Für manche ist Haar die heimliche Bezirkshauptstadt. Und sie bekommen neue Argumente. Denn der Bezirk Oberbayern verlegt einen Teil seiner Sozialverwaltung in die Stadt im Osten von München. Gerade ist unter anderem dafür ein mächtiger, viergeschossiger Gebäudekomplex an der Kreuzung Leibstraße und Vockestraße fertiggestellt worden. Eine Etage darin wird der Bezirk mit 80 Arbeitsplätzen belegen, erklärt Sprecherin Susanne Büllesbach. Dort sollen künftig vorrangig Beschäftige aus der Sozialverwaltung ihrer Tätigkeit nachgehen.
Der Bezirk Oberbayern gilt mit gutem Recht als Pate des modernen Haar. Noch an der Wende zum 20. Jahrhundert bestand der Ort im Osten von München aus wenigen Bauernhäusern. Erst mit dem Bau der Heil- und Pflegeanstalt für Psychiatrie-Patienten im Jahr 1905 im nahen Eglfing durch die Vorgänger-Institution des heutigen Bezirks erfuhr die Ansiedlung, die 1871 einen Bahnhof an der Trasse München-Rosenheim bekommen hatte, einen Aufschwung. Es entstanden Wohngebäude fürs Personal und die Siedlung wuchs mit Unterstützung des Bezirks. Dieser ist bis heute der große Grundeigentümer am Ort.
Der Neubau an der Kreuzung, gegenüber vom Haupteingang des heutigen vom Bezirk getragenen Isar-Amper-Klinikums München-Ost schließt eine Lücke in einem Quartier, das die Oberbayerische Heimstätte als Bauträger des Bezirks entwickelt hat. Gerade wird im Erdgeschoss die Ladenfläche eingeräumt, weil dort ein Aldi-Discounter noch im Februar eröffnen soll. Wie Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) weiter erklärt, werden Wohnungen in diesen Wochen bezugsfertig. Ein Café werde es dort geben und auch ein Schnellrestaurant. Damit erhalten die etwa 2000 Bewohner im angrenzenden Quartier Jugendstilpark eine weitere Einkaufsmöglichkeit. Auch die Mieter im benachbarten Seniorenzentrum und im Wohnen mit Service sollen profitieren.
Die Grünen in Haar pochen derweil darauf, mit dem Bezirk gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen, um Haar städtebaulich in dem Bereich voranzubringen. Sie fordern, bestehende Pläne des Bezirks auf der sogenannten Gutswiese wieder aufzugreifen. Diese sehen eine Bebauung der verbliebenen Freifläche an der Kreuzung vor. Mitarbeiterwohnungen sollten dort laut einer Vision des Bezirks entstehen, kliniknahe Einrichtungen und auch ein modernes Psychiatriemuseum. Die Sprecherin des Bezirks sagt, weil die Stadt die Pläne nicht weiterverfolge, habe der Bezirk diese „ad acta gelegt“.
Städtisches Quartier mit Theater
Konkret sind dafür die neuen Arbeitsplätze. „Nachdem viele unserer Mitarbeitenden ja auch aus dem Münchner Osten kommen, ist das ein attraktives Angebot“, sagt Büllesbach. Viele Bezirksmitarbeiter wohnen im Jugendstilpark. Die Oberbayerische Heimstätte, die in ganz Oberbayern Wohnbauprojekte betreut, hat im Jugendstilpark ihren Sitz. Gleich gegenüber vom Kleinen Theater Haar, das als Bühne des Bezirks über Haar hinaus mit inklusiver Kultur wirken will.
Das alles wurde möglich, weil der Bezirk die Hälfte des früheren Klinikareals mithilfe privater Investoren für Wohnen und andere Nutzungen geöffnet hat. Ein neues städtisches Quartier entstand in der einstigen Pflegergemeinde. Jetzt entstehen auch Arbeitsplätze. Die Eröffnung der Büros für die Mitarbeitenden erfolgt dem Bezirk zufolge Mitte März 2026.

