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Haar bei München:Kaffeetrinken und anpacken

Fairer Handel

In den Sitzungen des Haarer Gemeinderats soll künftig Kaffee aus fairem Handel ausgeschenkt werden.

(Foto: Wolfram Kastl/dpa)

Die Gemeinde verstärkt ihre Bemühungen um den fairen Handel

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Anregung schien Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) ganz gelegen zu kommen. Er griff im Gemeinderat letztens den Vorschlag aus der Beschlussvorlage geradezu freudig auf, dass in Sitzungen künftig Kaffee aus fairem Handel ausgeschenkt werden soll. Denn bisher gibt es überhaupt keinen Kaffee. Auch sonst will die Gemeinde noch etwas mehr dafür tun, um Fair-Trade-Produkte bekannter zu machen und deren Einsatz zu etablieren. Die Gemeinderäte waren sich da einig und votierten dafür, auch ohne mit einem duftenden Heißgetränk gelockt worden zu sein.

Auf Antrag der SPD und einen entsprechenden Beschluss bei zwei Gegenstimmen im Februar 2018 hat sich die Gemeinde längst schon auf den Weg gemacht, als Fair-Trade-Kommune zertifiziert zu werden. Seitdem ist einiges passiert: Das Umweltreferat gründete eine Steuerungsgruppe und berief mehrere Treffen ein. Vertreter der Haarer Schulen, des Handels und Unterstützer des Fairhandels-Gedankens an den Kirchen kamen mit engagierten Privatpersonen zusammen, um weitere Schritte zu beraten. Im Jahr 2020 sollte ein Haarer Einkaufsführer für fair gehandelte Produkte herausgegeben werden. Dazu war eine Veranstaltung geplant, bei der Leiter von Großhandelsbetrieben darüber informieren sollten, was es für Angebote aus dem Sortiment fair gehandelter Produkte gibt. Das Ernst-Mach-Gymnasium sollte bei einer eigenen Veranstaltung für seinen Einsatz für fairen Handel ausgezeichnet werden. All das fiel den Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zum Opfer.

Mitten im ersten Lockdown hat die Gemeinde im Mai noch die Bewerbungsunterlagen für die Aufnahme als Fair-Trade-Kommune bei der Dachorganisation in Köln eingereicht. Man konnte nachweisen, dass in Gastronomie und Einzelhandel in Haar Fair-Trade-Produkte angeboten werden. Die Antwort im Juli zeigte aber, dass man an einigen Punkten noch mehr tun muss. So wurde die Steuerungsgruppe um die engagierten Haarer Primavera Centoza und Eckhard Maurus erweitert. Und in mehreren Beiträgen unter anderem im Rathausblatt wurde über die Bemühungen der Gemeinde berichtet, im internationalen Handel mehr Gerechtigkeit walten zu lassen. Und sei es durch das Ausschenken von fair gehandeltem Kaffee.

Durch den jüngsten Beschluss wurde das noch einmal bekräftigt. Einige Punkte sollen über das Kaffee-Gebot in den Sitzungen hinaus fortan Beachtung finden. So soll die gemeindliche Öffentlichkeitsarbeit die Steuerungsgruppe medial begleiten. Das Bürgermeisteramt wird fortan nur noch Bohnen aus fair gehandeltem Kaffee in seine Kaffeemaschine kippen und in Sitzungen des Gemeinderats soll sogar noch ein weiteres Getränk und ein Fair-Trade-Pausensnack angeboten werden. Derart ausgestattet, fand Dietrich Keymer (CSU), werde man auch lange Sitzungen bis Mitternacht überstehen.

© SZ vom 19.01.2021
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