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Haar:Baseballfeld soll Firmen weichen

Baseballplatz in Haar bei München, 2018

Mehrere Firmen haben ein Auge auf den Baseballplatz gegenüber dem Nanotech-Unternehmen Attocube geworfen. Deshalb gibt es Überlegungen, die Haar Disciples umzusiedeln.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Gemeinde will neue Gewerbeflächen schaffen, um ihre Steuereinnahmen zu erhöhen. Darunter ist auch der bisherige Platz der Disciples.

Haar rollt für Investoren, die Gewerbeflächen suchen, den roten Teppich aus. Der Gemeinderat hat sich für drei künftige innerörtliche Gebiete auf Planungsvarianten geeinigt, in denen zügig gut 56 000 Quadratmeter Fläche für Betriebe zur Verfügung gestellt werden sollen. Dabei handelt es sich um Areale an der Blumenstraße, westlich des Marie-Luise-Fleißer-Wegs am Haarer Bahnhof und westlich der äußeren Leibstraße, die bisher schon für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen oder zumindest dafür im Gespräch waren. Unter anderem wird nun ernsthaft erwogen, das Baseballfeld der Haar Disciples für Gewerbe zu nutzen. Westlich des Sportparks könnte Ersatz für die Sportler entstehen.

Auf einer Sondersitzung des Gemeinderats hat das Stadtplanungsbüro Dragomir am Dienstag eine Machbarkeitsstudie für drei Gewerbegebiete vorgelegt. Flächen sollen besser vermarktet werden, um Gewerbe anzulocken und die Gewerbesteuer-Einnahmen zu erhöhen. Über die Notwendigkeit herrschte quer durch die Parteien Einigkeit.

Mit Mühe hat die Gemeinde dieses Jahr die Lücke schließen können, die eine Steuerrückzahlung von 4,8 Millionen Euro gerissen hat, die fällig wurde, weil der Technologiekonzern Panasonic zwar Steuern zahlte, aber Haar längst den Rücken gekehrt hatte. 2021 wird ein Steuereinbruch in ähnlicher Größenordnung vorausgesagt, weil der Pharmakonzern MSD nach München abwandert. 16,5 Millionen Euro an Gewerbesteuer werden 2019 noch erwartet. Angesichts der anstehenden Aufgaben kein üppiges Polster.

Dabei berichtete Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) im Gemeinderat von einem durchaus regen Interesse von Unternehmen, sich in Haar anzusiedeln. Müller sprach von 35 Anfragen alleine für das Gebiet an der Leibstraße, nördlich der Wohnbebauung in Richtung Klinik, im vergangenen Jahr. Auf großes Interesse stößt, wie es hieß, auch der bisherige Baseballplatz am Bahnhof, gegenüber dem Nanotech-Unternehmens Attocube. Aus den Anfragen wurde bisher offenbar auch deshalb nicht mehr, weil für die Flächen Erschließungs- und Ansiedlungskonzepte fehlen. Anfang des Jahres legte der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum eine erste Erhebung dazu vor. Daraus wurden nun konkrete Varianten.

So zielt man nun darauf ab, den Standort der Gemeindewerke an der Blumenstraße umzugestalten. Alte Hallen sollen verschwinden, einen Neubau für die Gemeindewerke soll es geben und auch für die Feuerwehr. Mehr Grünflächen sollen das Areal attraktiver machen, auf dem kleine und mittlere Betriebe auf etwa 16 000 Quadratmeter Fläche heimisch werden sollen. Der jenseits der Blumenstraße liegende Rodelhügel könnte nach Süden verlegt werden, um an dessen Stelle die Feuerwehr zu platzieren. Dietrich Keymer (CSU) sagte, die Blumenstraße habe für die CSU Vorrang, weil die Gemeinde dort handlungsfähig sei und schnell auf ihr gehörenden Flächen etwas erreichen könne.

Bürgermeisterin Müller widersprach Keymers Darstellung, dass am Bahnhof auf etwa 20 000 Quadratmetern und an der Leibstraße nur auf mittlere Sicht Gewerbe angesiedelt werden könne. Sie verwies auf die Zahl der Interessenten und positive Gespräche mit dem Bezirk Oberbayern, der gebraucht wird, weil ihm die Fläche gehört, auf der laut Müller ein neuer Baseballplatz, aber auch ein Kunstrasenplatz für Fußballer und ein Softballplatz geschaffen werden könnten.

An der Leibstraße verfolgt der Bezirk, angrenzend an das potenzielle, 21 000 Quadratmeter große Gewerbegebiet selbst weitreichende Pläne. Er will dort Teile der Bezirksverwaltung, nachklinische Versorgungseinheiten, Wohnungen für Mitarbeiter und auch ein Bezirksmuseum ansiedeln. Müller meinte, dies behindere die Entwicklung für Gewerbe nebenan nicht. Man müsste sich aber auf ein städteplanerisches Konzept einigen.

Das Büro Dragomir wird nun die beschlossenen Varianten vertieft untersuchen und auch mögliche Verkehrsbelastungen betrachten. Noch dieses Jahr sollen weitere Ergebnisse präsentiert werden.