Süddeutsche Zeitung

Haar:"Mit Klatschen kann man keine Miete zahlen"

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Beschäftigte der Haarer Klinik unterstreichen bei einem Warnstreik ihre Forderung nach einem dauerhaften Inflationsausgleich.

Von Hannah Wilholt, Haar

"Bitte sterben Sie langsam. Wir haben keine Zeit!" Mit Sprüchen wie diesen machen die Angestellten des Isar-Amper-Klinikums in Haar beim zweitägigen Warnstreik ihren Unmut über den Ausgang der jüngsten Tarifverhandlungsrunde deutlich. Die Arbeitgeber haben den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst eine Lohnerhöhung von insgesamt fünf Prozent innerhalb von 27 Monaten sowie eine einmalige Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 2500 Euro angeboten.

Das reicht den rund hundert Teilnehmern der Kundgebung auf dem Gelände der Bezirksklinik in Haar am Mittwoch bei Weitem nicht. Sie fordern eine Lohnsteigerung von 10,5 Prozent und mindestens 500 Euro mehr. Sinan Öztürk, stellvertretender Landesleiter der Gewerkschaft Verdi in Bayern und Hauptredner bei der Kundgebung, stört sich vor allem auch an der einmaligen Inflationsausgleichszahlung, die eine Entgeltsteigerung nicht ersetze.

Öztürk kritisiert, dass die Arbeitgeber sich nicht zuständig sähen für einen dauerhaften Inflationsausgleich. Wer sich die steigenden Mieten in München nicht leisten könne, solle woanders wohnen oder einen Mietzuschuss beantragen, laute deren Argumentation. Solche Aussagen seien unerhört. "Mit Klatschen kann man keine Miete zahlen", sagt Öztürk in Anspielung auf Solidaritätsaktionen zu Beginn der Corona-Pandemie für die als systemrelevant geltenden Beschäftigten des Gesundheitssystems. Diese Solidarität ist nach Auffassung des Gewerkschaftsfunktionärs schon lange verflogen.

Zur Finanzierung der höheren Gehälter schlägt Öztürk eine Abschöpfung der gesamten kalkulierten Gewinne, die Unternehmen während der Krisen der vergangenen Jahre verzeichnen konnten, durch den Staat vor. Vor der dritten Verhandlungsrunde machen Öztürk und Ben Pulz, Gewerkschaftssekretär für das Gesundheitssystem und Organisator der Kundgebung, klar, dass sie weiter an der Seite der Streikenden stehen. Für kommenden Montag kündigen sie erste Warnstreiks am Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen an der Vils an.

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