bedeckt München
vgwortpixel

Komplizierte Interessenlage:Gronsdorf bleibt erste Wahl

Die Bahnstraße in Gronsdorf ist auch ohne Schulcampus stark vom Verkehr belastet.

(Foto: Claus Schunk)

Landrat Christoph Göbel hält am geplanten Standort für den Schulcampus fest. Von seinen Parteifreunden in Haar distanziert er sich

Landrat Christoph Göbel (CSU) glaubt nach wie vor an den Schulcampus in Haar-Gronsdorf. "Es gibt niemanden, der ihn nicht will", sagt er. Der Münchner Oberbürgermeister, der Stadtrat, der Kreistag und auch der Gemeinderat in Haar - sie alle unterstützen das Vorhaben. Dass trotzdem nichts voranzugehen scheint, hat mit der komplizierten Interessenlage an der Grenze von Stadt und Landkreis zu tun. Der Stadt gehört das 13,2 Hektar große Areal in Gronsdorf, von dem sechs Hektar für den Campus gebraucht werden. Strittig sind Verkehrserschließung und die Frage, ob Wohnraum auf der Restfläche entsteht.

Die Ausgangslage war schon schwierig, weil der Campus am Bahnhof von Süden aus nur über die ohnehin belastete Bahnstraße angefahren werden kann, solange es nicht die Nordtangente an der Bahn gibt, deren Bau wegen eines fehlenden Grundstücks in den Sternen steht. Vergangenes Jahr kam dazu, dass CSU und SPD im April 2018 im Münchner Stadtrat durchsetzten, den Verkauf des Schulareals von einer Aussicht auf Wohnungsbau nebenan abhängig zu machen - was Haar vor eine stadtplanerische Großaufgabe stellt, die unter Zeitdruck kaum lösbar erscheint.

Die Haarer CSU suchte vor diesem Hintergrund kürzlich die Flucht nach vorne und warb in einem, wie Fraktionschef Dietrich Keymer sagte, mit dem Landrat "abgestimmten" Antrag dafür, einen Arbeitskreis einzurichten, um einen anderen Standort für den Campus zu suchen. Landrat Göbel allerdings weist die Darstellung zurück, dass der Antrag mit ihm tatsächlich abgesprochen worden sei. Die Haarer CSU habe ihn vorab über ihr Vorgehen informiert, sagt er. Einen Austausch darüber oder gar eine Unterstützung von seiner Seite habe es nicht gegeben.

Die CSU scheiterte im Gemeinderat jedenfalls mit ihrem Ansinnen auf einen Arbeitskreis an einer Mehrheit aus SPD und Grünen, die davor warnten, das Mandat des Landrats in den Verhandlungen mit der Stadt München nicht zu schwächen. Ein alternativer Standort in Haar sei auch nicht in Sicht, hieß es von SPD und Grünen. Die CSU in Haar allerdings sieht das durchaus anders, wie Thomas Reichel in der Gemeinderatssitzung andeutete, als er bei den Grünen um Zustimmung für eine andere, nicht näher benannte Fläche warb. Die SPD tat geradezu reflexartig ihre Ablehnung kund, was damit zu tun hat, dass diese immer und immer wieder eine Versiegelung von Flächen über bestehende Bebauungsgrenzen hinaus kritisiert. Vor Jahren zeigte eine Studie, dass nahe dem Gut Haar am Klinikum ein Campus möglich wäre. Der Bezirk Oberbayern signalisierte Bereitschaft, dort Land abzutreten. In der SPD gab es nun, wie es heißt, Sorge, dass die Option, dort jenseits der Bebauung in Grünfläche reinzugehen, wieder auf den Tisch kommt.

Anders verhält es sich, was die weiten, freien Flächen am Bahnhof in Gronsdorf angeht. Dass dort, wegen der Stadtnähe und der guten Anbindung an die S-Bahn, Wohnungsbau und auch ein Schulcampus naheliegend wäre, darüber herrscht tatsächlich in Haar weitgehender Konsens, den Landrat Göbel im übrigen auch in der Frage einer besseren Verkehrsanbindung durch die Nordtangente erkennt. Er werde sich weiter für den Campus in Gronsdorf einsetzen, sagt Göbel und ergänzt, bei allem auch offen zu sein für andere Standorte in Haar, sollte es diese geben. Denn die Zeit drängt. Auch das sieht Göbel. Die Fachoberschule in Haar residiert mit 160 Schülern provisorisch in einem Gewerbebau an der Hans-Pinsel-Straße, wo sie mittlerweile drei Stockwerke belegt. Im Herbst wird mit "Technik" der vierte Ausbildungszweig eröffnet. Fortschritte beim Gronsdorfer Campus werden erwartet, wenn die Stadt München ein Strukturgutachten für das Areal vorlegt. Dann könnten die Verkaufsgespräche wieder vorankommen.