Haar Der Fahrservice hat sich bewährt

Die Gemeinde Haar lässt auch in Zukunft Menschen mit Mobilitätseinschränkungen durch den Ort chauffieren

Von Bernhard Lohr, Haar

Der als Pilotprojekt vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufene Haarer Fahrservice für Menschen mit eingeschränkter Mobilität wird wohl fortgesetzt. Der Gemeinderat sprach sich grundsätzlich dafür aus. Allerdings gibt es noch einige offene Fragen. So wird die Rathausverwaltung prüfen, ob der günstige Fahrpreis, der bei dem Angebot der Kommune, verlangt wird, mit neuen steuerlichen Vorgaben vereinbar ist. Außerdem schaut sich die Verwaltung auf dem Markt für Elektroautos um, ob nicht ein Wagen geleast werden kann, in den auch ein Rollstuhl passt. 47 000 Euro für den Fahrservice werden aber schon mal im Haushalt 2019 eingeplant.

Der Fahrservice kam bisher gut an. 6000 Fahrten gab es seit April 2016, von denen gut 3000 zu Arztpraxen führten. Mehr als 1000 Mal brachte das weiße Elektromobil mit grün-gelber Aufschrift und Haarer Gemeindelogo auf dem Chassis Menschen zum Einkaufen. Der Dienst wurde genutzt, um Behördengänge zu erledigen, zum Pflegeheim oder zum Friedhof zu fahren. Und immerhin 1100 Mal ging es mit dem Fahrer, den die Gemeinde stellt, raus zu Freizeitaktivitäten. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) sprach von einem sehr erfolgreichen Projekt, das gerade älteren Menschen eine wichtige Hilfe sei und - "das ist ja der Sinn" - vielen die "Teilhabe am sozialen Leben ermöglicht".

Der Service wird vom Bürgerbüro im Rathaus vermittelt. Dort können Fahrten gebucht werden, allerdings nur für Strecken innerhalb der Gemeinde und Termine werktags zwischen 8 und 18 Uhr. Die Fahrer verfügen über einen Personenbeförderungsschein. Eine einfache Fahrt kostet zwei Euro. Weil der Leasingvertrag für das Elektrofahrzeug im März 2019 ausläuft, brachte Bürgermeisterin Müller das Thema in den Gemeinderat. Sie appellierte an die Gemeinderäte, das Geld für eine Fortsetzung des Projekts freizugeben. Es solle nahtlos weitergeführt werden.

Dem pflichteten im Grunde alle bei. Auch die CSU machte mit, die bei der Gründung des Fahrdienstes diesen kritisierte und ein anderes Konzept bevorzugt hätte. Damals sprach sich die Fraktion um ihren Sprecher Dietrich Keymer für eine Ausgabe von Taxi-Gutscheinen aus, deren Vorteil aus dessen Sicht freilich heute noch wäre, dass es keine räumlichen und zeitlichen Einschränkungen geben müsste. Doch weiter bestand Keymer nicht darauf.

Statt um einen Systemwechsel ging es der CSU diesmal darum, das Bestehende zu verbessern. Bettina Endriss-Herz (CSU) warb dafür, einen geräumigeren Wagen, auch für Rollstühle, einzusetzen und dazu, wenn nötig, auch von einem Elektromobil Abstand zu nehmen. Andere wie Mike Seckinger (Grüne) hielten entgegen, dass die Gemeinde mit dem Einsatz eines Elektrofahrzeugs die Alltagstauglichkeit von solchen Antrieben unter Beweis stelle. Das sei ein wichtiges Signal. Nun wird das Rathaus prüfen, ob auf dem Markt für Elektroautos mittlerweile nicht Fahrzeuge zu bekommen sind, die die Mitnahme von Rollstühlen erlauben.

Bürgermeisterin Müller gab dabei zu Bedenken, dass bei einer Ausweitung des Fahrservices auch für körperlich stark eingeschränkte Menschen geklärt werden müsse, ob die engagierten Fahrer das auch leisten könnten. Einer Ausweitung des Fahrservices, etwa auch auf die Wochenendenden, erteilte sie eine Absage. Endriss-Herz hatte einen solchen Wunsch angedeutet, um auch Jugendliche mit Mobilitätseinschränkungen mal abends auf ein Konzert zu bringen. Auch Alexander Zill (SPD) brachte in seiner Haushaltsrede seine Sympathie für eine Ausweitung des Fahrdienstes zum Ausdruck.

Die Gemeinde bittet, Fahrten spätestens zwei Tage vor der gewünschten Abholzeit anzumelden, und zwar im Bürgerbüro, werktags von 8 bis 12 Uhr, mittwochs auch 15 bis 18 Uhr, unter Telefon. 089/460 02-198, oder per E-Mail an fahrservice@gemeinde-haar.de.