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Haar:Geben und nehmen

Die Bürgerstiftung Haar hat das Haus, das Ursula Guth ihnen vermacht hat, renovieren lassen. Es bietet drei Wohnungen, die vermietet werden.

(Foto: Claus Schunk)

Die Bürgerstiftung hat ihren Grundstock von 250 000 auf 3,36 Millionen Euro erhöht, auch dank Zustiftungen. Mit den Einnahmen aus den Anlagen werden Projekte und bedürftige Menschen in der Gemeinde gefördert - vom Schultheater bis zur Fortbildung von Palliativ-Kräften

Die Bürgerstiftung Haar ist neuerdings Immobilienbesitzerin. Die im Mai vergangenen Jahr verstorbene Bürgerin der Gemeinde, Ursula Guth, hat der Stiftung ihr Wohnhaus in der Unteren Parkstraße 14 a vermacht. Das Gebäude wurde aus Mitteln, die in Zuge der Erbschaft ebenfalls an die Stiftung fielen, grundlegend saniert und vermietet. Die Einnahmen aus den drei Wohnungen fließen dem neu gegründeten Stiftungsfonds der Familie Guth zu. Die Bürgerstiftung unterstützt seit Ende 2018 mit Hilfe dieser Unterstiftung Waisenkinder, besonders bedürftige Kinder und Senioren aus der Gemeinde, so wie es Wunsch der Stifterin war.

Als der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Jürgen Partenheimer, gemeinsam mit seinem Stellvertreter Alfred Feicht und Geschäftsführer Wolfgang Weber im Büro der Bürgerstiftung im Poststadel bei einem Pressetermin diese Neuigkeiten verkündet, spricht er mehrmals einen Punkt an, der ihm offenbar wichtig ist. "Wir wollen immer mehr bei den Bürgern die Überzeugung verankern, dass es ja ihre Stiftung ist", sagt Partenheimer. Die Bürgerstiftung lebe von der Bekanntheit und vom Vertrauen. Gemünzt ist das auf alle die, die daran denken, als Zustifter zu helfen, zu Spenden oder ihr Erbe in vertrauensvolle Hände zu geben, um Gutes für Haarer zu tun. Aber es richtet sich auch an alle, die Hilfe suchen. Man sei offen für Anträge, sagt Partenheimer. Eine E-Mail reiche zur Kontaktaufnahme. Vieles laufe übers Gespräch mit den Menschen am Ort.

Im neunten Jahr ihres Bestehens ist die Bürgerstiftung gut vernetzt. Sie stellt Veranstaltungen wie die Haarer Chornacht mit Hunderten Beteiligten und Besuchern auf die Beine. Doch vor allem hilft die Bürgerstiftung im Stillen an vielen Ecken und Enden. Sie steht übers Sozialamt im Rathaus direkt Bedürftigen bei, ermöglicht, dass Kinder über "Kindern Chancen geben" schulische Unterstützung bekommen. Sie finanziert das Schultheater "Spurensuche" mit, sponsert die Fortbildung von Palliativ-Kräften am Maria-Stadler-Haus. Letztens fragte eine Jugendgruppe wegen eines Zuschusses für den Umbau der Jugendräume nach. Dieser wurde gewährt, so wie gut 90 Prozent der Anträge, wie Partenheimer sagt. Knapp 83 000 Euro habe man 2018 ausbezahlt. Dieses Jahr seien es bereits an die 70 000 Euro.

Dass Partenheimer das Jahr 2018 als "herausragend" bezeichnet, hat mit der Erbschaft zu tun, in deren Folge sich das Grundstockvermögen der Bürgerstiftung auf 3,36 Millionen Euro mehr als verdoppelte. 1,28 Millionen Euro beträgt das Stiftungskapital der Bürgerstiftung selbst, dazu kommen nun zwei Unterstiftungen, zu denen der Haselwarter-Stiftungsfonds mit 480 000 Euro und der Fonds der Familie Guth mit 1,6 Millionen Euro gehört. Aufgebaut wurden diese Summen in neun Jahren mit Hilfe von Zustiftungen und Spenden und nun erstmals auch einer Immobilie, nachdem die Gemeinde den Start der Bürgerstiftung mit einem Grundstock von 250 000 Euro ermöglicht hatte. Vorsitzende des Stiftungskuratoriums ist Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD).

Stiftungen sind auf die Ewigkeit angelegt und setzen gemäß dem Stiftungsgedanken die Erlöse ihres Vermögens für ihre Stiftungszwecke ein. Ein Problem, das der pensionierte Bankdirektor Partenheimer ansprechen muss, ist die Belastung durch die lang anhaltende Niedrigzinsphase. 56 000 Euro gingen 2018 aus Spenden an die Bürgerstiftung ein, 87 000 Euro aus Zustiftungen. Die Erträge aus der Finanzanlage brachten 33 000 Euro ein. Am Ende des Jahres 2018 nach der Zuführung zum Stiftungskapital und den Spenden lag der Jahresüberschuss bei 41 000 Euro.

Für einen Moment bricht bei Partenheimer der frühere Banker durch, als er die Bürgerstiftung als ein "gut gehendes Unternehmen" bezeichnet. Allerdings eins, bei dem die Vorstände "alles im Ehrenamt" machen. Gerade die Erbschaft zeigte aber auch Grenzen auf, was im Ehrenamt, also nebenher, zu leisten ist. Der Bau habe mit Hilfe eines kundigen Vorstandsmitglieds gut abgewickelt werden können, sagt Partenheimer. Es galt diverse Wünsche der Verstorbenen umzusetzen und auch knifflige Dinge zu klären, wie etwa Mieter auszuwählen und die Höhe des Mietzinses festzulegen. Bei der Miete habe man einen Mittelweg gewählt, sagt Partenheimer. Denn das Haus in bester Lage nur günstig zu vermieten hätte dem Stiftungszweck entgegengestanden, Einnahmen für Bedürftige am Ort zu erzielen.

Dass ein ehemaliger Bankdirektor sich zur Aufgabe gemacht hat, Einnahmen zum Wohl Bedürftiger in Haar zu erzielen, scheint ein Glücksfall zu sein. Wer eventuell selbst erwägt, eine Stiftung zu einem wohltätigen Zweck in Haar zu gründen, der hat die Option, dies über die Bürgerstiftung ohne bürokratischen Aufwand unter dem Dach der Bürgerstiftung abzuwickeln ( www.buergerstiftunghaar.de). Die Stiftungsziele der Bürgerstiftung seien so weit gefasst, sagt Partenheimer, dass jemand darunter gut eigene Ziele formulieren könne. Auch dem Name des Stifters wird in der Unterstiftung auf Wunsch ehrendes Andenken bewahrt: so wie jetzt bei Ursula Guth.