StädtebauDer weite Weg zum Stachus

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Eine frühe Visualisierung des Projekt, das sich aus der Vogelperspektive nicht groß verändert hat.
Eine frühe Visualisierung des Projekt, das sich aus der Vogelperspektive nicht groß verändert hat. (Foto: Aldi Süd)

An der B 471 in Haar soll ein urbaner Wohn- und Geschäftskomplex entstehen, der das Gesicht des Ortsteils Eglfing verändern würde. Doch bei der Genehmigung im Landratsamt hakt es noch.

Von Bernhard Lohr, Haar

Der Stachus liegt in München. Und die Leibstraße in Haar. Soweit ist eigentlich alles klar. Doch bei einem Blick auf die Visualisierung eines Bauvorhabens an der Ecke Leib- und Vockestraße (B 471) in der Gemeinde Haar könnte der Betrachter durcheinander kommen. Denn wo sich in Haar jetzt noch eine abgeräumte Kiesfläche befindet, sollen ein Büro- und Geschäftskomplex sowie Wohnhäuser entstehen, die in ihren Ausmaßen geeignet sind, dem gesamten Quartier eine neue Prägung zu verleihen. Haar-Eglfing bekommt durch das Vorhaben an der Kreuzung, wo auch der Hauptzugang zum Isar-Amper-Klinikum liegt, ein geradezu städtisches Gesicht. Und dabei ist das Bauprojekt erst ein Anfang.

Der Blick in die Zukunft ist am künftigen Haarer Stachus möglich. Doch wann die Vision Wirklichkeit wird, ist tatsächlich noch nicht klar. Der Gemeinderat hat zwar schon vor bald einem Jahr einstimmig den Bauantrag für die mehrgeschossigen Bauten genehmigt, die im Norden des neuen Wohngebiets Jugendstilpark und in Nachbarschaft zum neuen Maria-Stadler-Seniorenzentrum dieses neue Quartier in Haar abrunden sollen. Der von der Gemeinde genehmigte Bauantrag blieb allerdings über Monate im Landratsamt zur Genehmigung hängen.

Die Kreisbehörde moniert Abweichungen vom Bebauungsplan

Das Landratsamt erklärt auf Anfrage, das Vorhaben sei wegen einer Abweichung vom Bebauungsplan nicht genehmigungsfähig gewesen. Derzeit arbeite die Oberbayerische Heimstätte als Projektträger daran, die Pläne anzupassen. Eine "Änderungsplanung" sei bislang nicht eingegangen. Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) hatte jüngst in der Bürgerversammlung nur gesagt, dass sich die Gemeinde einen Fortschritt bei dem bedeutsamen Vorhaben wünsche.

Die Oberbayerische Heimstätte äußert sich zum Stand des Bauverfahrens nicht. Der Discounter Aldi Süd wiederum, der als Partner der Oberbayerischen Heimstätte an dem Projekt beteiligt ist, erklärt auf Anfrage nur: "Die Erteilung der Baugenehmigung steht aktuell noch aus." Es sei aber bei Vorhaben dieser Größenordnung ganz normal, dass aufwendige Abstimmungen notwendig sind. "Wir sind voller Zuversicht, unser Gemeinschaftsprojekt schon bald in die Umsetzung zu bringen."

Bei dem Großvorhaben geht es nicht zuletzt um eine Einkaufsmöglichkeit für die etwa 2000 Bewohner, die auf das frühere Klinikareal ziehen. Auch Arztpraxen waren zwischenzeitig im Gespräch. Wenn alles fertig ist, wird die Oberbayerische Heimstätte Handelsflächen und gewerbliche Einheiten in den Erdgeschossen sowie die dazugehörigen Stellplätze im Teil- beziehungsweise Sondereigentum an Aldi übertragen. Der zweite große Akteur ist der Bezirk, der hinter der Oberbayerischen Heimstätte steckt und Träger des Isar-Amper-Klinikums ist.

Für den Bezirk ist Haar ein bedeutender Standort, den man ausbauen will. Der Bezirk hat erklärt, mit Abteilungen den neuen Bürokomplex zu beziehen. 66 Büros waren bei Einreichung des Bauantrags geplant, Einzelbüros, aber auch größere Einheiten für bis zu zehn Mitarbeiter. Eine Tiefgarage mit 254 Stellplätzen soll für diese und für die Kunden in den Geschäften gebaut werden. 67 Stellplätze kommen auf einem platzähnlichen, sich in Richtung Leibstraße öffnenden Areal dazu.

45 Wohnungen will die Oberbayerische Heimstätte schaffen, nach dem Haarer Modell zu einem günstigeren Mietzins. Ein Café mit Terrasse ist geplant, in das auch Bewohner des Seniorenheims und des Betreuten Wohnens nebenan mit ihren Besuchern einkehren können sollen. Ebenso ein direkter Fußweg und ein Parkplatz, der großzügig mit Bäumen bepflanzt werden soll.

Die Planung für das Zentrum im Jugendstilpark war von Beginn an aufwendig. Unter anderem habe es Überlegungen gegeben, die Tiefgarage teilweise unter die Leibstraße zu legen. "Es wäre nicht besser geworden, wenn wir noch zehn Jahre geplant hätten", sagt Bauamtsleiter Josef Schartel. Das Quartier werde sich deutlich beleben. Das erwarten auch andere. Die Grünen begründeten jüngst ihre Forderung nach Tempo 30 auch in der äußeren Leibstraße damit, dass sich dort städtische Strukturen entwickelten. Tatsächlich wird nirgendwo sonst in Haar mehr gebaut und geplant.

Für einen weiteren größeren Block an Wohn- und Geschäftshäusern an der Ecke Annelies-Kupper-Allee sind die Planungen ebenfalls weit gediehen. Nicht zuletzt treibt der Bezirk als Grundstückseigentümer die Entwicklung voran. Die noch freie Fläche an der Leib- und Vockestraße hält sich der Bezirk für kliniknahe Einrichtungen vor: Wohnheime, Wohngruppen und vielleicht auch ein Psychiatrie-Museum.

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