Gastronomie:Franken statt Südtirol

Gastronomie: Traditionell und doch modern: das Interieur des Gasthofs "Zur Post" ist neu durchgestylt.

Traditionell und doch modern: das Interieur des Gasthofs "Zur Post" ist neu durchgestylt.

(Foto: Claus Schunk)

Nach zweijähriger Umbauphase hat der Gasthof "Zur Post" in Haar wieder geöffnet. Die neuen Pächter bieten in dem komplett sanierten und völlig neu eingerichteten Haus bayerisch-fränkische Küche in edel-modernem Ambiente.

Von Bernhard Lohr, Haar

Nach mehr als zwei Jahren des Wartens ist in Haar die Welt für viele wieder in Ordnung: Der Gasthof "Zur Post" hat nach einer Umbauphase, die länger als geplant war, am Freitag neu eröffnet. Was das für die Einwohner der Gemeinde und alle Menschen im Umkreis bedeutet, die bodenständige und zugleich hochwertige Küche schätzen, bringt am Eröffnungstag Pater Gabriel Budau auf den Punkt. Der Leiter des Pfarramts, das gegenüber der Traditionsgaststätte am Kirchenplatz liegt, sagt, wie froh er über das gastronomische Angebot sei. "Kirche, Rathaus und Wirtschaft - das ist die Dreifaltigkeit der guten Gemeinschaft."

Die Erleichterung über die Neueröffnung mit dem Wirtspaar Sabine und Michael Keller ist vor allem im Rathaus groß, wo Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) in Sichtweite zu Gasthof und Kirche in seinem Büro monatelang gebangt und darum gekämpft hat, dass auf der Baustelle etwas vorangeht. Viele Haarer hatten vehement darauf gedrängt, dass der Gasthof wieder eröffnet, und dem Bürgermeister gehörig Druck gemacht.

Beim Betreten des Gasthofs, der den Kirchenplatz mit seiner hoch aufgeschossenen Fassade und dem Spitzgiebel dominiert, wirkt alles neu und frisch durchgestylt: Dunkles Grün dominiert an den Wänden, die Tische in Echtholz verschaffen ein edles Ambiente. Und an den Wänden fallen Schwarz-weiß-Fotografien von typischen Haarer Ortsansichten und Originalen wie dem früheren Wirt Franz Bibinger auf, die man aus dem Gemeindearchiv geholt hat.

Am Freitagvormittag decken Bedienungen die Tische ein. Die neuen Chefs Sabine Keller, 39, und Michael Keller, 46, nehmen sich kurz Zeit für ein Gespräch am Stammtisch, wo im Herrgottswinkel nur das Kruzifix fehlt, das nach Absprache mit Pater Gabriel genau dort platziert werden soll. Der Empfang in Haar sei herzlich, sagt die Wirtin. Sie hätten sich "gleich geborgen und wohlgefühlt".

Gastronomie: Sabine und Michael Keller wollen mit bayerisch-fränkischer Küche verwöhnen.

Sabine und Michael Keller wollen mit bayerisch-fränkischer Küche verwöhnen.

(Foto: Claus Schunk)

Das Wirte-Ehepaar blickt auf lange Jahre Erfahrung in der Gastronomie und Hotellerie zurück. Sabine Kellers Eltern führten das Burg-Hotel im fränkischen Lichtenberg, bis sie es selbst mit gerade einmal 18 Jahren übernahm. Bis heute gehört das Hotel zum Familienbetrieb. Zwischenzeitlich führte das Ehepaar Keller auch in Garmisch-Partenkirchen und in Bad Kohlgrub Gasthäuser, bis sie von der Brauerei Hofbräu darauf angesprochen wurden, ob sie nicht das in der Hand der Gemeinde befindliche Gasthaus übernehmen wollten. Dort stand nach einer Ära unter Karl Dabernig ein Umbruch bevor, der dann gleich noch mit einer umfassenden Sanierung der Gasträume sowie der Haus- und Küchentechnik einherging. Auch das Obergeschoss wurde erneuert, wo jetzt Vereinsräume liegen, das Kulturamt neu einzieht und auch die Wirte samt Mitarbeitern wohnen können.

Gastronomie: Historische Schwarz-weiß-Aufnahmen mit Haarer Ansichten schmücken die Wände.

Historische Schwarz-weiß-Aufnahmen mit Haarer Ansichten schmücken die Wände.

(Foto: Claus Schunk)

Statt einer Küche mit Südtiroler Einschlag, für welche die Familie Dabernig stand, gibt es jetzt eine bayerisch-fränkische Speisekarte. Das "Schäufele", ein Schweinebraten aus der Schulter mit viel Kruste, fehlt folglich nicht. Die Küche werde wieder traditionell sein, verspricht Sabine Keller. Neu sind Frankenweine sowie Kuchen und Apfelstrudel, den ihre Mutter selbst backe. Die Wirtin ist gelernte Hotelfachfrau und Köchin und steht mit einem weiteren Koch selbst in der Küche. Ihr Mann Michael ist Restaurantfachmann, kommt aber auch aus dem Baugewerbe, was bei den letzten Zügen des Umbaus geholfen haben soll.

Gastronomie: In großen, auch abteilbaren Gasträumen gibt es insgesamt 125 Plätze.

In großen, auch abteilbaren Gasträumen gibt es insgesamt 125 Plätze.

(Foto: Claus Schunk)

Die Neuen steigen gleich mit Weihnachtsfeiern voll ins Geschäft ein. Auch die Bewirtung des angrenzenden Bürgersaals übernimmt das Lokal. Bereits vor ein paar Wochen hatten Wirte und Personal dort ihre Feuertaufe: Mit großem Publikum wurden 40 Jahre Partnerschaft mit Ahrntal in Südtirol gefeiert - wie passend. Auch wenn jetzt eröffnet wurde und Küche und das Gasthaus mit 125 Plätzen fertig sind, laufen im Haus noch Restarbeiten. So wird die Kegelbahn erst später zur Verfügung stehen und auch der Umbau des Biergartens mit knapp 400 Plätzen hat gerade erst begonnen. 6,8 Millionen Euro wird der ganze Umbau am Ende die Gemeinde gekostet haben.

Bürgermeister Bukowski zeigte sich am Eröffnungstag trotz der Kosten erleichtert. Wie üblich bei solch großen Bauvorhaben in denkmalgeschützten Gebäuden habe es manche Überraschung gegeben. "Zwischendurch sind ab und zu die Fetzen geflogen", sagt der Rathauschef. Aber jetzt bildeten Kirche, Wirtschaft und Rathaus im Haarer Zentrum wieder den perfekten "Dreiklang". Als Nächstes steht die Sanierung des Bürgersaals an.

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