Kunstprojekt: "Niemand soll behaupten, dass er weiß, wie das Leben läuft"

Lesezeit: 4 min

Kunstprojekt: Raphael Glaser und David Höpfner haben die ehemalige Wäscherei der Klinik in einem düsteren Ambiente festgehalten.

Raphael Glaser und David Höpfner haben die ehemalige Wäscherei der Klinik in einem düsteren Ambiente festgehalten.

(Foto: Raphael Glaser und David Höpfner)

Jahrzehntelang wurden im Haarer Klinikum Menschen mit psychischen Krankheiten behandelt. Bevor die Räume zu Luxuswohnungen umgebaut werden, haben Studierende sie fotografiert. Wie fängt man ihn ein - den schmalen Grat zwischen "krank" und "gesund"?

Von Bernhard Lohr, Haar

Andrej Efimyč Ragin leitet ein russisches Provinzkrankenhaus. Im Krankensaal 6 kommt er mit dem Psychiatriepatienten Ivan Dmitrič Gromov ins Gespräch, der an Verfolgungswahn leidet. Ragin merkt schnell: Gromov ist der einzig Vernünftige in dem Provinznest. Beide kommen sich näher, tauschen sich öfter aus und ein Rivale nutzt die Chance, Ragin selbst als Verrückten abzuservieren. Die Erzählung "Krankenzimmer Nr. 6" von Anton Tschechow (1860-1904) führt aus Sicht von Andreas Belwe zum Kern der Arbeiten, für die fünf seiner Studenten mit Kameras durch ehemalige Krankensäle des Isar-Amper-Klinikums gestreift sind. Die Fotodesign-Studenten wurden mit deren bedrückender Vergangenheit konfrontiert und mit sich selbst. Denn der Grat zwischen "gesund" und "krank" ist schmal. "Niemand soll behaupten, dass er weiß, wie das Leben läuft", sagt Belwe, "jeder kann herausfallen."

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