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Haar/Feldkirchen:Grenzenloses Pflegeangebot

Nachbarschaftshilfe Vaterstetten dehnt Einsätze auf Haar und Feldkirchen aus. Doch es gibt Kritik wegen mangelnder Absprache

Wenn Menschen älter werden, fallen ihnen oft alltägliche Aufgaben nicht mehr so leicht. Die Treppe bildet ein fast unüberwindbares Hindernis, der Weg zum Supermarkt dauert fast eine Stunde statt bisher zwanzig Minuten, das Wäschewaschen wird zur Plage. Viele haben Schwierigkeiten bei der Körperpflege oder können ihren Haushalt nicht mehr allein führen. Damit Senioren dennoch so lange wie möglich im gewohnten Umfeld leben können, gibt es ambulante Pflegedienste, die alte Menschen zuhause versorgen. In vielen Gemeinden bieten auch die Nachbarschaftshilfen einen solchen Dienst an.

In einer Pressemitteilung hat vergangenen Monat die Nachbarschaftshilfe Vaterstetten angekündigt, ihren Radius zu erweitern. Die neuen Einsatzgebiete liegen unter anderem in Haar und Feldkirchen. Vorab habe sie darüber keinerlei Informationen erhalten, sagt die Geschäftsführerin der Haarer Nachbarschaftshilfe, Margareta Förster. "Das hat mich schon verwundert." Denn ihre Nachbarschaftshilfe bietet ebenfalls einen ambulanten Pflegedienst an. "Ich bin es gewohnt, dass man sich abspricht, wenn man so etwas macht", so Förster. Je nach Kapazitäten werde geprüft, ob jemand einen Kunden noch selbst übernehmen könne oder ob Hilfe von einem weiteren Pflegedienst benötigt werde. Dies unterliege natürlichen Schwankungen: Vor einiger Zeit habe es einen Engpass gegeben, nun jedoch habe sich die Lage wieder entspannt. "Eine Zusammenarbeit ist im Sinne der Kunden wünschenswert", betont Margareta Förster. "Ich möchte auch keinen Krieg der Nachbarschaftshilfen." Sie hätte sich jedoch eine bessere Kommunikation gewünscht.

Ulrich Rüßmann, Vorsitzender der Feldkirchner Nachbarschaftshilfe, stimmt ihr zu: Gerade in der heutigen Zeit wäre es einfach gewesen, die Information zu verteilen. Grundsätzlich bewertet er die Ausweitung der Vaterstettener Nachbarschaftshilfe jedoch positiv. "Ich bin darüber nicht unglücklich, denn ein ambulanter Pflegedienst wird momentan bei der Nachbarschaftshilfe Feldkirchen nicht angeboten."

Margareta Förster hat die Angelegenheit nach eigener Aussage bereits telefonisch mit dem Geschäftsführer der Nachbarschaftshilfe Vaterstetten, Oliver Westphalen, geklärt. Dieser kann die Aufregung nicht verstehen. "Seit jeher ist es so, dass jegliche Dienste einer Nachbarschaftshilfe nicht gemeindegebunden sind." Schon immer habe es in Vaterstetten auch Anfragen beispielsweise aus Ebersberg oder Grafing gegeben. In diesen Fällen habe man bisher beim Kunden nachgefragt, ob es vor Ort jemanden gebe, der ihn übernehmen könne; nicht zuletzt, um zu lange Anfahrten möglichst zu vermeiden. "Wenn aber dort keine Kapazitäten vorhanden sind und jemand dennoch Hilfe braucht, sind wir eben eine soziale Organisation und fahren dort hin", so Westphalen. Dieses Vorgehen sei weiterhin üblich, das habe ihm die Leiterin des ambulanten Pflegedienstes vor Kurzem versichert. Der Geschäftsführer der Vaterstettener Nachbarschaftshilfe betont: "Es ist kein Kampf von unserer Seite angesagt. Aber wenn ein Kunde aus irgendeinem Grund lieber zu uns möchte, ist das sein gutes Recht."

Dass die Nachbarschaftshilfen der von der Ausweitung betroffenen Gemeinden davon vorab nicht informiert wurden, sieht Westphalen nicht als Problem. "Wir machen das seit über 40 Jahren so, und es gab noch nie eine Absprache. Warum sollte ich mich für etwas rechtfertigen, das dem sozialen Zweck dient?"

Der Geschäftsführer betont einen weiteren Aspekt: Die demografische Entwicklung. "Es gibt so viel Bedarf, dass man eigentlich gar nicht alles abdecken kann." Viele Nachbarschaftshilfen stelle dies vor große Herausforderungen. "Wir sollten schauen, dass wir zusammenhalten", sagt Westphalen daher.