plätzen relativ kleine Maria-Stadler-Haus im Ortszentrum dringend saniert werden muss. Das Rathaus forciert deshalb den Bau eines Hauses für Betreutes Wohnen und eines Alten- und Pflegeheims im Jugendstilpark. Der Gemeinderat hat zwei frühzeitig eingebrachte Bauanträge der Erlbau GmbH aus Deggendorf für gut befunden. Trotzdem könnte es noch dauern, bis der Bau beginnt.

142 Plätze bietet das Pflegeheim, das im nördlichen Bereich des Baugebiets Jugendstilpark an der Vockestraße entstehen soll. Hufeisenförmig öffnet es sich viergeschossig auf der von der Straße abgewandten Seite zu einem Hof hin. Der Eingang liegt an der Vockestraße. Das westlich angrenzende betreute Wohnen verfügt auf drei Geschossen über 60 Wohnungen. Verbunden werden die Gebäude durch einen Rosen-Laubengang in der Mitte. Fußwege binden die Senioren-Einrichtungen an einen geplanten Gebäudekomplex mit Einzelhandel an der Leibstraße an. Im Süden öffnet sich hinter den denkmalgeschützten, zu erhaltenden Gebäuden der Gärtnerei des ehemaligen Klinikareals der Jugendstilpark mit seiner Mischung aus altem Baumbestand sowie historischen und noch zu schaffenden modernen Bauten.

Die beiden Einrichtungen für Senioren sind wohl die ersten Gebäude, die im Jugendstilpark neu entstehen. Architekt Gert F. Goergens strich deshalb im Gemeinderat kürzlich heraus, wie wichtig es sei, in diesem sensiblen Ensemble architektonisch Standards zu setzen. Die Gebäude sollten "Vorbildcharakter" haben, sagte er und sprach damit einen Konflikt an, der hinter den Kulissen über Monate ausgefochten wurde. Der Investor wehrte sich gegen hohe Baukosten. Es gab in der Folge, auch auf Forderung der CSU hin, Abstriche bei der Fassadengestaltung. Thomas Reichel (CSU) schlug im Gemeinderat in diese Kerbe und sagte, dass er "das Pflegeheim tendenziell eher als Zweckbau sehe". Es folgte ein Schlagabtausch: "Die SPD-Fraktion ist froh, dass es eben kein Zweckbau ist", sagte deren Sprecher Alexander Zill. Dort würden Menschen eben nicht nur untergebracht. Gerlinde Stießberger (CSU) meinte dann noch einmal klarstellen zu müssen, dass es einfach darum gehe, bei solch einem sozialen Projekt die Baukosten nicht außer Acht zu lassen, um auch die späteren Heimkosten für die Bewohner in Grenzen zu halten. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) freilich versicherte, diese würden sich "trotz des Anspruchs" in der üblichen Größenordnung bewegen. Die Leitung des Maria-Stadler-Hauses sei in die Planung involviert gewesen. Die einst von der Gemeinde geführte, gemeinnützige GmbH, die das sanierungsbedürftige Seniorenheim neben dem Rathaus betreibt, soll vom Investor Erlbau das Seniorenheim im Jugendstilpark übernehmen.

Und das so bald wie möglich. Damit die Bauarbeiten zügig beginnen können, wählte man im Rathaus ein ungewöhnliches Prozedere und legte dem Gemeinderat die Bauanträge vor, bevor die Bauleitplanung für den Jugendstilpark unter Dach und Fach ist. Alles hängt an dem städtebaulichen Vertrag mit den Investoren von der Jugendstilpark München GmbH und der Oberbayerischen Heimstätte, in dem die Übernahme von Folgelasten durch die Bauvorhaben geregelt wird. So muss die Gemeinde etwa eine zweizügige Grundschule errichten, um die Schulversorgung für die bis zu 2500 erwarteten Neubürger zu gewährleisten. Bürgermeisterin Müller rechtfertigte die vorzeitige Behandlung der Bauanträge mit dem Zeitgewinn, den man erreiche, wenn die Kreisbaubehörde jetzt schon die Bauunterlagen prüfen könne. Das Vorgehen sei mit dem Landrat abgestimmt und voll in Ordnung.

Das Altenheim soll auf vier Geschossen verteilt acht Wohngruppen haben, auf jeder Ebene sind Zonen der Begegnung vorgesehen. Gemeinschaftsräume sind in einem eingeschossigen Anbau an der Vockestraße untergebracht. Laut Erlbau wird das Haus auch für Demenzpatienten geeignet sein. Im betreuten Wohnen sind Ein-, Zwei- und Dreizimmer-Apartments geplant, es gibt einen Fitness- und ein Saunabereich und eine Tiefgarage. Goergens sprach von einer anspruchsvollen Gartengestaltung an beiden Gebäuden und strich heraus, dass große Fensterflächen geplant seien, um auch bettlägerigen Menschen die Umwelt draußen erfahrbar zu machen.

Trotz des Spardrucks - es wird an den Gebäuden keine flächendeckende weiße Klinkerfassade geben, wie sonst bei den Neubauten im Jugendstilpark - zeigte sich Antonius van Lier (Freie Wählergemeinschaft) angetan von den Plänen. Dies seien Projekte, sagte er, bei denen das "kleine Haar tatsächlich groß sein kann".

© SZ vom 07.07.2015

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