Energiewende:Hitzige Debatte über Erdwärme

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GEOWELL Andechs 19 4 2012 Geothermische Bohrung für eine Erdwärme Heizung im Industriegebiet Rothen

Eine Bohrung wie hier in Erling bei Andechs kostet Millionen. Vor Jahren schreckte man in Haar davor zurück. Jetzt stellt sich die Frage: War es ein Fehler?

(Foto: imago/argum)

In Haar ist ein Streit darüber entbrannt, warum die Gemeinde vor Jahren der Geothermie eine Absage erteilt hat und wer die Schuld daran trägt.

Von Bernhard Lohr, Haar

In Haar ist zwischen CSU und SPD ein Streit darüber entbrannt, ob die Gemeinde bei der Entwicklung eines Geothermie-Kraftwerks vor Jahren nicht eine große Chance verpasst hat und wer daran die Schuld trägt. Ausgelöst hat die Debatte die CSU mit nur zwei Sätzen. Bürgermeister Andreas Bukowski hat im Parteiblatt Der Haarer geschrieben: "Es rächt sich nun, dass die 2008 von der CSU Haar propagierte Geothermie abgelehnt wurde." CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer griff das fast wortgleich jüngst im Gemeinderat auf. Nun wehrt sich die SPD und wirft der CSU vor, mit "falschen" Behauptungen in der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise auf Kosten anderer punkten zu wollen. Tatsächlich hätten 2010 alle im Gemeinderat vertretenen Parteien einstimmig das Geothermie-Projekt beerdigt.

Damals ging es um eine mögliche Kooperation mit Vaterstetten, Zorneding und Grasbrunn, um gemeinsam auch die hohen Kosten für eine Bohrung stemmen zu können. Haar gab Studien in Auftrag, um den Wärmebedarf und die Wirtschaftlichkeit abzuschätzen. Auch gab es eine Machbarkeitsstudie. Eine Ausbeute nahe dem bestehenden Geothermie-Kraftwerk der Stadtwerke in der Messestadt wurde kritisch betrachtet und ebenso eine Bohrung auf Haarer Gebiet im Süden. Am Ende ließen alle vier Kommunen die Finger davon. Die Kosten wurden auf bis zu 240 Millionen Euro beziffert.

Abgesehen davon, dass das damals keiner für finanzierbar hielt, gab es in Haar das Argument, dass man ein Fernwärmenetz erst aufbauen müsste und über ein gut ausgebautes Gasnetz verfüge. Damit ist angesichts des drohenden Gasnotstands jetzt freilich kein Argument mehr. Und so schauen die Haarer auf Nachbarn, die beizeiten in Geothermie investiert haben. Und Vaterstetten gräbt die alten Pläne wieder aus. Schon vor Ausbruch des Krieges sicherte man sich dort einen Claim, in dem eine Untersuchungs-Kampagne laufen soll, um eine mögliche Ausbeute von heißem Wasser zu prüfen. Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) spricht von "ehrgeizigen Zielen" und ist auch wieder mit Zorneding und Grasbrunn im Kontakt.

Mit Vaterstetten will man sich jetzt abstimmen

Haar ist in diese informellen Gespräche nicht eingebunden, obwohl die beiden CSU-Bürgermeister eigentlich gut miteinander können. Spitzauer bezeichnet es auf Anfrage als "absolut gute Idee", mit Bukowski mal über ein Energie-Bündnis zu sprechen. Er habe Haar nicht so auf dem Schirm gehabt, weil sich Haar vor Jahren eben unter Verweis auf die Gasversorgung von einer Kooperation verabschiedet habe. Buskowki sagt: "Definitiv werden wir uns jetzt abstimmen, was gemeinsam möglich ist."

Derweil herrscht im Haarer Gemeinderat dicke Luft, weil sich die SPD von der CSU zu Unrecht in die Ecke gestellt sieht. SPD-Fraktionschef Thomas Fäth sagt, die Gemeinde und die Fraktionen hätten sich 2008 bis 2010 intensiv mit dem Thema befasst. "So haben einige interessierte Mitglieder das Geothermiewerk in Riem besichtigt. Für mich eine sehr interessante Führung, der Kollege Keymer war nach meiner Erinnerung nicht dabei." Und nun werfe ausgerechnet Keymer den anderen vor, nicht auf der Höhe gewesen zu sein. Er würde es begrüßen, sagt Fäth, jetzt erneut mit Nachbarkommunen "das Thema gemeinsam zu betrachten". Eine Frage ist freilich, ob Haar darauf vorbereitet ist. Die Kommunalwerke Vaterstetten, sagt Spitzauer, hätten eigens ein Fernwärmenetz aufgebaut. Das helfe jetzt sehr.

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