BrückenneubauAfD-Funktionär will „deutschen Wald“ erhalten

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Verkehr auf der B304 in Haar: Die Baustelle an der Autobahnbrücke droht Pendlern auf Jahre Schwierigkeiten zu bereiten.
Verkehr auf der B304 in Haar: Die Baustelle an der Autobahnbrücke droht Pendlern auf Jahre Schwierigkeiten zu bereiten. (Foto: Florian Peljak)

In einem offenen Brief an den Haarer Stadtrat kritisiert der Ortsvorsitzende der Partei den Bau einer neuen Brücke über die A99 und wirft Politik und Behörden Intransparenz vor.

Sorge vor einer Zerstörung des Waldes und Kritik an Intransparenz von Politik und Behörden – wer den fünfseitigen offenen Brief liest, der an das Haarer Rathaus und den Stadtrat gegangen ist, könnte denken, dieser stamme von einem Politiker der Grünen. Doch tatsächlich hat ihn der Ortsvorsitzende der AfD geschrieben – allerdings ohne sich als Parteifunktionär zu erkennen zu geben.

In seinem Schreiben an Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) und alle Stadträte, das auch an die SZ ging und keinen Hinweis auf die AfD enthält, wirft Christoph Rätscher der Stadt Intransparenz und Versäumnisse beim geplanten Neubau der B304-Brücke über der A99 vor. Rätscher spricht von vielen offenen Fragen bei dem Projekt. Warum komme der Abriss der alten Brücke und der Bau einer neuen „so plötzlich“, wieso sei ein Eingriff in den Wald, bei dem es sich um Bannwald handle, „einfach so möglich“, fragt der AfD-Politiker.

„Ich bin weiß Gott kein Grüner“, sagt er auf Nachfrage. „Aber ich finde es heuchlerisch, wenn die Grünen ‚Klimanotstand‘  propagieren, aber rein gar nichts tun, wenn es drauf ankommt, unseren deutschen Wald zu erhalten.“ Auf die Frage, warum der Brief nicht als AfD-Schreiben kenntlich gemacht sei, sagt Rätscher, er wolle übliche Ressentiments gegen die Partei nicht wecken und würde als Bauingenieur einfach gerne wissen, ob die Brücke wirklich so marode sei wie von den Behörden behauptet. „Bei echter Gefahrenlage müsste sofort eine Sperrung erfolgen“, schreibt er in dem offenen Brief.

Von der Stadt fordert Rätscher eine „umfassende Bürgerinformation“. Im Rathaus fühlt man sich jedoch nicht angesprochen. Man sei schlicht der falsche Adressat, erklärt die Pressestelle und verweist auf die Zuständigkeit der Autobahn GmbH. Außerdem liege die Brücke auf Grasbrunner Gemeindegebiet. Anfang Juli war bekannt geworden, dass die Brücke im kommenden Jahr wegen Baufälligkeit abgerissen und ersetzt werden soll. Bereits im Oktober beginnen die Vorarbeiten für eine Behelfsbrücke.

Der Brief ist die erste öffentliche Wortmeldung eines AfD-Politikers in der Haarer Stadtpolitik seit der Gründung eines Ortsverbands vor einem Jahr. Wie Rätscher auf Nachfrage erklärt, will die AfD bei der Kommunalwahl im März 2026 mit einer eigenen Liste für den Haarer Stadtrat antreten. Rätscher war 2023 bei der Landtagswahl im Stimmkreis München-Bogenhausen als Direktkandidat der AfD angetreten und unterlegen.

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