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Haar:Klares Nein zum Kiesabbau

Haar, Quetschwerk Mühlhauser, ständiger LKW-Verkehr,

Die Kiestransporte sind eine Belastung für Anwohner in Salmdorf, Gronsdorf und Ottendichl.

(Foto: Angelika Bardehle)

Bürgermeister Bukowski soll mit Firma und Landratsamt sprechen

Von Bernhard Lohr, Haar

Ein Antrag der Firma Glück auf Nass-Kiesabbau hat den Konflikt um das Quetschwerk Mühlhauser in Salmdorf in Haar wieder auf die Tagesordnung gebracht. Der Bauausschuss des Gemeinderats hat einstimmig in scharf formulierter Form seine Ablehnung kundgetan, weil erwartet wird, dass damit der Weg für eine Produktion auf dem Gelände bis weit in die 2030er-Jahre hinein geebnet werden könnte. Noch mehr Lastwagentransporte zu Lasten der Anwohner in Salmdorf, Gronsdorf und Ottendichl werden erwartet. Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) soll nun mit der Firma und dem Landratsamt Gespräche aufnehmen.

Die auf Wunsch der SPD noch etwas schärfer gefasste Formulierung in dem Beschluss und die Diskussion im Bauausschuss am Dienstagabend lassen keine Zweifel daran, dass die Gemeinde wenig bis nichts von dem Ansinnen der Firma Glück hält. Doch eine Wirkung wird der Beschluss, der formal eine "Stellungnahme zur wasserrechtlichen Erlaubnis" ist, wohl nicht haben; wie viele Beschlüsse in der Vergangenheit auch. Das Gräfelfinger Unternehmen beruft sich auf Genehmigungen und Bestandsschutz. Das Landratsamt wird die Pläne wohl billigen. Dennoch nahm der Ausschuss Bukowski in die Pflicht, Einfluss zu nehmen. Ziel müsse sein, sagte CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer, zum Wohl der Haarer Bürger "ein Datum zu erreichen, an dem der Kiesabbau ein Ende nimmt".

Der Antrag sieht auf einer zwei Hektar großen Fläche 250 Meter von Gronsdorfer Wohnhäusern entfernt einen Abbau bis in eine Tiefe von 24 Metern vor. Eine Erhöhung der Produktion sei nicht vorgesehen, heißt es. Der Nassabbau solle nach Ende des Trockenabbaus Ende 2021 bis 2025 erfolgen. Bis zum Jahr 2033 soll die Grube wieder verfüllt und 2034 alles rekultiviert sein. Das Rathaus zweifelt den Zeitplan aufgrund bisheriger Erfahrungen aber an. Es werde "schwer möglich" sein, das benötigte unbelastete Material in der Menge zu bekommen. Es sei mit einer "stetigen Verlängerung der Verfüllungs- und Rekultivierungsfristen zu rechnen. Ohnehin sei der Zeitraum von 14 Jahren nicht akzeptabel.

Bürgermeister Bukowski sagte zu, mit der Firma und der Kreisbehörde zu sprechen. Ein Hebel könnte sein, dass im novellierten Regionalplan die Fläche nicht mehr als Vorrang- und Vorbehaltsgebiet für Kies und Sand eingetragen ist. Auch soll es um die Einhaltung der vor der Kommunalwahl bei einem Runden Tisch im Haarer Rathaus mit allen Beteiligten zum Schutz der Anlieger vereinbarten Maßnahmen gehen. Zudem steht im Raum, einen 1998 geschlossenen Vertrag zwischen Kiesfirma und Gemeinde rechtlich abzuklopfen, in dem ein Ende des Kiesabbaus anvisiert wurde.

© SZ vom 17.09.2020

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