Süddeutsche Zeitung

Haar:Musik im Kopf

Konzert für von Demenz betroffene Familien in Haar

Von Udo Watter, Haar

Das Kleine Theater Haar ist in vielerlei Hinsicht eine besonderes Haus. 1912 als Gesellschaftshaus auf dem Klinikgelände eröffnet, war das Jugendstilgebäude in seiner bewegten Geschichte unter anderem Apotheke, Bettenlager und Kino. Mittlerweile ein langjähriger kultureller Anziehungspunkt ist das Theater im Münchner Osten aber eben auch mehr als ein attraktiver Veranstaltungsort, sondern fühlt sich - durchaus im Sinn seiner Träger - Bezirk Oberbayern, Sozialpsychiatrisches Zentrum, Gemeinde Haar - , zudem speziell der sozialen Kultur verpflichtet. Ein Eckpfeiler sind dabei die Seelen-Art-Veranstaltungen (Kabarett, Ausstellungen), welche die Förderung von Menschen mit psychiatrischer Erfahrung im Blick haben.

Eine neue Zusammenarbeit im Bereich der sozialen respektive inklusiven Kultur gibt es nun zwischen dem Kleinen Theater Haar und dem Verein "Desideria Care". Dieser wurde 2017 von Desiréè von Bohlen und Halbach gegründet und kümmert sich um die Belange von Familien, die einen Angehörigen mit Demenz haben. Das Projekt "Musik im Kopf" soll den Betroffenen mit ihren Familien am 18. April, Beginn 15 Uhr, "einen musikalischen Nachmittag voller Erinnerungen und Freude schenken", wie Theaterchef Matthias Riedel-Rüppel erklärt. Musik schafft ja, was Worte oft nicht mehr vermögen. Sie öffnet die Tür zu Erinnerungen. Sie bringt verborgene Saiten zum Klingen. Die live gestreamte Veranstaltung ist als Mitmach-Konzert angelegt. Das gemeinsame Singen soll verbinden, spontan schöne Momente schaffen und es generell den von Demenz betroffenen Familien ermöglichen, am kulturellen Leben teilzunehmen.

Krisenzeiten seien häufig auch der Ausgangspunkt für Neues, und so haben die beiden Partner Kleines Theater Haar und "Desideria Care" das Format "Musik im Kopf" in den digitalen Raum verlegt. Gerade in diesen Zeiten befänden sich Menschen mit einer Demenz und ihre Familien in besonderer Isolation, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Gedanke ist deshalb, in die Wohnzimmer und Einrichtungen der Betroffenen via Stream zu kommen. Dabei ist Mitsingen ausdrücklich erwünscht. Bereits drei Mal hat der Münchener Verein Konzerte für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen veranstaltet, zuletzt

im März 2020 im Münchener Künstlerhaus am Lenbachplatz. Corona stoppte dann die weitere Planung.

Eine Anmeldung für das rund einstündige, kostenlose Konzert in Haar ist erforderlich über die Homepage des Hauses (https://kleinestheaterhaar.de/KTHDigital). Die auftretenden Künstler sind Tobias Boeck von den Brettl-Spitzen und Tobias Probst an der Zither. Auf dem Programm stehen Lebenslieder und Schlager aus den Fünfziger- bis Achtzigerjahren.

Ansonsten wird das Haus im Haarer Jugendstilpark auch im April weiter seiner besonderern Stellung als digitales Theater gerecht. An diesem Freitag, 16. April wird das Fastfood Theater erneut sein digitales Impro-Format "Chat 'n' play" inszenieren, am 23. April gastiert die Kabarett-Chansonniere Irmgard Knef mit dem Programm "Barrierefrei" in Haar, am 24. April heißt es "Meuchelmord und Lavendellikör" mit Eleonore Daniel und Jürgen Wegscheider. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 19 Uhr. Zudem bittet Riedel-Rüppel am Dienstag, 20. April, Landrat Göbel in der Reihe "Dienstalk" zum Gespräch. Weitere Infos gibt es über https://kleinestheaterhaar.de.

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Quelle:
SZ vom 15.04.2021
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